06.03.2019 07:00 |

Neues Album „A-Side“

Konea Ra: „Es ist okay, nicht Yung Hurn zu sein“

Gut vier Jahre nach dem letzten Werk hat das Wiener Electropop-Duo Konea Ra mit „A-Side“ ein neues Album veröffentlicht. Und ja - wie der Titel schon andeutet, folgt da noch mehr. Wie genau das aussieht, was man sich dabei gedacht hat und wieso das Albumformat heute noch Sinn hat, erklärten uns die beiden Masterminds Stephanie Zamagna und Matthias Cermak im Interview.

Wenn man mit beiden Beinen fest im Leben steht, dann ist es nicht immer leicht, sich und seine gesamte Freizeit der Kunst zu verschreiben. Mit diesem Luxusproblem sind Stephanie Zamagna und Matthias Cermak konfrontiert, die unter dem nicht näher erklärten Banner Konea Ra seit acht Jahren gemeinsam die einheimische Elektropopszene verstärken. In dieser Zeit entstanden bislang zwei Alben, zahlreiche EPs, unzählige gefeierte Live-Gigs und eine Nominierung für den Austrian Amadeus Music Award. Doch da beide privat als auch hauptberuflich mehr als ausgelastet sind, war es eine aktive Entscheidung, nicht alles der Band unterzuordnen. „Es ist in Mitteleuropa nur in den seltensten Fällen möglich, seinen Traum komplett umzusetzen, ohne beim Anker Krapfen zu verkaufen“, erzählt Cermak im Interview, „mit Konea Ra haben wir aber auch den Anspruch, Musik zu veröffentlichen, zu der wir zu 100 Prozent stehen. Man merkt sehr schnell, wenn etwas nur kalkuliert ist.“

Realistischer Vinylboom
Von bloßer Kalkulation kann auf dem neuen Werk von Konea Ra keine Rede sein. Wobei - strenggenommen sind es zwei neue Werke, die das Wiener Duo in eine „A-Side“ und eine „B-Side“ aufteilt. Erstere ist bereits jetzt im Handel erhältlich, die zweite soll bis Frühlingsende folgen. „Heute veröffentlichen die meisten Musiker nur mehr Einzeltracks, aber wir wollten ein Album erschaffen, dass man sich in aller Ruhe durchhören kann. Man skippt nicht weiter, sondern setzt sich mit der Musik auseinander. Sechs Songs, wie sie auf der ,A-Side‘ sind, haben die richtige Länge, die kannst du dir anhören, weil das Format passt. Die Idee hinter der Aufteilung war mitunter, dass sich der Hörer an den ersten Teil gewöhnen kann und dann später die ,B-Side‘ nachlegt. Am Ende wirken die zwölf Songs zusammengeschraubt wie aus einem Guss.“ Bezüglich des angeblichen Vinylbooms geben sich die beiden aber keinen Illusionen hin. „Uns ist schon bewusst, dass der Großteil die Songs auf Spotify, iTunes oder Amazon hören wird. Der Vinylboom ist ja vor allem von den vielen Musikliebhabern getrieben.“

Die Musik von Konea Ra ist einerseits von einer getragenen Sänfte, andererseits aber auch partiell nach vorne schreitend und die stilistischen Grenzen im elektronischen Segment auslotend. Natürlich kann man zu Tracks wie „Supercharger“ oder „Megalomania“ den Dancefloor betreten, doch das Tanzvergnügen findet eher zurückgelehnt und stilvoll statt. Konea Ra als modernen Lounge zu bezeichnen, würde den träumerischen Soundsequenzen Unrecht tun, doch wer sich einfach nur abreagieren und auspowern möchte, sollte lieber eine andere Platte aus dem Schrank ziehen. Zeitlosigkeit dient hier als Kompliment, und nicht als Schimpfwort. „Ich möchte selbst Songs hören, die mich berühren oder auffangen, wenn es die Situation verlangt. ,Love‘ etwa ist eine Ode an die Leidenschaft. In einer Zeit, wo die Menschen zwischen 40.000 Terminen hin- und herpendeln, bleibt oft zu wenig Zeit, um sich selbst etwas Gutes zu tun und Sozialhygiene zu betreiben. Mein Wunsch wäre es, dass der eine oder andere in einer solch gestressten Phase diesen Track hört, sich dabei entspannt und danach die Kraft und Motivation findet, etwas zu tun, was ihm guttut.“ Zamagna ergänzt: „Das Album ist keine Anleitung zum Glücklichsein, aber es soll Mut geben, Leidenschaften zu erkennen und sie umzusetzen.“

Neue Zugänge
Zeitlosigkeit ist Konea Ra ein wichtiges Anliegen. Als Zamagna unlängst einen Song von The Clash auf FM4 hörte, hätte sie ihn prompt in der Gegenwart verortet. „Von der Band war das aber sicher nicht geplant, denn die Punks dachten maximal an den nächsten Tag. Jungen Hörern ist der Klang heute aber vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig.“ Dass „A-Side“ so angenehm flüssig durch die Gehörgänge mäandert, liegt auch an der Kompromisslosigkeit im Songwriting. Platz für Trends gibt es beim Duo keinen. „Wir bauen jetzt keine Trap-Sounds ein oder machen Vocoder-Hip-Hop, weil es gerade der heiße Scheiß ist. Das wäre absolut nicht authentisch und wir würden uns damit lächerlich machen. Es ist okay, dass wir nicht Yung Hurn sind, denn durch die Digitalisierung finden auch ältere Hörer zu mehreren Musikstilen. Es ist nicht mehr notwendig, immer den neuesten Trends zu folgen, weil die Streamingplattformen einem auch die Möglichkeit geben, in die Vergangenheit einzutauchen.“ Verändert haben Konea Ra auch den Zugang zu den textlichen Belangen. Während Cermak wie gewohnt an der Musik feilte, schrieb Zamagna den Inhalt dazu - und veränderte den Zugang. „Das letzte Album war direkter an bestimmte Personen gerichtet, das hat sich nun geändert - etwa beim Song ,Laura‘. Sie ist aus verschiedenen Menschen und Erfahrungen inspiriert. Manchmal höre ich nur auf den Text und stelle mir das Mädchen vor, wie es im Leben voranschreitet. Ich verknüpfe die Fiktion mit der Realität. Man kann nun vielmehr in eine Welt eintauchen.“

Aus der trauten Zweisamkeit ist im Produktionsprozess ein Trio geworden. Als wertvolles Korrektiv für offene Fragen fungierte Produzent Vlado Dzihan, der sich des Öfteren aktiv-entscheidend einbrachte. „Er hat die Dynamik deutlich geprägt“, rekapituliert Zamagna, „ein Profi bringt immer einen Mehrwert, wenn er seine Expertise einbringt und an den Fäden zieht. Als Dritter verhilft er zudem automatisch zu demokratischen Entscheidungen.“ Für Cermak ist die Reife des Albums in der guten Zusammenarbeit mit Zamagna begründet. „Wir ergänzen uns in allen Belangen extrem gut. Durch ihre DJ-Tätigkeit weiß Stephi genau, wie etwas gut fließt oder wann es zusammenpasst. Ich bin der Soundbastler und sie ist die Soundconnaisseurin. Außerdem verleiht ihre wundervolle Soul-Stimme der Musik etwas Spezielles. Ihre Stimme schmiegt sich irrsinnig gut an Klänge an und sie lässt auch mal etwas weg, was nicht reinpasst.“ Eine Ode an das Format Album durch elektronische Musik - Konea Ra sind das beste Beispiel dafür, wie man Tradition und Moderne sinnbringend verbindet.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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