Do, 18. April 2019
14.04.2019 13:45

Pinzgauer Forscher

Keine Angst vor Datenflut: Mehr Nähe in Medizin

Viktor Mayer-Schönberger aus Zell am See gehört weltweit zu den ganz Großen in der Szene: Der gebürtige Pinzgauer forscht und lehrt über Chancen und Gefahren der gewaltigen Datenflut, die laufend ansteigt. Sie verändere auch die Medizin – „zum Positiven“, ist er überzeugt.

Wird der Patient der Zukunft nicht zu einer Nummer verkommen?
Im Gegenteil. Unser Gesundheitssystem wird dank umfassender Daten viel individuellere Diagnosen ermöglichen.

Aber es geht um hochsensible Daten...
Die eigentliche Gefahr sind nicht die Daten selbst, sondern die missbräuchliche Verwendung. Es braucht strengere staatliche Kontrollen und zugleich weniger bürokratische Hürden für die sinnvolle Nutzung.

Wer profitiert?
Eine Radiologin kann zum Beispiel ein Röntgenbild auch in Wien oder Zürich befunden, und nicht bloß in ihrem Büro vor Ort. Und über eine App kann bei chronisch Kranken die behandelnde Ärztin regelmäßigen Kontakt haben, ohne dass der Patient immer den beschwerlichen Weg in die Praxis suchen muss.

Wird die Rolle des Arztes durch „Big Data“ in Zukunft eine andere sein?
Sie wird menschlicher. Denn in dem Maß, in dem digitale Werkzeuge sich um die Daten und deren Analyse kümmern, können Ärzte vermehrt Patienten ins Zentrum stellen. Das ist eine Umstellung – zum Guten. Aber sie erfordert auch Disziplin: die Technik zur Vermenschlichung unseres Gesundheitssystem zu nutzen.

Ergibt das Vorteile für die Salzburger am Land?
Ja, massiv! Denn bisher war es so, dass die besten Mediziner in den größten Kliniken tätig waren. Nur dort gab es die entsprechenden Fallzahlen, um daraus zu lernen. Aber den in großen Fallzahlen verkörperten Durchschnittspatienten gibt es nicht. Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir die Patienten viel individueller behandeln müssen. Kleinere Einheiten können persönlicher, individueller und flexibler auf Bedürfnisse reagieren. Das ist eine Renaissance der Nähe!

Sie waren jetzt im Schwarzacher Spital zu Gast. Was können Sie Kliniken raten?
Wir haben sehr intensiv darüber gesprochen, dass diese Veränderungen durch Digitalisierung ein Miteinander brauchen, in dem wir von und miteinander lernen.

Sie waren in den 80ern Pionier in der Szene und sind mittlerweile Oxford-Professor. Was treibt Sie an?
Ich beschäftige mich viel mit der digitalen Macht von Google, Amazon oder Facebook. Es geht mir darum, wie wir mit einem breiteren Zugang zu den Daten, die die großen Datenkraken sammeln, die digitale Macht demokratisieren können.

Sabine Salzmann
Sabine Salzmann

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