16.03.2019 14:03 |

Autonome Waffen

Am Schlachtfeld von morgen kämpfen Drohnenschwärme

Wird der Krieg der Zukunft von Schwärmen autonomer Drohnen ausgefochten? Geht es nach Experten aus Großbritannien und den USA, ist diese Vorstellung alles andere als abwegig. Wer einen Drohnenschwarm hat, hat aus ihrer Sicht einen taktischen Vorteil. Die Forschung in diesem Bereich wurde zuletzt intensiviert, das Rennen um die neue Technologie hat also längst begonnen.

Statt Kampfflugzeugen oder Langstreckendrohnen will man in Großbritannien und den USA verstärkt auf Schwärme kleiner entbehrlicher Drohnen setzen. Das britische Verteidigungsministerium habe erst im Februar angekündigt, in den nächsten Jahren „Schwarmstaffeln“ entwickeln zu wollen, berichtet die TV-Anstalt BBC. Und in den USA forscht die militärische Forschungseinrichtung DARPA unter dem Arbeitstitel „Gremlins“ ebenfalls an Schwärmen fliegender Waffen.

Neue Möglichkeiten bei Kampf und Aufklärung
Die Einsatzmöglichkeiten für Drohnenschwärme, die beispielsweise von Langstreckenbombern transportiert und über dem Zielgebiet freigesetzt werden könnten, sind vielfältig. Die entbehrlichen kleinen Fluggeräte könnten durch schiere Masse gegnerische Luftabwehr überwinden und bei Aufklärungs- oder Suchmissionen weite Gebiete schnell und effektiv absuchen, hoffen die verantwortlichen Militärs. Doch es gibt eine Schwierigkeit: die Programmierung.

Paul Scharre vom Think Tank Center for a New American Security: „Man muss sich das wie ein Fußballspiel vorstellen, da sagt der Trainer den Spielern auch nicht ganz genau von der Seitenlinie, was zu tun ist. Stattdessen denken die Spieler selbst mit. So müssten sich auch Robo-Agenten koordinieren können.“ Mit heutiger Technologie ist das trotz großer Fortschritte im Bereich der Bilderkennung und Künstlichen Intelligenz kein leichtes Unterfangen.

Ameisen und Termiten: Vorbilder aus dem Tierreich
Inspiration holen sich die Entwickler der Drohnenschwärme hier im Tierreich. Der Bio-Ingenieur Justin Werfel von der Universität Harvard zur BBC: „In einem natürlichen Schwarm Vögel oder Bienen macht jedes Individuum sein eigenes Ding. Jedes hat sein eigenes Hirn und weiß, was es sieht. Die Herausforderung ist, wie man die Individuen so baut, dass das Kollektiv am Ende macht, was wir wollen.“ Bei Tieren funktioniere das etwa durch chemische Signale: Ameisen oder Termiten hinterlassen ihren Artgenossen Duftmarken, an denen sich diese orientieren können.

Am wohl eher unruhigen Himmel über Kampfgebieten dürfte es für Drohnen aber schwierig werden, sich gegenseitig Signale zu geben. Auch auf elektronische Navigation wie GPS ist nicht zwangsläufig Verlass, wenn ein Gegner weiß, diese außer Gefecht zu setzen. Komplexe Software soll Drohnen im Schwarm auf solche Situationen vorbereiten. Die DARPA hat in diesem Zusammenhang bereits erste Tests durchgeführt und Ende vergangenen Jahres ein Drohnengeschwader mit der Fähigkeit, sich „an unerwartete Bedrohungen anzupassen und darauf zu reagieren“, im Himmel über Nevada erprobt. Die autonomen Waffen kamen auch zurecht, nachdem sie von der menschlichen Kommunikation abgeschnitten wurden.

Verschiedene Herangehensweisen an Schwarmdrohnen
Wie die Drohnenschwärme am Schlachtfeld aussehen könnten, ist indes noch nicht fix. Das „Gremlins“-Projekt der DARPA soll leicht ersetzbare Mini-Drohnen hervorbringen, die im Grunde an eine Rakete mit Tragflächen erinnern. Gleichzeitig forscht man aber auch an größerem und moderneren autonomen Drohnen, zum Beispiel als Unterstützung für menschliche Piloten.

An dieser Front hat man erst kürzlich mit dem Prototyp XQ-58A - Codename: Valkyrie - vorgelegt. Diese Hightech-Drohne soll im Krieg der Zukunft autonom operieren und menschliche Piloten als „Loyal Wingman“ unterstützen. Die autonome Waffe - auch Boeing forscht am vollautomatischen Kampfjet - könnte eines Tages freilich ebenso in Schwarmstaffeln ohne menschliche Piloten zum Einsatz kommen. Rüstungsexperte Scharre rechnet damit, dass das in einigen Jahrzehnten auch tatsächlich der Fall sein wird. Er vermutet, dass Drohnenschwärme die Welt des Militärs ähnlich nachhaltig verändern könnten, wie es Marschlflugkörper in den letzten Jahrzehnten getan haben.

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