„Krone“-Check

Wahl der Hundeschule sollte gut überlegt sein

Tirol
03.08.2019 07:00
Porträt von Mirjana Mihajlovic
Von Mirjana Mihajlovic
Weder Ausbildung noch Prüfung sind notwendig, um Hundetrainer zu werden. Auch wenn ein Zertifikat Qualität garantiert, hat es sich in Tirol noch nicht etabliert. Durch eine geplante Gesetzesnovelle des Landes zur Hundehaltung würde eine Zertifizierung attraktiver – immerhin geht es um den besten Freund des Menschen.

Vom Welpen bis hin zum aggressiven Beißer müssen viele Hunde zusammen mit ihrem Herrchen irgendwann einmal die Schulbank drücken. Bei der Wahl der Hundeschule suchen viele zuerst in der Umgebung. Der Beruf Hundetrainer ist ein freies Gewerbe. „Man braucht keine Ausbildung. Im Grunde kann jeder eine Hundeschule anmelden oder einen Verein gründen“, weiß Brigitte Kann vom Tierschutzverein. Außerdem ist die Ausbildung nicht gesetzlich geregelt, noch ist der Tierschutz zu regelmäßigen Kontrollen verpflichtet.

Freiwilliges Zertifikat
Man kann sich jedoch auf dem Messerli-Institut in Wien zum „Tierschutzqualifizierter Hundetrainer“ ausbilden lassen. Die Voraussetzungen sind zwei Jahre Berufserfahrung, 40 Stunden Fortbildung und das Bestehen einer theoretischen sowie praktischen Prüfung. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 390 Euro plus zehn Euro monatlich. In Tirol gibt es nur acht Hundetrainer mit Zertifikat. Karl Weissenbacher, Leitung der Prüf- und Koordinierungsstelle, erklärt, warum er einer gesetzlichen Pflicht kritisch gegenüber steht: „Eine Änderung ist immer zweischneidig. Bei einer gesetzlichen Vorschrift würde tatsächlich die Qualität leiden.“

Nicht einfach Zufall
Dass besonders wenige Tiroler zertifiziert sind, sei kein Zufall. Weissenbacher weiß: „In anderen Bundesländern gibt es Tierhaltergesetze, welche die Zertifizierung über Anreize fördern – in der Steiermark etwa mit Nachlass bei der Hundeabgabe nach Ausbildung durch zertifizierte Trainer.“

Vorteil nun in Planung
Doch ein vom Land geplantes Maßnahmenpaket für Hundehalter bringt nun auch in Tirol einen Vorteil. „Es ist ein verpflichtender Sachkundenachweis zur Hundehaltung geplant“, erklärt Martin Janovsky, Tierschutzombudsperson von Tirol. „Die dazugehörigen Kurse dürfen nur qualifizierte Hundetrainer abhalten.“ Doch Kann stellt abschließend klar: „Nicht jeder ohne Qualifikation macht seine Sache schlecht.“

Interview: „Leckerlis führen nicht immer zum erwünschten Ergebnis“
Rosi Lutz und Mirjam Grubhofer leiten die Hundeschule „Natürlich Hund Tirol“ in Kematen und geben außerdem tirolweit Privatstunden in Hundeerziehung.

Wie unterrichtet ihr in eurer Hundeschule?
Wir unterrichten ausschließlich den Hundebesitzer im richtigen Umgang mit seinem Hund. Hundeerziehung kann nur klappen, wenn die Beziehung zwischen Mensch und Hund ausgeglichen ist. Den Respekt und das Vertrauen des Hundes muss man sich verdienen, das gelingt am besten, wenn man sich als Mensch einbringt und klare Vorgaben gibt.

Ihr steht Leckerlis kritisch gegenüber - inwiefern?
Bei Tricks kann man durchaus mit Leckerlis arbeiten. Aber wenn man sie im Alltag einsetzt, ist der Hund ständig in Erwartungshaltung. Er setzt sich nie wirklich mit der Situation auseinander, konzentriert sich nur auf seine Belohnung. Viele stoßen mit der Leckerli-Methode an ihre Grenzen und kommen dann zu uns, weil es sich einfach nicht mehr richtig anfühlt.

Wie setzt man richtig und verständlich Grenzen?
Das ist sehr individuell. Eine Grenzsetzung verhindert oder unterbricht ein unerwünschtes Verhalten. Das kann je nach Hund mit der Stimme, einer Berührung, einer körperlichen Blockade, mehr Präsenz oder Körperspannung sein. Je besser der Mensch seinen Hund einschätzen kann, umso sicherer wird er rechtzeitig und angemessen eingreifen. Wichtig ist es, Konflikte anzunehmen und zu lösen, sonst wird der Hund seinen Besitzer immer öfter in Frage stellen.

Was lösen gewaltsame Methoden beim Hund aus?
Sie können Angst, Frust und auch Depressionen hervorrufen - das kommt wieder auf den Typ an. Die einen unterwerfen sich, die anderen setzen sich zur Wehr. Aber Gewalt hat in der Hundeerziehung absolut nichts verloren.

Was ist das wichtigste bei der Hundeerziehung?
Es wird oft nur mehr erzogen und der Hund darf gar nicht mehr Hund sein. Aber durch Drill geht seine Persönlichkeit unter. Der gemeinsame Spaß und die Beziehung sollten im Vordergrund stehen.

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