03.08.2019 08:00 |

Island für Insider

Unterwegs in und rund um Reykjavík

Sommerliche Abkühlung gefällig? Dann ab in den Norden - und am besten nach Island! Die sympathischen Wikinger verraten uns ihre Geheimtipps für Reykjavík und den Rest der Insel aus Feuer und Eis. Eine Rundreise im Zeichen von Kratern, Kultur und Kulinarik.

Es blubbert und brodelt. Es siedet und speit. Seit der Finanzkrise 2008 und dem Ausbruch des unaussprechlichen Eyjafjallajökull ist Island in aller Munde. Die Auftritte der Fußball-Wikinger haben ihr Übriges beigetragen, dass das Land der Elfen aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist und zu einem Fixpunkt auf der Landkarte wurde. Geysire und Gletscherseen locken mittlerweile die Massen auf die Insel im Polarmeer. Auch kulinarisch ist eine kleine Revolution eingetreten. Trockenfisch war gestern, heute rittern gefragte Küchenchefs um die raffiniertesten Rezepte.

Doch wie reisen eigentlich die Isländer selbst? Wo wärmen sie die müden Knochen auf? Welche Tipps gibt es für ein Feierabend-Getränk? Tourguide Brynja und ihr Bruder Helgi nehmen uns mit auf eine Insider-Runde, und die beginnt in ihrem Geburtsort Reykjavík.

Die Hauptstadt hat sich von einem verschlafenen Nest zu einer quirligen Mini-Metropole mit Designer-Geschäften gemausert. Zum Frühstück kehren wir zunächst im „Mokka“ ein. In der mittlerweile dritten Generation wird das Traditionslokal in einer Seitengasse der Einkaufsstraße Laugavegur betrieben. Legendär sind die hausgemachten Waffeln (serviert mit einer extragroßen Portion Schlagobers und Erdbeer-Marmelade), die heiße Schokolade und natürlich der Kaffee. Die Senior-Chefin ist heute noch stolz darauf, dass man damals die erste Espresso-Maschine des Landes in Betrieb nehmen konnte – sie funktioniert übrigens immer noch!

Lust auf ein bisschen Kunst?
Ein architektonisches Meisterwerk wurde das 2011 eröffnete Harpa-Konzerthaus. Nachts erstrahlen die wabenförmigen Glaselemente des Musikpalasts in allen Farben des Regenbogens. Tagsüber spiegeln sich vorbeiziehende Schiffe auf der Fassade. Einen Katzensprung entfernt liegt das Stadtmuseum, ein Eldorado für Freunde des hiesigen Pop-Art-Meisters Erró. Samstags ist die angrenzende Lagerhalle einen Besuch wert. Beim wöchentlichen Kolaportið-Flohmarkt werden Antiquitäten feilgeboten – und natürlich der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht.

„Den frischesten Fisch zu Mittag“, sind sich viele einig, „gibt es im Mes-sinn am Hafen.“ Seit knapp einem Jahr hat das Buffet-Restaurant geöffnet. Kabeljau, Steinbutt oder Rotbarsch - morgens werden die Schätze des Meeres gefangen, ab 12 Uhr landen sie auf den Tellern der Gäste. Zum Verdauungsspaziergang lockt dann der botanische Garten, der sich der arktischen Vegetation widmet. Selbst bei Sonnenschein in der Hochsaison findet man immer noch ein ruhiges Platzerl. Wobei das mit dem Wetter generell so ein Thema ist. Bei 20 Grad spricht man hier von einer Hitzewelle. Der Polarkreis ist nie weit weg und lässt oft frostig grüßen ... Zum hippen Abendtreffpunkt wurde das früher heruntergekommene Hlemmur-Viertel. Die ehemalige Bushaltestelle beheimatet nun Lokale: Im Skál! (zu Deutsch: Prost!) serviert das Team von Gísli Grímsson köstliche Cocktails.

Raus aus der Stadt heißt es dann am nächsten Tag. Richtung Westen liegt die Blaue Lagune. Die ist – zugegebenermaßen – kein Geheimtipp, aber auch die Einheimischen tauchen hier im einzigartigen Thermalwasser mit Vergnügen ab. Die Anlage wurde deutlich vergrößert und zuletzt mit einem luxuriösen Retreat-Hotel ergänzt, wobei alle Suiten über private Pools verfügen.

Mit dem geländegängigen Auto geht es dann nordwärts nach Snæfellsnes. Wasserfälle, Vulkankegel und heiße Quellen: Die Halbinsel lässt Besucherherzen höherschlagen. Zur Übernachtung bieten sich die Fischerstädtchen Stykkishólmur oder Grundarfjörður mit ihren bunten Holzhäuschen an. Im Süden wiederum sollte man unbedingt ein paar Tage auf den beschaulichen Westmännerinseln mit den schwarzen Sandstränden besuchen. Und dann wäre da ja noch die Ostküste. Und plötzlich merkt man, wie schnell die Zeit vergeht, hier im Island der Insider ...

Gregor Brandl, Kronen Zeitung

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