Günther Raffl (80)

Der Museumsdirektor mit zahlreichen „heißen Öfen“

Tirol
31.03.2019 17:30
Er besaß selbst lange gar keinen Motorradführerschein. Heute, mit 80 Jahren, hat der Haiminger Günther Raffl freilich rund 140 Motorräder, Mopeds und Mofas in seinem privaten Motorradmuseum gesammelt.

Angefangen hat alles mit einem Fernsehbeitrag über eine Ausfahrt von Motorrädern am 1. Mai 1975. Der Film entflammte plötzlich die Leidenschaft für Motorräder in dem Haiminger ÖBB-Maschinenschlosser. „Ich habe dann begonnen, in der näheren Umgebung alte Motorräder zu suchen und sie nach dem Kauf bei mir zu Hause aufzubewahren“, erzählt Raffl. Mit ihnen ausfahren konnte er allerdings zunächst nicht, denn damals besaß er gar keinen Motorradführerschein. Den hat er erst mit 61 Jahren gemacht

Mühselige Arbeit
Weil der Platz für die Sammlerleidenschaft bei ihm zu Hause rasch zu klein wurde, kaufte er zwei leer stehende alte Ställe im Haiminger Weiler Schlierenzau. Die musste er allerdings erst – inzwischen als Pensionist – in mühsamer, jahrelanger Arbeit von Grund auf sanieren. Erst dann waren sie museumsreif. Gleichzeitig kaufte er weitere historische Zweiräder und laufend Ersatzteile, um die Motorräder wieder in Schuss zu bringen.

Zwei Etagen umfasst das private Museum des Haimingers inzwischen. Die meisten der „heißen Öfen“ wurden in den späten 1930er-Jahren gebaut. „Das älteste Stück ist Baujahr 1907“, sagt Raffl stolz. Es handelt sich dabei um eine Maschine der ehemaligen deutschen Marke „Wanderer“. Ganz offensichtlich scheint, dass der Haiminger ein Faible für die Marke Puch hat. Grundsätzlich hat er sein spektakuläres Museum in Sachen Marken freilich international aufgestellt.

„Es gibt viele Anfragen“
Fixe Öffnungszeiten gibt es keine. Wer die historischen Exponate sehen möchte, muss einen Termin mit dem „Museumsdirektor“ vereinbaren. „Ich bekomme sehr viele Anfragen, besonders von Touristen, die im Urlaub vorbeischauen möchten“, erzählt Raffl.

Apropos Besucher: Um die „heißen Öfen“ hin und wieder einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, veranstaltet der Oberländer gelegentlich im Sommer ein Museumsfest. Das findet stets enormen Anklang. „Im Vorjahr reisten rund 700 Gäste aus dem In- und Ausland an“, erzählt er.

Übergabe an Söhne
Sie können nicht nur motorisierte Zweiräder bestaunen. Historische Drahtesel hat Raffl ebenfalls in großer Zahl gesammelt.

Der 80-Jährige erweitert seine Sammlungen jetzt nicht mehr. Irgendwann soll einer seiner Söhne das Museum übernehmen. Ein Verkauf kommt für ihn jedenfalls nicht in Frage. Das mussten auch schon die Betreiber des Motorradmuseums in Hochgurgl zur Kenntnis nehmen.

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