25.02.2019 11:47 |

Telekom-Experte

Datenturbo 5G hat „noch viel Aufklärungsbedarf“

Neben Falt-Smartphones dominiert heuer vor allem ein Thema auf dem Mobile World Congress im spanischen Barcelona: 5G. Der neue Mobilfunkstandard soll vieles beschleunigen, insbesondere die Digitalisierung industrieller Prozesse. Doch es gibt „noch Aufklärungsbedarf, den die Politik zu verantworten hat“, so der Telekom-Experte Roman Friedrich.

Denn in Nordeuropa werde immer kommuniziert, dass 5G dem Konsumenten mehr Bandbreite bieten werde. „Das wird er wohl bekommen, der Durchbruch spielt sich jedoch vielmehr bei geschäftlichen Abläufen ab“, erläutert Friedrich vom Beratungsunternehmen Boston Consulting Group. Dabei würden in der Diskussion über die Vorteile von 5G oft die falschen Beispiele gebracht - „Video Conferencing ist es garantiert nicht“.

Natürlich werde es mit 5G mehr Bandbreite und deutlich höhere Geschwindigkeiten geben, aber schon jetzt würden Konsumenten mit einem guten LTE-Netz (4G) da keine großen Defizite spüren, „das ist also kein Durchbruch“. Wesentlich interessanter sei, dass es bei 5G viel kürzere Antwortzeiten gebe. „Wir sind da im Millisekunden-Bereich, in dem auch das menschliche Gehirn Signale von der Hand empfängt und verarbeitet. Mit dieser Eigenschaft kann ich auf einmal Abläufe, die bisher der Mensch gemacht hat, automatisieren, ohne die Gefahr, dass der Roboter-Greifarm in die Karosserie reinfährt.“

Mehr Kapazitäten fürs Internet der Dinge
Ein weiterer entscheidender Vorteil von 5G gegenüber LTE sei die Vervielfachung der Kapazitäten von Funkzellen durch die „Massive Mimo“-Technik, wodurch viele Teilnehmer in einer Funkzelle gleichzeitig kommunizieren können. „Das Stichwort ist da IoT, Internet of Things - wir wollen ja 20, 40 oder 50 Milliarden Geräte oder Gegenstände verknüpfen.“ Dadurch werde man beispielsweise Wartungsabläufe effizienter gestalten können. „Der Papierkorb meldet sich, wenn er voll ist, und es muss kein städtischer Bediensteter mehr hingehen und nachsehen, ob er voll ist.“

Natürlich gebe es auch Missbrauchspotenzial, räumte Friedrich ein. „Sie werden diese Netze nie 100-prozentig sicher gestalten können.“ Hier komme auf technischer Seite eine weitere Eigenschaft von 5G zum Tragen, das „Network Slicing“. „Wir können logisch gewisse Frequenzbänder abtrennen und sicher gestalten, sozusagen vom Rest der Welt trennen“, erklärte Friedrich. Absolute Sicherheit werde es aber nie geben.

Autonomes Fahren keine Killer-Applikation
Auch mit einigen Missverständnissen sollte aufgeräumt werden, forderte Friedrich. So werde immer wieder von der Notwendigkeit eines flächendeckenden 5G-Ausbaus gesprochen, was aber weder möglich noch notwendig sei. „Wir brauchen kein 5G für jede Milchkanne. Wenn die Milchkanne sagen soll ‘ich bin voll‘, reichen 4G-Bandbreiten allemal.“ Ein Irrtum sei auch die Annahme, dass 5G eine Voraussetzung für autonomes Fahren wäre. „Wir werden autonomes Fahren anders realisieren, nämlich mit Sensorik und Car-to-car-Kommunikation, 5G ist nur eine Zusatztechnologie.“ Es sei eine „irrige Diskussion, über autonomes Fahren als Killer-Applikation für 5G zu reden“.

„5G-Boom ab 2021/22“
Wann die 5G-Technologie boomen wird, „hängt ganz stark davon ab, wie viel Geld in der Auktion bleibt versus wie viel Geld für Investitionen zur Verfügung steht“. Den Mobilfunkern gehe es „allen momentan nicht so grandios“. Er hoffe, „dass wir den Boom in der ersten Hälfte der 20-er Jahre sehen werden, 2021/22. Da muss der Gesetzgeber und der Regulierer eine große Rolle spielen, indem er Geld im System lässt.“ Schon im kommenden Jahr werde man bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 5G massiv im Einsatz sehen, glaubt Friedrich, „das wird auch einen Boost geben“. Die Limitierungen seien nicht technischer, sondern kommerzieller Natur, „weil nicht genug Geld zur Verfügung steht“.

Experte rechnet mit weiterer Bereinigung am Mobilfunkmarkt
Friedrich rechnet auch mit einer weiteren Bereinigung am Mobilfunkmarkt. Auf einigen kleineren Märkten wie Dänemark gebe es noch immer vier Player mit eigener Infrastruktur, „das ist schon manchmal absurd, da wird es unbedingt Konsolidierung geben“. Die Investitionen in Netz-Infrastruktur seien gewaltig, drei Player in einer Region wären ein gutes Maß, meint der Mobilfunkexperte. In Ballungszentren könnten es auch mehr sein, aber in fast menschenleeren Gebieten wie Nordschweden rechne es sich nicht, parallele Infrastrukturen aufzubauen.

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