Bohrinsel explodiert

Tauchroboter sollen per “Korken” Ölfluss stoppen

Ausland
26.04.2010 14:56
Mithilfe von Unterwasserrobotern hat der britische Ölkonzern BP am Montag versucht, die Ölpest am Golf von Mexiko einzudämmen, die sich nach der Explosion einer Bohrinsel ausgebreitet hatte. Auf Satellitenaufnahmen war zu sehen, dass der Ölteppich innerhalb eines Tages um die Hälfte auf mehr als 1.500 Quadratkilometer angewachsen war. Umweltschützer warnen vor der größten Ölkatastrophe seit dem Untergang des Öltankers Exxon Valdez 1989.

Das Öl tritt nach Angaben von BP an zwei Stellen aus: Am letzten Bohrloch der versunkenen Plattform und aus einem Leck in einer Rohrverbindung, die zu dem Bohrloch führt. Die Experten hatten gehofft, dass ein automatisches Ventil-Verschlusssystem einen Ölaustritt verhindern würde - was offensichtlich nicht funktionierte. Ein Unterwasser-Roboter sollte das System aktivieren. Das war bis Sonntag aber ebenfalls nicht gelungen, schrieb der "Houston Chronicle".

Öl könnte Monate ins Meer fließen
Laut dem für Bohrungen zuständigen BP-Chef Doug Suttles sollte das Bohrloch (Bild) mit einer Spezialvorrichtung verschlossen werden. "Wir haben die weltbesten Experten, die sich darum kümmern", sagte Suttles bei einer Pressekonferenz. Falls der überhaupt erste Versuch dieser Art fehlschlage, könne es bis zu drei Monate dauern, den Ölfluss zu stoppen.

BP setzt insgesamt vier Unterwasserroboter ein, um den Einsatz zu steuern. Die Roboter funktionieren wie eine einfache Version von U-Booten. Bereits am Wochenende hatte der Ingenieur Richard AFP erklärt: "Im Prinzip versuchen sie, einen Korken in eine Champagnerflasche zu stecken."

Ökosystem an der US-Küste in Gefahr
Die Ölpest bedroht die Küsten der US-Bundesstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi. Dort befindet sich ein Ökosystem mit Wasservögeln, Garnelen und Austernbänken. Pro Tag laufen tausend Barrel (rund 159.000 Liter) aus zwei Lecks. Die Küstenwache sprach von einem "ernstzunehmenden Ölteppich", der aber in weiten Teilen nur dünn sein soll.

In den nächsten drei Tagen drohe der Küste noch keine Gefahr, sagte ein Vertreter der US-Meeresbehörde. Umweltschützer warnten vor der größten Ölkatastrophe seit dem Untergang des Öltankers Exxon Valdez 1989. Damals hatten rund 50.000 Tonnen Öl die Küste im Süden Alaskas auf einer Länge von fast 2.000 Kilometern verseucht. Es war die schlimmste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Bohrinsel sank nach gewaltiger Explosion
Auf der riesigen Plattform "Deepwater Horizon", die dem Unternehmen Transocean gehört und von BP betrieben wird, hatte sich am vergangenen Dienstag eine gewaltige Explosion ereignet. Zwei Tage später sank die Bohrinsel. Dort waren vor der Explosion mehr als eine Million Liter Öl am Tag gepumpt worden.

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