Oster-Wunder

Auf 3.400 Metern Höhe drei Tage in Loch überlebt

Tirol
06.04.2010 08:54
Man kann es durchaus als Oster-Wunder bezeichnen: In einem Loch (siehe Bild), in dem sie auf 3.400 Metern Seehöhe ein Notbiwak errichtet hatten, haben vier deutsche Schneeschuhwanderer das ganze Wochenende auf dem Großvenediger ausgeharrt. Am Dienstag wurde das Quartett, unter ihnen auch ein Bürgermeister der Stadt Pforzheim, nach einer groß angelegten Suchaktion mit Wärmebildkameras unter der Venediger Scharte im Grenzgebiet zwischen Salzburg und Osttirol gefunden.

Die vier Männer waren sehr erleichtert, als der Hubschrauber "Libelle FLIR" der Flugeinsatzstelle Klagenfurt sie in den frühen Morgenstunden entdeckte. Die Bergsteiger hätten vor ihrer Biwakhöhle Winkzeichen gegeben, so die Alpinpolizei. Die Bergung erfolgte dann auch mit einem Rettungshubschrauber des ÖAMTC.

Das Quartett sei "sehr gut beisammen" und wurde ins Krankenhaus Lienz gebracht, schilderte Bergretter Estolf Müller nach der Pressekonferenz im Tauernhaus in Matrei in Osttirol. Ein Notarzt hatte nach der Bergung bereits von einem "sensationellen" Zustand gesprochen.

Außer ein paar Erfrierungen unverletzt
Die Bergsteiger hätten mit den Kräften sehr gut hausgehalten. Die Urlauber haben sich die Getränke und das Essen kameradschaftlich aufgeteilt. "Sie haben sich hervorragend verhalten und ihr Not-Biwakquartier aufgestellt - da dürfte ihnen ihre Bergerfahrung sehr zugutegekommen sein." Auch die Bergausrüstung sei sehr gut gewesen, denn ansonsten hätten sie bei diesen Wetterverhältnissen (Neuschnee, starker Wind und eisige Kälte) nicht so gut überlebt. Außer ein paar Erfrierungen seien sie nicht verletzt, sagte Müller.

Es handle sich um eine "unglaublich spaltenreiches Gebiet", in dem es in den vergangenen beiden Tagen mindestens 50 Zentimeter Neuschnee gegeben habe, berichtete der Einsatzleiter der Bergrettung Matrei, Peter Ladstätter. Der Schnee habe sich aber durch Windverfrachtungen ungleich höher aufgetürmt. Dass ihnen das Überleben unter diesen Bedingungen gelungen sei, zeuge von bergsteigerischem Können auf "oberem Niveau". Die vier gruben sich eine Schneehöhle und rückten eng zusammen, was dazu führte, dass man minimalen Wärmeverlust in Kauf nehmen musste, erklärte der Bergretter. Der Pforzheimer Baubürgermeister habe zu den stärksten der Gruppe gezählt, sagte Ladstätter.

Großeinsatz am Osterwochenende
Die vier Deutschen waren am Samstag von der Kürsingerhütte in Salzburg zum Gipfel des 3.662 Meter hohen Großvenedigers aufgebrochen. Um 12.30 Uhr erreichten sie ihn, um 14 Uhr wurden sie zum letzten Mal von einer anderen Bergsteigergruppe gesehen: Im Nebel stieg das gut ausgerüstete Quartett (LVS-Geräte, Schaufeln und Biwaksäcke) nach Osttirol ab und ging in Richtung Prager Hütte. Doch dort kamen die Männer nie an.

Gegen 19 Uhr startete die Bergrettung eine Suchaktion - sowohl von Salzburger als auch von Osttiroler Seite. Diese Suche blieb allerdings ergebnislos und wurde kurz vor Mitternacht abgebrochen.

Am Sonntag waren über 70 Männer der Bergrettungen Neukirchen und Matrei sowie drei Alpinpolizisten im Einsatz. Unterstützt wurden die Helfer von einem Hubschrauber. Bei einem Suchflug auf der Salzburger Seite konnten die Vermissten nicht gesehen werden. Auf der Tiroler Seite hatte sich das Wetter über Nacht so verschlechtert, dass ein Suchflug unmöglich war.

Im Laufe des Tages waren neben der Prager Hütte alle Schutzhütten auf Osttiroler und Salzburger Hütte von den Bergrettern abgesucht worden - ohne Spur von den Deutschen. Die Bergretter vermuteten, dass sich die Urlauber auf der Venediger Scharte im Nebel verirrt hatten und auf dem vermeintlichen Weg zur sicheren Prager Hütte in eine falsche Richtung abgestiegen waren.

Alle Spuren durch Neuschnee verdeckt
Auch am Montag gab es keine Hinweise auf Spuren des Quartetts. Der Neuschnee hatte alle Spuren verdeckt, die Wetterlage war sehr schlecht. Bei Einbruch der Dunkelheit musste die Suchaktion erneut abgebrochen werden, ehe am Dienstagmorgen der entscheidende Anlauf gelang.

Ein fünfter Deutscher, der am Samstag vergeblich auf seine Kameraden gewartet hatte und schließlich Alarm schlug, traf bereits am Montagabend in Neukirchen ein.

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