Vor Papstbesuch
GB: Schreiben der Regierung sorgt für großen Ärger
Außerdem könne er eine Kondom-Verkaufskampagne starten und sein Durchgreifen im Missbrauchsskandal beweisen, indem er "zwielichtige Bischöfe rausschmeißt" und eine Hotline für missbrauchte Kinder eröffnet. Zudem solle Benedikt XVI. mit der Queen ein Duett für Wohltätigkeitszwecke singen.
Deklariert war das interne Memo als "Hintergrund-Dokument". Die Vorschläge für den "idealen Besuch" seien allerdings "weit hergeholt", heißt es auf dem Deckblatt. Der verantwortliche Mitarbeiter, ein junger Staatsbediensteter, war sich offenbar bewusst, dass sein Entwurf besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte: Er bat darum, das Papier vertraulich zu behandeln. Doch das ging gründlich schief.
Memo "unüberlegt, naiv und respektlos"
Das Ministerium bezeichnete die polemischen Vorschläge umgehend als "unüberlegt, naiv und respektlos". Es entschuldigte sich sofort nach Bekanntwerden für das Papier. Das brisante Memo war demzufolge das Ergebnis eines Gedankenaustauschs von drei oder vier niederrangigen Mitarbeitern. Der etwa 20-jährige Hauptverantwortliche sei mit anderen Aufgaben betraut worden.
Außenminister David Miliband zeigte sich "entsetzt" über den Vorgang. Ein Ministeriumssprecher sagte, das Papier spiegle nicht im Geringsten die Position der britischen Regierung wider. Londons Botschafter im Vatikan, Francis Campbell, drückte gegenüber Vertretern des Heiligen Stuhls in Rom das Bedauern der britischen Regierung aus.
Spannungen vor Besuch in Großbritannien
Benedikt XVI. soll Mitte September auf Einladung der britischen Regierung nach Großbritannien reisen. Zuletzt hatte der Papst in Großbritannien mit seiner Kritik an einem Gleichstellungsgesetz, das Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz entgegenwirken soll, Empörung ausgelöst. Die Gesellschaft zur Förderung der Säkularisierung, "The National Secular Society", kündigte eine Kampagne gegen den Besuch des Papstes an.
Der britische Evolutionsbiologe und Atheist Richard Dawkins hat gar angekündigt, den Papst während seines Besuches wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit festnehmen zu lassen – eine nach den Worten des Vatikansprechers P. Federico Lombardi "originelle Idee".
Seligsprechung von Kardinal Newman geplant
Während seines Besuches will Benedikt XVI. die Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801 - 1890) vornehmen - der Theologe gilt als einer der bedeutendsten anglikanischen Konvertiten zur katholischen Kirche. Die anglikanische Kirche geht auf die Trennung von Rom durch das Schisma von König Heinrich VIII. Tudor im 16. Jahrhundert zurück. Der theologische Dialog zwischen Rom und den Anglikanern war zwischen Papst Paul VI. und dem Erzbischof von Canterbury, Arthur Ramsey, 1966 aufgenommen worden.
Mit der Konstitution "Anglicorum coetibus" hatte der Papst abtrünnigen konservativen Anglikanern eine eigene Struktur in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und weitgehende Zugeständnisse angeboten. Angesprochen sollten damit Gegner der Priester- und Bischofsweihen für Frauen und für Homosexuelle werden. Die anglikanische Weltgemeinschaft umfasst zwischen 70 und 80 Millionen Gläubige.
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