13.08.2019 06:00 |

Online-Bewertungen

Wenn der gute Ruf im Internet zur Währung wird

Ohne gute Internet-Bewertung bleiben Gasthäusern und Hotels die Gäste fern. Influencer tauschen daher Gratis-Nächte gerne gegen gute Worte bei ihren Abonnenten, Erpresser gehen einen Schritt weiter.

Welches Zimmer ist besonders ruhig? Welche Speisen lassen schon beim Blick auf das Foto die Gaumennerven vor Freude tanzen? Keiner weiß besser Bescheid über die Besonderheiten, Vorteile und Nachteile von Hotels und Restaurants, als Gäste, die gerade dort waren. Kein Wunder also, dass Bewertungen auf Tripadvisor, Booking.com oder Google boomen.

Drei Viertel der Österreicher holen sich vor der Urlaubs- oder Tischbuchung zumindest ab und zu Rat auf Online-Portalen. Damit löst das subjektive Empfinden objektive Kriterien wie Sterne, Hauben und ähnliches ab. „Die Gäste sind sich der Macht ihrer Meinung immer stärker bewusst und setzen Touristiker bewusst unter Druck“, sagt Petra Nocker-Schwarzenbacher, Sprecherin des heimischen Tourismus.

Erpressungen „häufen sich massiv“
Eine gute Flasche Wein gratis zum Essen, ein besseres Zimmer oder sonst eine schlechte Bewertung im Internet - vor diese Wahl stellen Gäste Nocker-Schwarzenbacher in ihrem eigenen Hotelbetrieb regelmäßig. „Die Erpressung mit schlechten Bewertungen ist so alt wie die Plattformen selbst. Den Gästen wird ihre Macht dadurch aber immer bewusster, die Fälle häufen sich massiv.“

Etwas dagegen tun könne man nicht, „da gibt es keine Lösung für uns Touristiker“, sagt sie. Zwar könne man sich bei einer ungerechtfertigten Kritik an eine Schlichtungsstelle wenden, aus dem Internet verschwindet sie aber nicht so schnell. „In einem Fall hat etwa der Gast den Betrieb mit einem anderen, gleichnamigen, verwechselt. Obwohl er selbst den Eintrag gelöscht hat, findet man die schlechte Bewertung noch immer“, erklärt die Touristikerin.

Probleme sofort ansprechen
Statt seinem Ärger im Nachhinein Luft zu machen, rät Petra Nocker-Schwarzenbachern Gästen, Probleme sofort anzusprechen. „So hat der Hotelier oder Wirt die Chance, etwas zu verbessern und dem Gast seine Wünsche zu erfüllen.“

Nicht nur mit negativen, auch mit positiven Kritiken werden Touristiker unter Druck gesetzt: Influencer - Online-Berühmtheiten mit Tausenden Abonnenten - bieten häufig gute Artikel gegen kostenlose Urlaube oder Menüs an. Das kann für beide Seiten ein Gewinn sein, aber: „Der Unternehmer muss prüfen, ob Reichweite und Zielgruppe stimmen.“

Teresa Spari und Matthias Lassnig, Kronen Zeitung

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