03.10.2019 20:11 |

Blutbad in Paris

4 Beamte tot: War Täter radikalisierter Islamist?

Fünf Tote im Polizei-Hauptquartier in Paris, Sicherheitskräfte unter Schock: Ein Verwaltungsangestellter der Polizei hat am Donnerstag in der französischen Hauptstadt vier Beamte erstochen, bevor ihn ein Polizist erschoss. Beim Täter handelte es sich um einen Bediensteten der Polizeidirektion, er arbeitete in der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei, die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist. Er sei „ein vorbildlicher Angestellter ohne Vorgeschichte“ gewesen, wie ein Mitarbeiter der Polizeigewerkschaft sagte. Der 45-Jährige soll nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP allerdings vor 18 Monaten zum Islam konvertiert sein. Ob dies mit der Tat zusammenhängt, liegt jedoch noch im Dunkeln.

Der Mann hatte zur Mittagszeit mit einem Küchenmesser Kollegen im Polizei-Hauptquartier angegriffen. Der 45-Jährige verletzte eine Frau und drei Männer tödlich, mindestens ein weiterer Mensch wurde bei dem Angriff lebensgefährlich verletzt. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten die Umgebung des Polizei-Hauptquartiers ab. Es liegt im Herzen der Stadt, in Laufweite der Pariser Kathedrale Notre-Dame auf der Seine-Insel Ile de la Cite. Die Gegend ist bei Touristen sehr beliebt.

Ein Augenzeuge der Messerattacken berichtete, unter den Polizisten sei Panik ausgebrochen. „Ich habe einen Schuss gehört“, sagte der Dolmetscher, der in dem Präsidium Dienst hatte. „Alle rannten, viele haben geweint.“ Der Täter wurde nach dem Angriff im Hof der Präfektur erschossen. Die Wohnung des Angreifers in dem Ort Gonesse nordöstlich von Paris wurde durchsucht und seine Frau in Polizeigewahrsam genommen.

Täter arbeitete mehr als 20 Jahre in Polizeipräfektur
Der 45-Jährige war nach Angaben der Ermittler für Informatik zuständig. Er arbeitete bei der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei (Direction du renseignement de la prefecture de police, DRPP), die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben Hinweisen nach, wonach es einen Konflikt zwischen dem Täter und Kollegen gegeben habe.

Ein Mitarbeiter der Polizeigewerkschaft Alliance, Loic Travers, sagte dem Sender BFM-TV, der Täter habe mehr als 20 Jahre in dem Präsidium gearbeitet. Er habe als „vorbildlicher Angestellter ohne Vorgeschichte“ gegolten. Der Mann stammte aus Fort-de-France, der Hauptstadt der französischen Karibikinsel Martinique. Er galt wegen seiner Schwerhörigkeit als behindert. Anti-Terror-Ermittler wurden in dem Fall vorerst nicht eingeschaltet, wie der Pariser Staatsanwalt Remy Heitz mitteilte. Eine offizielle Bestätigung für den Übertritt des Mannes zum Islam gab es zunächst nicht und auch keine Angaben zu einer möglichen Radikalisierung.

Präsident Emmanuel Macron bekundete den Mitarbeitern der Polizeidienststelle seine Unterstützung und Solidarität. Gemeinsam mit Innenminister Christophe Castaner und dem französischen Innenstaatssekretär Laurent Nunez besuchte er den Tatort.

Angriff einen Tag nach „Wutmarsch“ tausender Polizisten
Der Angriff ereignete sich einen Tag nach einem „Wutmarsch“ tausender Polizisten für bessere Arbeitsbedingungen. Die französische Polizei gilt wegen der Anschlagsserie ab 2015 und den „Gelbwesten“-Protesten als überlastet. Seit Jahresbeginn nahmen sich landesweit 50 Polizisten das Leben.

Die Pariser Polizei war in den vergangenen Jahren durch mehrere Skandale erschüttert worden. Im Februar wurden zwei Beamte wegen der Vergewaltigung einer Touristin in dem Hauptquartier zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt. Für Schlagzeilen sorgte auch der Fall eines Drogenfahnders, der Kokain gestohlen haben soll.

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