Gewagtes Projekt

Ägypten: “Radio für geschiedene Frauen” ein Erfolg

Ausland
24.03.2010 07:32
Vier Jahre hat es gedauert, bis die Ägypterin Mahassen Saber endlich geschieden war. Und als ihre Ehe nach einem langwierigen Verfahren beendet war, kamen das Gerede und vorwurfsvolle Blicke. Deshalb beschloss die junge Frau, ein "Radio für geschiedene Frauen" zu gründen, um gegen die Vorurteile zu kämpfen. Das Internetradio, ergänzt durch Sabers Blog "Ich will mich scheiden lassen", hatte sofort Erfolg.

"Unsere Gesellschaft schreibt den größten Teil der Verantwortung bei einer Scheidung der Frau zu. Die Frau hat Unrecht, die Frau ist schlecht, sie ist die Ursache für das Scheitern der Ehe", berichtet die 30-jährige Saber, Mutter eines kleinen Buben. "Dieses Radio will zeigen, dass es anders ist. Wir wollen, dass die Hörer erkennen, dass die Geschiedenen eine aktive und positive Rolle in der Gesellschaft spielen."

Seit einigen Monaten ist "Motalakat Radio" übers Internet zu hören, mit Sendungen wie "Unverstanden" oder "Tagebuch einer Geschiedenen". Große Aufmerksamkeit konnte dem Thema in Ägypten von vornherein gewiss sein. Die ägyptischen Medien berichteten ausführlich über den neuen Sender, der laut Saber bereits Tausende Hörer hat, darunter auch in Marokko und im Libanon. Inzwischen beschäftigt die Universitätsangestellte Saber 20 Mitarbeiter in ihrem Radiosender.

Weiterhin massive Ungleichheit vor dem Gesetz
In Ägypten wie auch in anderen arabischen Ländern ist die Ehe noch immer sakrosankt und eine Scheidung Zeichen der Schande. Die Scheidungsraten steigen ständig, laut offiziellen Zahlen trennt sich alle sechs Minuten ein Paar. Seit dem Jahr 2000 dürfen die Ägypterinnen eine sogenannte Scheidung ohne Schuld (Chol'a) verlangen, wenn sie auf ihre finanziellen Ansprüche verzichten und die vom Mann in die Ehe gebrachte Mitgift zurückgeben.

Die Männer hingegen dürfen ihre Ehefrauen ohne Einschränkung verstoßen. Trotz der nach wie vor bestehenden Ungleichheit vor dem Gesetz stößt dieses teilweise auf harsche Kritik: Frauen hätten "mehr Rechte, als sie haben dürfen", erregt sich etwa Abderrachman Hamid, Präsident einer Männervereinigung gegen die Chol'a. Frauen profitierten von dem Gesetz, die Familie zahle den Preis dafür, empört er sich weiter. "Es ist nicht gerecht. Die Frauen werden aufsässig."

Will eine Ägypterin ihre finanziellen Ansprüche bei einer Scheidung aufrechterhalten, so braucht sie viel Geduld: Die Scheidung auf Kosten des Mannes, zum Beispiel wegen häuslicher Gewalt, ist sehr schwierig und nur mit stichhaltigen Beweisen und Zeugenaussagen durchzusetzen. Bereits 1975 erregte der Film "Ich will eine Lösung" die Gemüter in der arabischen Welt. Darin verkörpert Faten Hamama, Ex-Frau von Filmstar Omar Sharif, eine unglücklich verheiratete Frau, die vergeblich um die Scheidung kämpft.

Simples Gespräch auf der Straße als Hasardspiel
25 Jahre später kämpft Saber noch immer für die Rechte der Geschiedenen. Wie viel noch zu tun ist, merkt sie immer wieder im Alltag. So könne sie sich nicht auf der Straße mit einem Kollegen unterhalten, ohne dass sie sich verdächtig mache, eine Beziehung mit ihm zu unterhalten, sagt die dynamische Frau.

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