Gastpatienten-Streit

OP-Blockade: Ärger an Stadtgrenze besonders groß

Niederösterreich
14.03.2026 07:30

Im Bezirk Mödling leben Niederösterreicher und Wiener gewissermaßen Tür an Tür – das Unverständnis für den von Wien vom Zaun gebrochenen Gastpatienten-Streit ist dort besonders groß.

In Perchtoldsdorf ist die Bundeshauptstadt nur durch die Ketzergasse von Niederösterreich getrennt. Viele Schüler kommen über die Stadtgrenze in den bekannten Heurigenort ins Gymnasium, die Perchtoldsdorfer Heide nutzen die Großstädter gerne als Ausflugsziel und 25 Prozent der Gäste des örtlichen Freizeitzentrums sind aus Wien.

„In all diesen Bereichen funktioniert das Miteinander. Es ist unverständlich, warum es gerade im Gesundheitsbereich nicht funktioniert“, berichtet die Perchtoldsdorfer Bürgermeisterin Andrea Kö von immer mehr Klagen aus der Bevölkerung über die Gastpatienten-Blockade in Wiener Spitälern.

Problematik verschärft
Solche Fälle kennt auch Marlene Zeidler-Beck. Die Abgeordnete ist ÖVP-Obfrau des Bezirks Mödling. „Unsere Region ist eng mit Wien verwoben. Und es ist eine durchaus gute Nachbarschaft“, sagt sie. Nachsatz: „Aber man muss sich eben in allen Belangen auf seine Nachbarn verlassen können.“

„Arzt kann seine Patienten gar nicht selbst operieren“
Dass die Landesgrenze gerade im dicht besiedelten südlichen Wiener Umland mitunter verschwimmt, belegen die Zahlen: 25.000 Menschen pendeln täglich aus dem Bezirk Mödling zur Arbeit nach Wien. Knapp 28.000 sind es in die andere Richtung. „Es gibt auch viele Arbeitnehmer aus unserem Bezirk, die in Gesundheitsberufen in der Bundeshauptstadt tätig sind“, weiß Zeidler-Beck. Und gerade das verschärft die Problematik zusätzlich: „Denn oft hat der Arzt des Vertrauens seine Ordination hier, ist aber in einem Wiener Krankenhaus beschäftigt“, erklärt die Abgeordnete. Die Folge des unseligen Gastpatienten-Streits: „Dieser Arzt kann seine eigenen Patienten dann im Fall des Falles gar nicht selbst operieren.“

So ist es Gertrud Opitz ergangen. Die Patientin aus Gaaden, Bezirk Mödling, wurde von ihrem Orthopäden, der sie schon mehrmals in Wien operiert hat, für eine Hüft-OP in einem Wiener Spital angemeldet – und erhielt prompt eine Absage von der Klinik (siehe Faksimile).

Absage der Wiener Klinik an Gertrud Opitz aus dem Bezirk Mödling
Absage der Wiener Klinik an Gertrud Opitz aus dem Bezirk Mödling(Bild: Krone KREATIV/Christoph Weisgram)

Scheckkarte statt E-Card
Der Eingriff wurde schließlich im Krankenhaus Neunkirchen vorgenommen – bei längerer Anfahrt für die Patientin und nicht vom vertrauten Mediziner. Was Opitz besonders ärgert: „Wäre ich Privatpatientin gewesen, hätte das Wiener Spital kein Problem bei meiner Aufnahme gesehen.“ Die Scheckkarte zählt offenbar mehr als die E-Card – vor allem bei Gastpatienten.

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