Ölpest vor US-Küste

BP ist mit Aktion “Top kill” gescheitert

Ausland
30.05.2010 15:48
Die Bemühungen des britischen Energiekonzerns BP, das lecke Ölbohrloch im Golf von Mexiko zu verschließen, haben erneut einen schweren Rückschlag erlitten: Die "Top kill"-Aktion, bei der Schlamm in das Loch gepumpt wurde, um es abzudichten, ist gescheitert, wie BP-Einsatzleiter Doug Suttles einräumen musste. Die Enttäuschung ob des erneuten Misserfolgs war groß. Präsident Barack Obama nannte es "herzzerreißend" und "erzürnend", dass nun weiter Öl ins Meer fließe - möglicherweise sogar bis August.

"Nach drei ganzen Tagen des Versuchs mit 'Top kill' sind wir unfähig gewesen, das Ausströmen des Öls aus dem lecken Bohrloch vor der Südküste der USA zu stoppen", sagte Suttles bei einer Pressekonferenz. Daher habe BP entschieden, "zur nächsten Option überzugehen".  Im Zuge der Aktion "Top kill" hatte der Konzern versucht, das Bohrloch mit Spezialschlamm sowie Gummiresten und Faserabfällen zu schließen und es dann mit Zement zu versiegeln.

BP unsicher, warum "Top kill" scheiterte
Auf Nachfrage konnte Suttles nicht sagen, warum genau die "Top kill"-Methode nicht funktionierte. "Wir wissen das nicht sicher", sagte er. Das ausfließende Öl habe nicht "nachhaltig" gestoppt werden können. BP-Chef Tony Hayward hatte die Erfolgschancen der Methode auf 60 bis 70 Prozent geschätzt. Die Küstenwachen-Konteradmiralin Mary Landry sagte bei der Pressekonferenz, alle seien "sehr enttäuscht" über den Fehlschlag. Es werde weiter offensiv nach einer Lösung gesucht.

Nun Zylinder statt Stahlglocke 
BP wolle nun umgehend mit einer andere Methode beginnen, um das ausströmende Öl zumindest auffangen zu können, kündigte Suttles an. Bei dem "neuen" Verfahren handelt es sich im Wesentlichen aber um die bereits versuchte Stahlglocken-Aktion: Es werde nun das bestehende Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt, kündigte BP an. Auf die Öffnung wird ein Zylinder gestülpt, die einen Großteil des ausströmenden Öls und Gases auffangen und durch eine Leitung zu einem Schiff an der Meeresoberfläche leiten soll. Das könne vier Tage dauern oder auch länger, sagte der BP-Manager. 

"Wir können nicht garantieren, dass es klappt." Auch Obama nannte den neuen Plan riskant, da er noch nie getestet worden sei. Trotzdem müsse es versucht werden, so der Präsident.

Entlastungsbohrung erst im August fertig
Scheitert auch dieser Versuch, könnten bis August weiter täglich zwischen 1.600 und 3.400 Tonnen Rohöl ins Meer strömen. Schon jetzt ist es die größte Ölpest in der US-Geschichte. Mehr als 240 Kilometer Küste sind bereits verschmutzt, Hunderte Vögel, Schildkröten und Meeressäuger verendet.   

Als weitere Alternative gilt das Bohren eines Entlastungslochs, wodurch der Druck auf das lecke Bohrloch verringert werden soll. Mit den Bohrungsarbeiten wurde zwar bereits begonnen, die Fertigstellung dürfte aber noch zwei Monate in Anspruch nehmen.

Milliardenverlust für BP
Auslöser der Ölkatastrophe war die Explosion der von BP betriebenen Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April. Seitdem traten täglich Hunderttausende Liter Öl aus. Das Scheitern von "Top kill" ist ein herber Rückschlag bei der Bewältigung der Ölkatastrophe. BP hatte die Methode als beste Chance eingeschätzt.

Die Ölpest kostete den Konzern bisher schon fast eine Milliarde Dollar. Die Kosten beliefen sich bis jetzt auf 930 Millionen Dollar, erklärte das Unternehmen am Freitag. In der Summe enthalten seien die Kosten für den Schutz der Küsten vor dem austretenden Öl, für die Reinigung und die Versuche, das lecke Ölbohrloch abzudichten, sowie für Entschädigungszahlungen. Noch sei es "zu früh" zu sagen, welche Gesamtkosten zu erwarten seien.

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