"Krone": Heute war Ihr letzter Arbeitstag im Krankenhaus.
Prettner: Ja, und der Abschied ist mir wirklich schwer gefallen. Ich bin schließlich seit 1990 Ärztin und...
"Krone": ...wieso überhaupt der Wechsel in die Regierung?
Prettner: Ich hatte schon Bedenken. Wegen des Berufes, wegen meiner Familie. Aber es ist doch auch eine Riesenchance. Vor allem die, anderen Frauen zu zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen müssen, wenn wir etwas weiterbringen wollen!
"Krone": Sie sind nach gut einem Jahr die erste Landesrätin.
Prettner: Das war schon eine Schande für Kärnten, diese brutale Männerdominanz!
"Krone": Haben Sie nicht Angst, nur die Quotenfrau zu sein?
Prettner: Ich empfinde das wirklich nicht so. Im 21. Jahrhundert ist es nicht mehr zeitgemäß, dass Frauen 51 Prozent der Bevölkerung darstellen, aber kuschen und nicht mitregieren sollen.
"Krone": Sind Sie mit Ihren Ressorts zufrieden?
Prettner: Sie meinen, weil ich nicht Gesundheit über habe? Vielleicht kommt das noch, aber derzeit wäre ein Wechsel hier nicht gut gewesen.
"Krone": Aber Sie sind Ärztin. Was verstehen Sie von Umwelt?
Prettner: Ich bin ein naturverbundener Mensch. Und muss mich hier erst einarbeiten.
"Krone": Mit dem Gas–Dampfkraftwerk kommt ein dicker Brocken auf Sie zu.
Prettner: Bitte, geben Sie mir da noch Zeit, mich einzulesen.
"Krone": Wo liegen denn Ihre politischen Schwerpunkte?
Prettner: Natürlich in den Frauenthemen. Auch wenn's schon keiner mehr hören kann: Es sind immer die gleichen Forderungen – gleicher Lohn, Kinderbetreuung, einfach Bewusstseinsbildung.
"Krone": Stichwort Kinderbetreuung. Gerade wurde der Gratis-Kindergarten gestrichen.
Prettner: Ein Wahnsinn! Das will ich anpacken, durchboxen, dass sich hier vieles ändert. Kindergärten etwa sollten aus Gemeindekompetenz zum Land übergehen. Damit es einheitliche Regeln und Kosten geben kann.
"Krone": Sie haben drei Kinder.
Prettner: Und ich bin dankbar für das tolle Betreuungsnetzwerk in Villach. Und dafür, dass ich mir eine Betreuung leisten kann! Das kann nicht jede Frau. Das ist schuld an der sinkenden Geburtenrate – die Angst, sich für Karriere oder Kind entscheiden zu müssen.
"Krone": Regt eine Powerfrau wie Sie das Brennesselsuppengehabe von Landeshauptmann Dörfler auf?
Prettner: Sie meinen den Mann, der stolz ist, dass seine Tochter daheim bleibt? Er vertritt eine Familienpolitik aus den 50ern, völlig antiquiert. Ich werde ihn mehr aufregen als er mich. Für ihn bin ich ein rotes Tuch!
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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