Schadstoffbelastung

Streit um Tempo 140: Anschober will selbst messen

Tempo 140 bleibt umstritten! Laut Asfinag sei die zusätzliche Belastung gering, Greenpeace und Landesrat Rudi Anschober widersprechen. Die Messstationen würden nicht den rechtlichen Vorgaben entsprechen, die Experten würden „schwere Mängel“ sehen. Anschober kündigt an, zwischen Sattledt und Allhaming ab September ein Jahr lang eigene Messungen durchzuführen.

Nach Greenpeace kritisiert nun auch das oberösterreichische Umweltressort die Evaluierung des Tempo-140-Versuchs auf der Westautobahn durch die Asfinag. Die Experten des Landes würden „schwere Mängel“ sehen, so Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne). So hätten etwa die Messstationen nicht den rechtlichen Vorgaben entsprochen. Er kündigte eigene Messungen an.

Stationen zu weit von Fahrbahn weg
Laut den rechtlichen Vorgaben dürfte eine Messstation maximal zehn Meter vom Fahrbahnrand entfernt sein, erklärte Anschober. Die Messstelle in Allhaming (Oberösterreich) sei aber 25 Meter weit weg, die Messstelle in Niederösterreich sogar 38 Meter, rechnete er vor. Auch sei aufgrund der kurzen Messdauer keine Aussage möglich, ob die NO2-Grenzwerte überschritten wurden. „Wir haben Ministerium und Asfinag von Beginn an auf diesen ebenfalls verzerrenden Fehler hingewiesen - ohne Wirkung“, kritisierte Anschober.

„Vollständiger Widerspruch“
Der Landesrat verwies zudem darauf, dass die Ergebnisse der Asfinag auch „im vollständigen Widerspruch“ zu den Evaluierungsergebnissen der Auswirkungen von Tempo 100 auf der A1 bei Enns stehen würden. Dort habe die flexible Schaltung von Tempo 100 - das Limit gilt nur bei entsprechender Umweltbelastung - eine Reduktion der NOx-Emissionen um 8,5 Prozent gebracht. „Dadurch konnte 2018 erstmals der vorgeschriebene Grenzwert unterschritten werden.“ Zudem seien durch den „Lufthunderter“ im Evaluierungszeitraum von Mai 2017 bis April 2018 rund 2.747 Tonnen CO2 eingespart worden, das entspreche einem Minus von 3,4 Prozent.

Viele Autofahrer nutzen Limit nicht
„Wenn eine Tempoverringerung massiv positive Auswirkungen durch deutliche Absenkungen der Emissionen und Immissionen bringt, dann ist es unmöglich, dass eine relevante Tempoerhöhung zu keinen wesentlichen Auswirkungen führt“, kritisiert Anschober. Das einzig Positive sei, dass die Autofahrer das 140er-Limit offenbar nicht ausgenützt hätten. Denn das Tempo sei im Durchschnitt nur um zwei bis vier km/h gestiegen.

„Mangelhafteste Überprüfung, die ich gesehen habe“
Für Anschober ist die Asfinag-Evaluierung zu Tempo 140 „die mangelhafteste Überprüfung, die ich bisher gesehen habe“. Das Land Oberösterreich werde daher im September eigene Messungen starten, die ein Jahr lang laufen und deren Ergebnisse unabhängige Experten analysieren sollen.

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