Mit der Idee, bei der Vergabe von Stadtwohnungen auch die Deutschkenntnisse der Bewerber zu berücksichtigen, hat Wörgl einige Diskussionen losgetreten. Mittlerweile ist die Idee beschlossene Sache, "aber keine Verordnung und kein Gesetz", betont BM Arno Abler im "Krone"-Gespräch.
Das hinderte Grüne und diverse Nicht-Regierungs-Organisationen aber nicht, Abler massiv zu kritisieren. Der zeigte sich unbeeindruckt: "Wir werden in dieser Frage den Weg der Vernunft beschreiten und weder Gutmenschen noch Radikalen das Feld überlassen." Hintergrund der Überlegung sei gewesen, dass sich Personen um Stadtwohnungen bewarben, "die nicht ein Wort Deutsch konnten", erklärte Abler, "obwohl wir in unserer Stadt schon im Kindergarten Sprachkurse anbieten und auch sonst sehr um Integration bemüht sind."
Davon zeuge auch der Atatürk-Brunnen, den ein türkischer Verein vor fünf Jahren der Stadt zum Geschenk gemacht hat, "als Zeichen der Freundschaft".
Weiters soll eine 15-Prozent-Quote für Nicht-EU-Bürger für eine bessere Durchmischung in den Wörgler Wohnbauten sorgen. "Wenn ein Block nur mehr mit Ausländern belegt ist, wird's schwierig zu verhindern, dass Parallelgesellschaften entstehen", sagt Abler. Von 12.907 Einwohnern sind 1.934 ausländischer Herkunft, davon 400 Deutsche, 563 Türken und 700 Personen aus Ex-Jugoslawien. Ob Ablers Strategie aufgeht, wird sich zeigen: "Jetzt schauen wir einmal, wie es in der Praxis abläuft", sagt er.
Zweites heißes Thema: Verkehrsentlastung
Zweite Baustelle im wahrsten Sinne des Wortes ist der Bau einer Nordtangente, um Wörgl vom Durchzugsverkehr zu entlasten. 25.000 Fahrzeuge plagen sich pro Tag durchs Stadtgebiet. Der erste Abschnitt ist bereits fertig. "Die Bauarbeiten dauern aber sicher bis 2012", erklärt Abler.
Ausgebaut werden auch die Fuß- und Radwegachsen und das Citybus-Netz. "Wir sind der Verkehrsknotenpunkt im Unterland", fasst Abler zusammen. "Seit 2008 haben wir den jüngsten Hauptbahnhof Österreichs!"
Abler über politische Erfolge
Im Gemeinderat hatte Ablers schwarz-rote Koalition in der vergangenen Periode 13 von 21 Mandaten. Als größten politischen Erfolg nennt Abler seine Wahl zum Bürgermeister 1998, als er als Newcomer im ersten Wahlgang den Sprung auf den Chefsessel schaffte. Diesmal wollen ihm vier weitere Kandidaten das Amt streitig machen.
Weiters nennt er den Neubau des Seniorenheims, der mit 13 Millionen Euro zu Buche schlug, den Bau der Wörgler Wasserwelten "Wave", das jährlichj 270.000 Besucher anzieht und das nun mit einer Doppel-Looping-Wasserrutsche aufgepeppt wird, sowie den Bau des Einkaufszentrums M4. Dieses bescherte der Gemeinde in der Vergangenheit ein jährliches Plus von bis zu fünf Prozent bei der Kommunalsteuer und ein Budget von 28 Millionen Euro - das heuer jedoch in Folge der wirtschaftlichen Entwicklung um eine Million geschrumpft ist.
Und die Zukunft?
Großes Vorhaben Ablers ist für die nächsten Jahre das Thema erneuerbare Energien: "Ziel ist, Wörgl bis 2025 energieautark zu machen", sagte Abler. Möglich werden soll dies auch mit einem Tiwag-Projekt eines Laufkraftwerks am Inn bei Kundl/Breitenbach. Investitionsvolumen: bis zu 150 Millionen Euro.
von Philipp Neuner, Tiroler Krone
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