13.09.2019 09:00 |

Aufsteirern-Auftakt

Eine prächtige Bühne für die steirische Tracht

Das große Aufsteirern-Festival in Graz startet! Donnerstagabend lud die „Krone“ zum VIP-Cocktail (siehe Video oben). Zum Aufsteirern-Auftakt gibt es am Freitag die „Pracht der Tracht“ ab 19 Uhr am Hauptplatz. Es ist die größte Trachtenmode-Show Österreichs. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Erzherzog Johann war einst ein „Vorreiter“.

Eh klar: Erzherzog Johann. Er, der so viel von Grund auf neu dachte, war es auch, der sich intensiv mit der Alltags- und der Festkultur der Steirer beschäftigte. So ließ er Statistiken erstellen, die uns zeigen, wie die Menschen lebten.

Der „Steirische Prinz“ selbst griff gerne zum grau-grünen Rock der Jäger, um zu demonstrieren, dass er auch als Bruder des Kaisers ein Mann aus dem Volk war. Eigentlich war dieser Kleidungsstil ein bewusster Verstoß gegen die sehr rigide Ordnung. So war es etwa den Beamten explizit verboten, den später als „Steirerjanker“ bekannten Rock zu tragen.

Steirische Gesäßnaht muss kerzengerade sein
Neben dem Steireranzug ist es die Lederhose, die in unseren Breiten ein wenig anders aussieht als etwa im bayrischen Raum. Erkennungsmerkmal der „Steirischen“? Die Gesäßnaht. Kerzengerade muss sie sein. Ansonsten herrscht in der heimischen Tracht eine Fülle an Mustern, Farben, Schnitten und Modellen, die außergewöhnlich ist.

Die Ursprünge dieser Entwicklung sind schon in der Literatur nachzulesen - und zwar bei Viktor Geramb und Konrad Mautner. Der Grazer Volkskundler und der Wiener Industriellensohn erforschten Land und Leute.

300 Frauentrachten und 100 Männertrachten
Heute verfügt die Steiermark mit rund 300 unterschiedlichen Frauentrachten und über 100 Männertrachten über eine bunte Vielfalt an regional geprägten Ausführungen. „Und es kommen noch immer neue dazu“, erklärt Monika Primas vom Steirischen Heimatwerk, „denn Tracht bietet Verbundenheit, und so werden auf Wunsch von Kleinregionen bis heute neue Trachten auf Basis typischer lokaler Besonderheiten entwickelt“. In der hauseigenen Werkstätte des Steirischen Heimatwerks werden all diese Dirndlmodelle nach Maß gefertigt, für die Herstellung der Männertrachten finden sich in der Steiermark einige Herrenkleidermacher.

Schließlich ist das Faible für handgefertigte Qualitätsprodukte bis heute ungebrochen, die Billigware vom Diskonter hingegen ist weitgehend aus den Regalen verschwunden. Man hat es ohnehin selbst in der Hand, was man gerne anzieht: ein modisch aussehendes Stück Polyester, das kaum die nächste Saison erlebt, oder hochwertige Ware aus heimischer Produktion.

Ramsauer Loden seit fast 600 Jahren
Der Lodenwalker Jörg Steiner aus der Ramsau etwa ist eine der besten Adressen im Land. Er kann auf 585 Jahre Unternehmenstradition verweisen und sagt: „Natürlich haben sich die Maschinen geändert. Die Lodenerzeugung aber ist eigentlich seit 1434 gleich geblieben. Reine Schurwolle, sorgfältiger Umgang mit dem Rohstoff und das Motto ,Wolle braucht Weile’, das gilt nach wie vor.“

Das Bestreben von Jörg Steiner ist es, moderne Klassiker zu schaffen, die in vielen Jahren noch schön anzusehen und angenehm zu tragen sind. Manches wird dabei neu interpretiert. Was früher „Filzschuhe“ waren, sind heute „Lodensneaker“.

Steiner geht auch in Sachen Verkauf seinen Weg. Die edlen Stücke aus der Ramsau gibt es nur bei ihm im Geschäft und über seinen Webshop. Dafür bietet er seinen Kunden vor Ort ein eigenes Gasthaus - und auch das hat Tradition: „Das gab es seit eh und je. Der Lodenwalker war ja früher ein reiner Dienstleister. Die Bauern sind mit dem Fuhrwerk gekommen, oft eine Tagesreise. Während sie auf das Walken gewartet haben, sind sie verköstigt worden. Das war damals wahrscheinlich ein leichteres Geschäft als heute.“

Hutmode hat in Graz eine lange Tradition
Ein Gasthaus besitzt Karin Krahl-Wichmann nicht. Aber dafür jede Menge schicke Hüte. Hutmode hat in Graz eine lange TraditionIhr Unternehmen, die Hutmanufaktur Kepka in der Grazer Wickenburggasse, setzt seit 1910 modische Akzente für Damen und Herren. Das Wort Kepka kommt aus dem Russischen und bedeutet „kleine Kappe“. Der Gründer Josef Kepka hatte seinen Beruf also bereits im Namen.

Bestseller des Hauses ist der klassische Ausseerhut, das Angebot inkludiert allerdings auch den prachtvollen Erzherzog-Johann-Hut und viele andere Modelle. Hinweis: Auf der hauseigenen Website kann man sich zwar umsehen, aber nichts kaufen. Denn, so Krahl-Wichmann: „Ein Hut muss zum Gesicht passen, zum persönlichen Stil. Am Foto kann man keine Qualitätsunterschiede spüren.“

Nach einer schwierigen Zeit, die ihr Vater zu überstehen hatte, ging es aufwärts. Die Wiederentdeckung der Tracht führte auch zu einer verstärkten Nachfrage nach Hüten. Zwar hat man die Generation der heute 50- bis 60-Jährigen zu einem Teil verloren, doch die Jungen kaufen gerne schöne Kopfbedeckungen. Die neue Kollektion für den Herbst bringt reduzierte Farben und Formen. „Zurück zu den Wurzeln“, sagt die Hutmacherin.

Auf zur „Pracht der Tracht“
Die „Pracht der Tracht“ auf dem Grazer Hauptplatz: Beginn 19 Uhr (Einlass 18 Uhr), Moderation Arabella Kiesbauer. Musik: DJ Steevy Matheano, Steirische Streich, Mia Nova u.v.a. Showacts: Tanz- und Akrobatik-Duo Alex & Felice u.v.a. Tickets und alle Infos gibt es im Internet unter www.aufsteirern.at

Wolfgang Kühnelt, Kronen Zeitung

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