Derbe Stellenanzeige
Simbabwes Regierung sucht neuen Henker
Derweil wird der Ruf nach Abschaffung der Todesstrafe in Simbabwe immer lauter. Kürzlich fand der Todeskandidat Shepherd Mazango den Beistand von Menschenrechtsorganisationen bei seinem Versuch, sein Urteil anzufechten und vor dem Obersten Gerichtshof die Abschaffung zu fordern. "Weiß Gott, wann ich hingerichtet werde. Das macht mich jeden Tag unruhig", schrieb Mazango, der 2002 wegen Mordes verurteilt wurde, dem Gericht. Er und andere Insassen der Todeszellen meinten, darüber allmählich verrückt zu werden.
Der letzte Henker Simbabwes soll ein ehemaliger sambischer Polizeioffizier gewesen sein. Als sein Vertrag mit Strafvollzugsbehörden und Justizministerium auslief, verließ er das Land. Ein ehemaliger ranghoher Strafvollzugsbeamter sagte der Lokalzeitung "The Daily News", der Mann habe immer ein sehr schlechtes Gewissen wegen seiner Tätigkeit gehabt. Die Identität des Henkers wurde nie bekannt. Man habe nie wieder von ihm gehört, sagt Edson Chiota, Leiter einer Gefangenenhilfsinitiative, die sich gegen die Todesstrafe einsetzt.
Höchst unterschiedliche Arbeitsbelastung
Sein Arbeitsplatz war das Gefängnis bei Chikurubi nahe der Hauptstadt Harare. Der Galgen soll aus Gerüstmaterial und Holz bestehen und augenscheinlich noch aus Kolonialzeiten stammen. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1980 wurden in Simbabwe nachweislich insgesamt 78 Menschen exekutiert. Die Arbeitsbelastung des Henkers war sehr unterschiedlich: An manchen Tagen hatte er im Morgengrauen zwei bis vier Verurteilte zu hängen, dann fiel wieder monatelang nichts an.
Die Regierung habe nun Aushänge und eine Anzeige mit einem Stellenangebot für einen Teilzeit-Henker vorbereitet, aber noch nicht veröffentlicht, berichtete Chiota. Einstellungsvoraussetzung ist nur ein höherer Schulabschluss. Allerdings wären zusätzliche Kenntnisse gewiss nicht schlecht, da sich in Studien gezeigt hat, dass für eine Hinrichtung durch den Strang ein gewisses Wissen über Körpergewicht und Körperbau, Seile und Knoten sowie Grundlagen der Mechanik gebraucht wird. "Eine solche Stelle sollte es gar nicht geben", sagt Chiota.
Nach einem Treffen von Präsident Robert Mugabe mit Papst Johannes Paul II. 1988 waren Hinrichtungen zehn Jahre lang ausgesetzt worden. Während des Moratoriums wurden Dutzende von Todesurteilen aus humanitären Gründen in lebenslange Haft umgewandelt. Inzwischen ist an der Einheitsregierung auch die Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) beteiligt, die Hinrichtungen ablehnt. Sie könnte versuchen, die Exekutionen in einer künftigen neuen Verfassung abzuschaffen.
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