11.09.2019 06:00 |

„Krone“-Wahlschiris

Gelbe Karte für Wöginger, Rot für Polit-Amnesie

Die Österreicher wollen keinen Schmutzkübelwahlkampf! Deshalb hat die „Krone“ ein hochkarätiges Schiedsrichter-Team zusammengestellt, das den Wahlkampf kritisch verfolgt und für politische Fouls, aber auch unsinnige, unrichtige Aussagen von Wahlkämpfern wie auf dem Spielfeld Karten verteilt - Rot für Foulspiel, Gelb als Verwarnung, Grün für Fairplay. Diesmal gibt es von Heinz Sichrovsky eine Gelbe Karte - und zwar für ÖVP-Klubobmann August Wöginger. Für den kollektiven Polit-Gedächtnisschwund zückte Franz Küberl sogar Rot.

Beim armen Wöginger scheinen auch regelmäßige Wean-Aufenthalte keine Wirkung getan zu haben, nach wie vor scheint er mittelalterlichem Brauchtum verpflichtet. Man könnte glatt verstehen, dass sich manches Kind lieber der Suppenküche und der Notschlafstelle anvertraut, als bei den außer Kontrolle geratenen Großkopferten von der ÖVP Kost und Quartier zu nehmen.

Andererseits scheint Wögingers Ansage auf ein Stenzel‘sches Amnesieproblem zu verweisen, denn dem Klubchef ist laut eigener Aussage entgangen, dass er mit einem rechtsradikalen Magazin gesprochen hat. Also: nur Gelb wegen verminderter Schuldfähigkeit, aber strenges Alkoholverbot und Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch einen Sozialarbeiter unseres Vertrauens, meint Heinz Sichrovsky.

Wöginger war wegen seines Interviews mit einem rechtsextremen Magazin in die Kritik geraten. Mit derselben Postille hatte auch schon Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer gesprochen - und kurz darauf seinen Fehler eingestanden. Beide wollen nicht gewusst haben, mit wem sie es da zu tun gehabt haben. Da haben sie etwas gemeinsam mit der Wiener FPÖ-Politikerin Ursula Stenzel, die mit den rechtsextremen Identitären mitmarschiert ist.

Ausrede nach Fehltritten: „Ich habe das nicht gewusst“
Von Ex-Caritas-Präsident Franz Küberl setzt es sogar eine Rote Karte für das andauernde „Ich hab es nicht gewusst“: In der letzten Zeit ist es zu auffälligem Gedächtnisschwund bei Politikern mehrerer Parteien, zuletzt unter anderem bei Dornauer (SPÖ), Stenzel (FPÖ) und Wöginger (ÖVP), gekommen. Das ist kein Einzelfall mehr. Nein, da geht es um bereits auffällige politische Zerfallserscheinungen. Wenn Menschen in öffentlichen Funktionen nicht mehr in der Lage sind, im Falle einer politischen Aktivität das Umfeld, in dem man seine politische Botschaft anbringen will, zu erkennen, ist das ein gewaltiges Problem.

Zunächst für die Person selbst, der ja der politische Fähigkeitsnachweis misslingt. Dann für die Gesinnungsgenossen der eigenen Partei, die ja in Geiselhaft für die politische Auswahl von Gedächtnisschwundgefährdeten genommen werden. Aber vor allem für die Republik, denn wir leben in der Demokratie davon, dass jene Personen, die uns vertreten, im vollen Sinne des Wortes Handlungsfähigkeit, Reflexionsfähigkeit, Einschätzungsfähigkeit haben.

Damit sie den Menschen unseres Landes und ihrer Zukunft dienlich sind. Und nicht das Gegenteil bewirken und Politik der Lächerlichkeit aussetzen. Werte Parteien, wir brauchen euch. Aber kämpft gegen die Verbreitung von Gedächtnisschwund bei euren Kandidaten und Funktionären, die ihr ja als Repräsentanten für die Republik Österreich entsenden wollt.

Heinz Sichrovsky & Franz Küberl, Kronen Zeitung

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