Was bedeuten diese Herkunftsangaben wirklich? Ist das Rind, dessen Schnitzel gerade in den Einkaufswagen wandern, tatsächlich aus Österreich? Oder ist es in Deutschland geboren, in Italien gemästet und einfach nur hierzulande verarbeitet worden?
Die Lebensmittelkennzeichnung ist in der Alpenrepublik immer noch ein unübersichtlicher Dschungel. Die Landwirtschaftskammer fordert nun rasches Handeln, um Konsumententäuschung vorzubeugen.
"In Wahrheit sagt eine rot-weiß-rote Kennzeichnung über die Rohstoffherkunft gar nichts aus - und das muss es auch nicht", fasst August Astl die gesamte Problematik in einen Satz. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien diskutierte der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich das heimische Dilemma. "Was sich derzeit abspielt, bedarf des Eingreifens der Behörden", forderte Astl rasche Änderungen bei der Lebensmittelkennzeichnung. Sprich: Weniger ist mehr. "Es gibt in Österreich eine unendlich große Zahl an Auslobungen." Und das verwirre vor allem den Endverbraucher.
"Dieser Graubereich wird ausgenützt"
Dass die derzeitige Situation unbefriedigend ist, bestätigte auch Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der Agrarmarkt Austria: "Dieser Graubereich, diese rechtsfreie Zone - das wird ausgenützt." Beispiel: Auf der Verpackung steht groß "Österreichischer Striezel", doch österreichisch ist daran nur das Wasser, mit dem die ausschließlich ausländischen Zutaten vermengt wurden. Nicht einmal die Rosinen waren einst einheimische Trauben. Mikinovic fordert die Angabe der Rohstoffherkunft: "Wenn überall so viele E-Nummern angeführt sind, warum dann nicht auch das?"
Fest steht, dass ein "Österreichisches Produkt" noch lange kein österreichisches Produkt sein muss. Für eine rot-weiß-rote Kennzeichnung eines Schnitzels reicht schon die Verarbeitung im Inland. Wo das Tier geboren oder gemästet oder geschlachtet wurde - das muss nicht auf der Verpackung stehen. "Das sind alles keine Beispiele für bewusste Täuschung, sondern für Verordnungslücken", meinte Mikinovic. Und die gelte es so schnell wie möglich zu stopfen.
Freiwilligkeit ist zu wenig - LK hat fünf Forderungen
Zwischenzeitlich dringt auch ein bisschen Resignation durch: "Ich habe den Eindruck, dass Wettbewerb zwischen Handelsketten heute nur noch über den Preis geführt wird", so Astl. Und dieser Kampf ist kein österreichischer, sondern ein internationaler. Daher sei auch die EU gefordert, strengere Spielregeln einzuführen - und zwar möglichst bald, meinen Astl und Mikinovic. Das AMA-Gütesiegel etwa sei zwar eine feine Sache, basiere jedoch auf Freiwilligkeit und ersetze daher nicht gesetzliche Grundlagen zur Lebensmittelkennzeichnung.
Daher formulierte Astl fünf Forderungen: Irreführung und Täuschung der Konsumenten müssen verhindert werden; Produkte mit "Bauern-..." dürfen nur vom Bauern kommen; Herkunftsbezeichnung sollen bei Milch- und Fleischprodukten erforderlich sein; Kennzeichnung von Lebensmitteln auch in der Gastronomie sowie ein Verbot des Verkaufs unter dem Einstandspreis. Fazit des Generalsekretärs: "Die derzeitigen Bestimmungen sind keine ausreichende Aussage für die Verbraucher - sie sind rechtlich zwar zulässig, aber haltbarer Zustand ist das keiner."
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