Empörung ausgelöst
Päpstlicher Prediger vergleicht Kritik mit Antisemitismus
Cantalamessa zitierte in seiner Rede aus dem Brief und sagte über die Juden: "Sie wissen aus Erfahrung, was es bedeutet, Opfer kollektiver Gewalt zu sein, und deswegen erkennen sie auch schnell die wiederkehrenden Symptome." Der Geistliche sagte, "unglücklicherweise" seien "nicht wenige Elemente des Klerus von Gewalt befleckt" worden. Es werde aber schon genug außerhalb der Kirche darüber geredet.
Nach scharfer Kritik aus dem Ausland distanzierte sich der Vatikan vom Antisemitismus-Vergleich Cantalamessas. Ein solcher Vergleich könne zu Missverständnissen führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitagabend der Nachrichtenagentur AP. Die Äußerungen des Predigers seien nicht die offizielle Position des Vatikans.
Jüdische Vertreter empört
Zuvor hatten Vertreter des Judentums empört auf die Äußerungen Cantalamessas reagiert, dessen Titel "Prediger des päpstlichen Hauses" lautet. "Schande über Pater Cantalamessa", sagte Elan Steinberg von der Vereinigung amerikanischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen. Der Vatikan habe das Recht, sich zu verteidigen, doch der Vergleich sei beleidigend und nicht nachvollziehbar. "Wir sind zutiefst enttäuscht", sagte Steinberg der Nachrichtenagentur Reuters.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland bezeichnete die Bemerkungen als "Frechheit". "Es ist widerwärtig und obszön und vor allem beleidigend gegenüber den Missbrauchsopfern und auch den Opfern der Shoah", sagte Generalsekretär Stephan Kramer der AP. Cantalamessa mache sich die Worte zu eigen und müsse dazu stehen. Es handle sich um ein übliches Ablenkungsmanöver des Vatikans. Aus den Tätern sollten Opfer gemacht werden, kritisierte Kramer und fügte hinzu: "Ich habe bisher weder den Petersdom brennen sehen noch Gewaltausbrüche gegen katholische Priester."
Stilles Gedenken
In der Feier gedachte Papst Benedikt XVI. des Leidens und Sterbens Jesu. Zu Beginn des Gottesdienstes am Nachmittag kniete der Papst vor dem Kreuz und verharrte in schweigendem Gebet. Mit dem Papst nahmen zahlreiche Kardinäle, Bischöfe und Vertreter des Diplomatischen Corps an dem Wortgottesdienst und der Zeremonie der Kreuzverehrung teil.
Im Lauf der Feier beteten Papst und Gläubige für die großen Anliegen der Kirche. Die Fürbitten wurden in zehn Sprachen vorgetragen. Benedikt XVI. antwortete auf jede der Bitten mit dem lateinischen Gebet, das die Liturgie nach der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) vorsieht. Am Vortag hatte der Papst die Gründonnerstagsfeier in der Lateranbasilika zu einem eindringlichen Plädoyer für die Ökumene genutzt. Die Einheit der Christen sei Voraussetzung für eine glaubwürdige Verkündigung, sagte der Papst während der Liturgie.
Ökumenischer Patriarch: Hochmut als Wurzel der Krise
Das Oberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, beklagte in seiner Osterbotschaft die aktuelle globale und über die Ökonomie hinaus reichende Krise und bezeichnete "Hybris" - Hochmut - als deren Wurzel. Die Passion Jesu sei der Weg zur Überwindung der Hybris gewesen; Jesus habe den Tod und die Sünde besiegt und führe sein Erlösungswerk in der heutigen Welt weiter, so Bartholomaios. Am späten Karsamstagabend beginnen weltweit in den orthodoxen Kirchen die mehrstündigen Auferstehungsliturgien ("Anastasis").
In der Liturgie der Osternacht wird sowohl von Katholiken als auch von Orthodoxen eine Reihe von Symbolen eingesetzt, um den Auferstehungsglauben zu verdeutlichen: so etwa das zu Anfang des Gottesdienstes entzündete Feuer, mit dem Christus als Licht der Welt begriffen werden soll, oder das während der Feier gesegnete Wasser, das an die Taufe erinnert. Die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament machen den "Heilsplan" Gottes deutlich.
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