21.03.2019 12:12 |

Schlag gegen Spanner

Hunderte Paare in Motels heimlich beim Sex gefilmt

Schlag gegen Hightech-Spanner im südkoreanischen Seoul: Die Polizei hat mehrere Männer verhaftet, die landesweit in Dutzenden Motels heimlich Paare beim Sex gefilmt und die Aufnahmen live ins Internet gestreamt bzw. verkauft haben sollen. Rund 1600 Gäste sollen so ihrer Privatsphäre beraubt worden sein.

Wie der „Korea Herald“ berichtet, sollen die Spanner zwischen Ende November vergangenen Jahres und Anfang März dieses Jahres in mindestens 42 Zimmern in 30 verschiedenen Motels in zehn Städten der südkoreanischen Provinzen Gyeongsang und Chungcheong heimlich Gäste gefilmt haben.

Die dafür nötigen Mini-Kameras waren unter anderem in Set-Top-Boxen, Steckdosen oder Halterungen für Haarföhne versteckt, wie die Cyber-Einheit der Polizei Seoul berichtete. Über einen Server im Ausland wurden die Bilder demnach live ins Internet übertragen und auf einer Website, die rund 4000 Mitglieder zählte, zum Verkauf angeboten. Zusätzlich konnten Nutzer sich für umgerechnet rund 40 Euro monatlich Zugriff auf „exklusive“ Inhalte sichern - bearbeitete Aufnahmen der „Highlights“ unter den Aufnahmen.

„Schwere Verletzung der Menschenwürde“
Laut Polizei wurden innerhalb von drei Monaten mehr als 800 Paare gefilmt, die meisten von ihnen beim Sex. Sie sprach von einer „schweren Verletzung der Menschenwürde“. Die vier Verdächtigen müssen sich nun vor Gericht verantworten. Zwei von ihnen befinden sich in Untersuchungshaft, die zwei anderen - sie sollen geholfen haben, die Spionagekameras zu installieren - wurden auf freiem Fuß angezeigt. Nach geltendem Recht wird die Verbreitung illegaler Videos mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Strafe von 30 Millionen Won (rund 23.300 Euro) geahndet.

Motels sind in Südkorea eine erschwingliche Übernachtungsmöglichkeit für Reisende und für viele in engen Wohnungen lebende Liebespaare die einzige Möglichkeit, außerhalb der Sichtweite ihrer Eltern oder anderer Familienmitglieder ein Stelldichein zu haben.

Weitverbreitetes Problem
Das Phänomen der Spycam-Pornografie, auch Molka genannt, ist in Südkorea weitverbreitet. Wurden 2010 noch 1100 Fälle bei der Polizei angezeigt, waren es 2017 bereits 6500 Anzeigen - ungeachtet der Tatsache, dass Erwischten im Falle einer Verurteilung hohe Geld- und Haftstrafen drohen. Laut der amtlichen Statistik sind die Opfer meistens Frauen. 98 Prozent der Täter sind dagegen männlich und stammen aus allen Schichten: Erwischt wurden unter anderem Lehrer, Priester, Wissenschaftler oder Polizisten.

Molka-Filmer profitieren von technologischen Innovationen
Die Täter profitieren in dem von Technologie besessenen Land von immer neuen Errungenschaften wie Spionage-Brillen, Armbanduhren oder Kugelschreibern mit versteckten Kameras sowie speziellen Smartphone-Apps, die verschleiern, dass mit dem Gerät gerade gefilmt wird, indem auf dem Display etwas anderes angezeigt wird. Auch das verräterische Geräusch des Kameraauslösers - seit einigen Jahren für die Smartphone-Hersteller verpflichtend - lassen die Molka-Spanner mithilfe von Apps verstummen.

Mit Detektoren auf Spanner-Jagd
In der Hauptstadt Seoul versucht man den Spannern bereits seit Längerem mit eigenen Such-Trupps beizukommen. Ausgerüstet mit speziellen Detektoren, machen sich Frauen in öffentlichen WCs unter Klobrillen, Spülkästen und Rauchmeldern auf die Suche nach versteckten Kameras.

Zehntausende Frauen hatten zuletzt gegen die Zunahme der Molka-Videos protestiert. Beliebter Verbreitungskanal war die Porno-Website Soranet mit ihren über eine Million Nutzern. Sie wurde 2016 gesperrt, denn die Herstellung und Verbreitung von Pornografie ist in Südkorea verboten. Die 45-jährige Mitgründerin von Soranet war Anfang Jänner wegen Beihilfe zur Verbreitung obszönen Materials zu vier Jahren Haft sowie einer Geldstrafe von umgerechnet rund einer Million Euro verurteilt worden.

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