Zu den Stärken zählt sicherlich, dass der neueste Teil der seit 1989 in regelmäßigen Abständen wiederkehrenden Serie wieder deutlich fordernder ist. War es zuletzt aufgrund Elikas Hilfe im 2008er-Ableger nahezu unmöglich geworden, das Zeitliche zu segnen, so bedarf es künftig wieder mehr Fingerfertigkeit, um den Prinzen sicher von A nach B zu geleiten. Das gilt nicht nur für die typischen Plattform-Elemente, sondern auch für die im späteren Spielverlauf zunehmend haariger werdenden Kämpfe.
Erfahrung macht den Meister
Damit sich der Frust jedoch in Grenzen hält, hat Ubisoft dem Prinzen abermals die Fähigkeit verliehen, die Zeit zurückzudrehen. Neben diesem bereits seit "The Sands of Time" bekannten Feature darf sich der stolze Recke über eine Reihe zusätzlicher Fertigkeiten freuen, die es allerdings erst nach und nach mit Hilfe der im Kampf gewonnenen Erfahrungspunkte freizuschalten gilt. Dazu zählen etwa mächtige Eissturm- oder Wirbelwindattacken, eine steinerne Rüstung oder die Flammenspur, die eine eben solche hinter dem Prinzen entfacht und so Feinden Schaden zufügt.
Weitaus bedeutender sind allerdings die vier verschiedenen Kräfte, die der Prinz im Verlauf des Spiels erlernt: Neben der bereits erwähnten Kraft der Zeit sind dies die Kraft des Flusses, des Fluges und der Erinnerung. Erstere erlaubt es dem Helden, Wasser gefrieren zu lassen, während die zweitgenannte ihn weiter springen und somit größere Distanzen in der Luft überwinden lässt. Mittels Kraft der Erinnerung können schließlich längst zerfallene Ruinen wie Brücken oder Säulen kurzzeitig in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.
Mangelnde Abwechslung und lahme Story
Knifflig wird es insbesondere dann, wenn diese Kräfte miteinander kombiniert bzw. abwechselnd zum Einsatz gebracht werden müssen. Letzten Endes, und das ist eines der großen Mankos, läuft es jedoch immer auf das Gleiche hinaus: Der Prinz läuft an Wänden entlang, springt zwischen diesen empor, klettert, hangelt und hechtet auf Teufel komm raus und hat mit Ausnahme der Bossgegner und Rätselchen zwischendurch zumeist mit den ewig gleichen Fallen und Gegnerhorden zu kämpfen.
Die Abwechslung bleibt also leider auf der Strecke und auch der Story gelingt es nicht, sie ins Spiel zu bringen: Das Königreich des Prinzen befindet sich im Krieg und um den Feind abzuwehren, hat Bruder Malik nichts besseres im Sinn, als ein Heer von Untoten zu entfesseln. Die Zombies überlegen es sich – wenig überraschend – anders und wenden sich gegen ihren Beschwörer.
Der Prinz kommentiert diese lahme Abfolge vorhersehbarer Ereignisse leider nicht mit dem noch vom Vorgänger gewohnten Zynismus und lässt stattdessen jegliches Gespür für Witz und Ironie vermissen. Für Lacher, allerdings unfreiwillige, sorgt einzig und allein die nicht so recht zu ihm passende Synchronstimme.
Versuch und Irrtum
In optischer Hinsicht gibt es hingegen nichts zu meckern. Zwar hat man alles irgendwie schon einmal gesehen, die Animationen des Prinzen sind jedoch flüssig, die orientalische Kulisse ansprechend in Szene gesetzt und zudem mit teils sehr netten Lichteffekten garniert. Dass die Kamera nicht immer den besten Blickwinkel wählt, kommt allerdings auch in "Die vergessene Zeit" des Öfteren vor. In solchen Fällen führt dann leider nur die Versuch-und-Irrtum-Methode zum Erfolg.
Fazit: Zu viel vom Gleichen lässt "Prince of Persia – Die vergessene Zeit" trotz fordernder Action- und Plattform-Kost sowie neuer Features mitunter langweilig werden. Dass der Prinz nun Wasser gefrieren lassen kann, ändert eben auch nichts daran, dass man die meiste Zeit mit Hüpfen und Kraxeln verbringt. Hier wäre eindeutig mehr Abwechslung gefordert, von einer spannenden Geschichte ganz zu schweigen. Aller Kritik zum Trotz sei gesagt, dass "Prince of Persia – Die vergessene Zeit" ein grundsolides Spiel geworden ist, an dem sowohl alte Fans als auch Einsteiger sich – im positiven Sinne – die Zähne ausbeißen können. Vom Hocker hauen kann es aber nicht.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, Wii, PC, PSP, DS
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10
von Sebastian Räuchle
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.