25.04.2019 11:00 |

Bursche vor Gericht

Nach Messerattacke: „Wollte niemanden töten“

Mit einem 20 Zentimeter langen Messer soll der 19-Jährige zunächst einem Mitschüler in den Hals gestochen haben, einem zweiten einschreitenden Jugendlichen (16) soll er die Tatwaffe in Gesicht und Brust gerammt haben. Beide Burschen wurden lebensgefährlich verletzt, überlebten „nur wie durch ein Wunder“. Nun muss sich der Tiroler vor dem Geschworenengericht verantworten.

Einer normalen Kindheit seien erste Anfeindungen in der Hauptschule gefolgt. Einzelgängertum, Cannabiskonsum, Schul- und Lehrabbrecher – so skizzierte Staatsanwalt Florian Oberhofer die Persönlichkeit des jungen Angeklagten in seinem Eröffnungsplädoyer.

„Kann keine Emotuionen deuten“
Dabei zitierte er immer wieder aus einem Gutachten der renommierten Psychiaterin Adelheid Kastner, die dem 19-Jährigen eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestierte – aber auch angab, dass er zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen sei. Auch Verteidiger Mathias Kapferer bediente sich Kastners Worte: „Meinem Mandanten fehlt jegliches Sensorium für soziale Realitäten. Er kann Emotionen nicht deuten, hat keine adäquate Strategien für Kommunikation und große Angst vor seiner Umwelt.“ Bis dato habe er aber ein normales Leben geführt – „wenn er jemanden töten hätte wollen, warum hat er dann nicht weiter zugestochen?“, fragte der Verteidiger in den Raum.

Wollte „Denkzettel“ verpassen
Tatsächlich gab auch der Angeklagte an, er habe niemanden umbringen wollen. Er wollte seinem Opfer lediglich einen „Denkzettel“ verpassen, da er annahm, es sei der 16-Jährige gewesen, der ihm einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst hatte. Dem folgte nämlich zunächst eine Rangelei im Klassenzimmer, später wilde Drohungen und ein Streit vor der Schule, der schließlich völlig eskalierte: Mit einem 20 Zentimeter langen Messer habe der 19-Jährige auf den Hals seines Mitschülers eingestochen. Zwei Burschen schritten ein, wollten dem Angeklagten die Tatwaffe abnehmen, dieser habe um sich geschlagen und dabei einen weiteren Jugendlichen dreimal mit seinem Messer getroffen. Erst ein dritter Schüler konnte den Angeklagten durch heftige Tritte überwältigen.

15 Jahre Haft drohen
Zahlreiche Zeugen wurden gestern vernommen, ein Urteil wird für Freitag erwartet. Im Falle eines Schuldspruches drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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