09.09.2019 16:24 |

Schelte für Wöginger

Wirbel um ÖVP-Klubchef wegen Interview und Sager

Für Aufregung sorgen ein Interview, das ÖVP-Klubchef August Wöginger dem rechtsextremen Magazin „Info-Direkt“ gegeben hat, und ein Sager des Innviertlers bei einer Wahlveranstaltung der Türkisen im Rahmen der Rieder Messe am Sonntag. In den sozialen Medien erntet er vornehmlich Kritik und Hohn. Lob für Wöginger, dessen Partei die Identitäre Bewegung verbieten lassen will, kam ausgerechnet von deren Chef Martin Sellner.

Vor rund 3000 Menschen appellierte Wöginger beim Wahlkampfauftakt der Türkisen im Festzelt an die ÖVP-Wahlkämpfer, bei den Hausbesuchen und Gesprächen nicht die jungen Leute aus dem eigenen Haus zu vergessen. Der Wahlkampf beginne daheim: „Es kann ja nicht sein, dass unsere Kinder nach Wean (Wien, Anm.) studieren gehen und als Grüne zurückkommen“, so Wöginger. „Wer in unserem Haus schläft und isst, hat auch die Volkspartei zu wählen“, erklärte er.

„Patriarchales Weltbild der 1950er-Jahre“
In den sozialen Medien, aber auch beim politischen Gegner sorgten die in Ried getätigten Aussagen für scharfe Kritik, aber auch Spott. „Was hätte August Wöginger denn gerne? Dass der Papa die Wahlzettel für die ganze Familie ausfüllt?“, kritisierte SPÖ-Jugendsprecherin Eva Maria Holzleitner. Die Aussage des ÖVP-Klubchefs offenbare „ein patriarchales Weltbild der 1950er-Jahre, wo der Familienvater gesagt hat, wen Frau und Jugendliche zu wählen haben“. Jugendliche würden sich heute glücklicherweise ihre eigene politische Meinung bilden, „auch wenn man in der ÖVP damit schlecht zurechtkommt“, so Holzleitner.

„Es kann nicht sein, dass unsere Großmütter nach Wean fahren und als Identitäre zurückkommen“, machte sich etwa Twitter-User „blauerelefant“ über den Wöginger-Sager lustig, und Userin „Raffaela“ stellt zur Formulierung „als Grüne zurückkommen“ einen Bezug zum SK Rapid (dessen Vereinsfarbe bekanntlich grün ist, Anm.) her.

Interview für rechtsextremes Magazin
Kritik an Wöginger gibt es auch für sein Interview mit dem rechtsextremen Magazin „Info-Direkt“, das dieses auf seiner Website unter dem Titel „August Wöginger (ÖVP): ,Wir sind eine heimatverbundene Partei!‘“ veröffentlichte. Es gehe darum, dass „wir unsere Werte und unsere Tradition hochleben lassen“ und dass Österreich selbst bestimmen müsse, „wer in unser Land zuwandert und wer nicht“, so Wöginger in dem Interview. „Wir sind eine heimatverbundene, traditionsbewusste Partei - das hat Sebastian Kurz damit angesprochen“, wird er auf der „Info-Direkt“-Website zitiert.

„Löchrige ÖVP-Firewall gegen Rechts“
Dass es ausgerechnet Wöginger ist, der von Identitären-Chef Sellner für seine Aussagen in „Info-Direkt“ gelobt werde, zeige, „wie löchrig mittlerweile auch die ÖVP-Firewall gegen Rechts ist“, so der Befund von Grünen-Chef Werner Kogler. Dessen einstiger Mitstreiter Peter Pilz bezeichnete Wöginger in diesem Zusammenhang als „Hütchenspieler der Extraklasse“. Dieser habe „den Boden der politischen Anständigkeit längst verlassen. Eigentlich müsste er jetzt sein Hütchen nehmen und gehen“, so der JETZT-Gründer.

Wöginger, der bei der Nationalratswahl auf Platz eins der oberösterreichischen Landesliste kandidiert, verantwortete sich ähnlich originell wie vor Kurzem der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer, der nach einem Interview mit „Info-Direkt“ behauptet hatte, er habe nicht einmal gewusst, mit welchem Magazin er gesprochen habe. Über seine Sprecherin ließ nun auch der türkise Klubchef ausrichten, er habe nicht gewusst, wem er da ein Interview gegeben habe. Die Redakteure hätten sich nicht zu erkennen gegeben.

Als Reaktion auf diese Wöginger-Aussage hat das Magazin mittlerweile ein Audiofile (oben anhören) online gestellt, das beweist, dass sich sein Interviewpartner sehr wohl als Mitarbeiter von „Info-Direkt“ zu erkennen gegeben hat.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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