Das Konzept des Spiels, das sich irgendwo zwischen klassischem Racing-Spektakel und TNT-geladenem Actionfilm einordnen lässt, ist denkbar simpel: In einer fiktiven TV-Serie treten Rennfahrer in hochgezüchteten Vehikeln in verschiedenen Umgebungen gegeneinander oder in speziellen Solo-Rennen an. Darüber hinaus wurde auf eine Rahmenhandlung kein Wert gelegt, was aber gar nicht weiter stört. Der Clou an der Sache: Die Strecken, die etwa mitten durch die Stadt, über gebirgiges Terrain, über Flugplätze, durch Häfen und Werften usw. führen, sind mit jeder Menge Fallen präpariert.
Spießrutenlauf jenseits von Tempo 200
So muss der Pilot in den einzelnen Staffeln und Folgen der Fernsehshow etwa mit landenden Jumbojets klarkommen, die ihm auf der Strecke plötzlich entgegenrasen. Häufig wird man von allerlei explodierenden Gasflaschen oder Reisebussen getroffen oder gerät in deren Druckwellen. Nicht selten fliegen einem tonnenschwere Kipplaster an Hubschraubern baumelnd um die Ohren und zerstören auf ihrem Flug ganze Tunnelpassagen. Da wundert es dann bald nicht mehr, wenn sich dazu noch Kampfhelikopter gesellen, die ihre zerstörerische Fracht direkt auf die Strecke vor den eigenen Kühlergrill abfeuern. Und das Beste daran: Die Fallen - sogenannte Powerplays - lassen sich vom Spieler selbst auslösen.
Doch zurück an den Start, der grundsätzlich "fliegend" erfolgt. Ehe man seine Gegner aus der Verfolgerposition heraus pulverisieren kann, muss erst die Powerplay-Energie aufgeladen werden. Dies gelingt etwa durch langgezogene Drifts, durch das Aufholen zum Vordermann in dessen Windschatten (Drafts) oder durch den Totalverlust der Bodenhaftung bei Sprüngen.
72 Folgen im Serienstaffel-Takt
Erscheint dann ein entsprechendes Symbol über den Konkurrenten, genügt ein Knopfdruck zur rechten Zeit und die Falle schnappt zu. Dann zerbröseln die Vehikel reihenweise und damit man das Spektakel ganz genau verfolgen kann, kreierten die Entwickler von Blackrock Studios passende Slowmotion-Einstellungen.
Auch der Spielfortschritt ist am TV-Show-Konzept festgemacht. So wählt man chronologisch eine von zwölf Staffeln, die den Ort des Geschehens grob eingrenzt, und rast dann von Folge zu Folge (Events), wobei man Erfahrungscredits sammelt und dafür weitere Strecken oder Rennwagen freigeschaltet werden. Insgesamt bietet das Spiel 72 Events. Wer dann immer noch nicht genug hat, dem stehen im Menü auch noch ein schnelles Spiel, Online-Rennen und Splitscreen-Duelle zur Verfügung.
Realistische Bedingungen sucht man vergebens
Zudem haben die Spielentwickler versucht, die Spannung mit verschiedenen Renn-Herausforderungen aufrecht zu erhalten. So gibt es neben dem gewöhnlichen Rennen etwa auch Detonator (ein Soloevent gegen die Uhr), Truckbomber (hier gilt es möglichst viele Laster zu überholen, ohne von herabfallenden Bomben getroffen zu werden), Luftangriff (ein Kampfhelikopter feuert aus allen Rohren), Elimination (dem letzten im Feld geht es an den Kragen) und Staffel-Finalrennen. Trotz dieser recht gelungenen Abwechslungen, stellt sich ab etwa dem halben Spielfortschritt eine gewisse Eintönigkeit ein, da die Spannungsmomente stets die gleichen Fertigkeiten am Controller verlangen.
Die Steuerung ist schlicht, aber präzise, obgleich die meisten Fahrfehler toleriert und Kollisionen abseits der Powerplays ohne entsprechendes Schadensmodell meist glimpflich verlaufen. Wer also nach realistischen Bedingungen sucht, wird hier wohl kaum auf seine Kosten kommen – nicht zuletzt, weil auch stets die Sonne lacht…
"Warum das alles verstecken?"
Auf den ersten Blick erfrischend aufgeräumt wirkt der Bildschirm im Renngeschehen. Man sucht vergeblich nach der althergebrachten Informationsverteilung: Nicht etwa die Bildecken sind mit Positionsangaben, Rundenzeiten, Energiebalken, etc. zugepflastert, all diese Angaben kauern stattdessen ziemlich unlesbar am Heck des Wagens. "Wir haben so viel Information in den Hintergrund verpackt, und dachten uns dann: Warum das alles verstecken?", erklärte Nick Baynes, Game Director von Blackrock. Doch in einem Bleifuß-Spiel wie diesem, sind derartige Zahlenspiele ohnehin fehl am Platz.
Besonders gelungen sind dagegen die verschiedenen Leveldesigns und die Animationen der Powerplay-Ereignisse. Schade ist nur, dass der Spieler davon nicht besonders viel mitbekommt, da er sich meist – wegen des extrem hoch angesetzten Tempos – nur auf die Auswirkungen und die umherfliegenden Trümmer konzentrieren kann. Die Ursachen erschließen sich daher meist nur einem passiven Zuschauer.
Fazit: Um im hartumkämpften Genre der Autorennspiele punkten zu können, ist wohl vor allem ein frisches und dynamisches Konzept gefragt. Im "hyperrealistischen" Action-Renngame "Split/Second" (dt.: Sekundenbruchteil) ist dies gelungen. Der "Game Critics Award 2009"-Gewinner punktet mit aufwendig gestalteten Landschaften und kreativen Powerplay-Fallen, mit denen sich die Konkurrenten reihenweise von der Strecke fegen lassen. Leider bleiben dem Piloten vor dem Bildschirm oft die Ursachen für Knalleffekte auf der Strecke verborgen, was bei Geschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse auch kein Wunder ist. Wer sich jedoch gerne mit Drifts und Co. in Kurvenschlachten stürzt und auch unter Beschuss noch einen kühlen Kopf bewahrt, liegt mit "Split/Second" wohl genau richtig.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Disney Interactive Studios
krone.at-Wertung: 8/10
von Fritz Schneeberger
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