05.08.2019 07:00 |

Live am Frequency

Kodaline: Mit zwei Füßen fest im Pop-Mainstream

In ihrer Heimat Irland gehören Kodaline zu den allergrößten Popstars, doch auch im restlichen Europa füllt das Quartett zunehmend die großen Hallen. Mit ihrem letzten Album „Politics Of Living“ haben die Dubliner einen Kurswechsel gen Mainstream unternommen. Vor ihrem Auftritt beim diesjährigen Frequency Festival sprachen wir mit Gitarrist Mark Prendergast und Bassist Jason Boland.

Natürlich ist es nicht falsch, sich an den Größten der eigenen Heimat zu orientieren. Gerade mit ihrem letzten Album „Politics Of Living“ (2018) sind die Iren von Kodaline noch einmal stärker in die bombastische Pop-Richtung á la U2 gerutscht und haben dabei auch ältere Fans gespalten. Dass sich der Sound von Steve Garrigan und Co. gar so stark in eingängige Mainstream-Gefilde orientiert hat, ist auch einem speziellen Erlebnis geschuldet. „Entscheidend für die Richtungsänderung war sicher, dass uns U2 für ein paar Stunden in ihren Proberaum eingeladen haben“, erzählt Bassist Jason Boland im „Krone“-Interview, „wir hingen dort ab, sahen ihnen zu und diskutierten über die Kraft einer Vier-Mann-Band. U2 haben uns bestätigt, dass es wichtig ist, an engen Freundschaften festzuhalten, weil man nur so eine eigene Sprache in der Musik entwickeln kann. Wer schlägt schon einen Ratschlag von solchen Kalibern aus?“

Inspiration aus dem Radio
Garrigan und Gitarrist Mark Prendergast lernten sich in der Nachbarschaft und im Schulchor kennen, Drummer Vinnie May stieß wenig später dazu und schon war man Teil der irischen Fernsehshow „You’re A Star“. Die Bilanz daraus lautete: Platz zwei und ein Song namens „Give Me A Minute“, der sich bis an die Spitze der irischen Charts setzte. All das passierte aber noch unter dem Namen 21 Demands, zu Kodaline wurden sie erst wenig später mit Bassist Boland. „Wir hören sehr viel Radio, wenn wir unsere Songs komponieren“, erklärt Prendergast, „und versuchen die Pop-Elemente von dort aufzusaugen und mit unserem eigenen Sound zu kombinieren. Wir denken jedenfalls nicht schon im Vorfeld darüber nach, ob ein Song live funktionieren könnte oder nicht. Das ergibt sich dann meist sehr schnell aus dem Tun heraus.“

Als 2013 das Debütalbum „A Perfect World“ erschien, setzte es sich sofort an die Spitze der Charts. Die Single-Auskoppelung „All I Want“ fand in Fernsehserien wie „Grey’s Anatomy“, „Castle“ oder „The Vampire Diaries“ Verwendung. Seitdem sind sechs Jahre vergangen, in denen es gleich drei irische Nummer-eins-Alben und zahlreiche veritable Single-Erfolge zu feiern gab. Auch wenn gerade das aktuelle Album den Erfolgslauf der jungen Iren etwas eingebremst hat, sind Kodaline in der Heimat riesige Popstars. „Auch im Rest Europas spielen wir vor zwischen 600 und 5000 Menschen, was jetzt nicht so schlecht ist“, lacht Prendergast, „wir waren noch nie eine global erfolgreiche Band, sondern haben unsere gutgehenden Kernmärkte.“ Robbie Williams etwa ist ein gutes Beispiel für die Ambivalenz im Musikbusiness. Vergöttert in Europa, ignoriert in den USA. „Im Endeffekt liegt es wohl am richtigen Song und dem richtigen Zeitpunkt. Das Momentum muss passen, dann kommt auch der Erfolg.“

Unmittelbar und spontan
Den anfänglich noch etwas kantigeren Alternative Rock haben Kodaline mittlerweile gegen Lagerfeuer-Indie-Folk mit sehr viel zeitgemäßer Elektronik eingetauscht. Die Richtung von U2, Coldplay, sowie Mumford & Sons haben auch die Iren für sich auserkoren. Eine erwartete, aber nicht von allen Fans geschätzte Stiladaptierung. Mitunter war auch die Kooperation mit dem norwegischen Erfolgs-DJ Kygo beim Song „Raging“ dafür verantwortlich. „Er hat uns die Augen dafür geöffnet, dass auch dieser Sound gut in unser Liveset passt. Einige Tracks des aktuellen Werks sind davon inspiriert, weil wir merkten, dass wir keine Angst vor Tanzrhythmen haben müssen. Aber keine Sorge, wir werden jetzt keine reine EDM-Band“, beruhigt Prendergast schmunzelnd. Dass die Band vielleicht etwas zu verkrampft aktuellen Trends folgt, streitet der Gitarrist erst gar nicht ab. „Das wäre schlecht, kann aber natürlich passieren. Wir sind in unserer Arbeit sehr unmittelbar und spontan, da gibt es im Vorfeld kein großes Kalkül. Ich denke aber trotzdem, dass man unsere eigene Note immer markant heraushört.“

Große Hymnen, tiefe Gefühle und memorable, cinematische Sound-Momente zieren die Existenz Kodalines in der Gegenwart. Dafür hat das Quartett einen großen Preis bezahlt und die Indie-Wurzeln zugunsten des großspurigen Pop gekappt. Dafür braucht die Band aber nicht zwingend ein musikhistorisches Umfeld. „Wir waren in Los Angeles in den schönsten Studios, die man sehen kann. Da hingen 300 Gitarren an den Wänden und es gab die teuersten Klaviere, aber all das kann dir keine Kreativität verschaffen. Dann gibt es wieder Momente, da sitzt du in den hässlichsten Backstage-Bereichen der Welt, nimmst eine halbkaputte Akustikgitarre in die Hand und plötzlich fließt der beste Songs deines Lebens aus dir heraus. Schon Ed Sheeran hat immer gesagt, dass die besten Songs dich in Momenten überraschen, in denen du nicht damit rechnest. Diese Art von Magie können wir absolut bestätigen.“ Noch mehr Experimentierfreudigkeit für die Zukunft schließt der Gitarrist vorerst aus. „Wir werden jetzt sicher kein Hip-Hop, oder Chillwave-Ambient-Album schreiben, wollen künftig aber noch prägnanter im Songwriting werden.“

Live am Frequency
Live überzeugen kann man sich von Kodaline am diesjährigen Frequency. Dort spielen sie am Samstag, 17. August, um 21.40 auf der Green Stage. Letzte Tageskarten sind noch auf www.oeticket.com erhältlich.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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