Mi, 20. März 2019
20.02.2019 09:00

Eislauf-Boom

Leistbare Wintersportarten werden immer beliebter

Leistbare Wintersportarten rücken immer mehr in den Fokus der Menschen im ganzen Land. Der Kitzbühler Winter- und Skitourismus-Forscher Günther Aigner erklärt die Ursachen: Zu hohe Lebenserhaltungskosten, die Folgen der Migration sowie eine starke Veränderung der Gesellschaft sind dafür verantwortlich.

Mit Unterstützung einer Lauflernhilfe wagt der neunjährige Marcel seine ersten, noch zaghaften Runden auf dem Eislaufplatz in Ebbs. Der Volksschüler hat sichtlich Spaß an der körperlichen Betätigung, was wiederum seine Mutter Tanja Greiderer und seine Schwester Isabelle sehr freut. Greiderer ist alleinerziehende Mutter, die untertags arbeitet: „Eislaufen ist eine ausgezeichnete Alternative, um im Familienverbund auch im Winter sportlich aktiv zu sein. Skifahren zusammen mit meinen Kindern kann ich mir leider finanziell mittlerweile einfach nicht mehr leisten.“

Eislaufkurse im Aufwind
Melanie Kurz organisiert seit zwölf Jahren mit vier Übungsleiterinnen in der Kufstein Arena die Eislaufkurse. „Ich merke eine sukzessive Steigerung bei den Anmeldungen für Kindereislaufkurse. Heuer haben wir mit 60 Kindern einen noch nie dagewesenen Höchststand erreicht“, teilt sie mit. Anwesende Eltern der kleinen Anfänger bestätigen, dass dieser Wintersport ihre Alternative zum Skifahren wurde, da er leistbarer und einfacher zum Ausüben ist.

Stirbt deshalb das Erlernen und das daraus folgende Ausüben des Skisports bei vielen Einheimischen aus? Kommt eine Zukunft, in welcher unsere Kinder diesen Sport nicht betreiben, da seine soziale Wertigkeit in Verlust gerät? Oder aber kommen hierbei andere Punkte zum Tragen, damit „günstige“ Sportarten wie Eislaufen oder Rodeln eine Renaissance erleben?

„Gesellschaft hat sich verändert“
Der Kitzbühler Winter- und Skitourismus-Forscher Günther Aigner sieht mehrere Ursachen darin: „Ich bin vollkommen der Meinung, dass sich unsere Gesellschaft noch viel mehr verändert hat, als sich das Klima veränderte. Über die Klimaveränderung wird ausgiebig gesprochen, über die Veränderung der Gesellschaft aber weniger.“

Und weiter sagt er: „Wenn man die Anschaffung der Skiausrüstung außer Acht lässt und rein die Ticketpreis-Entwicklung der Skigebiete mit sieben Liftanlagen aufwärts in Tirol zur Gehaltsentwicklung und den Wohn-Lebens- und Mobilitätskosten betrachtet, dann kann man verstehen, dass sich viele mittelständische Familien das Skifahren im gewohnten Sinn nicht mehr leisten können.“

„Sport nicht verankert“
Auch auf die Migrationsthematik nimmt Aigner Bezug: „Sie ist ein weiterer Punkt, der gegenwärtig zum Tragen kommt. Für viele Familien, die zum Beispiel aus der Türkei stammen, hat Wintersport keine Bedeutung. Aus dem einfachen Grund: Der Sport ist im Herkunftsland der Betreffenden nicht kulturell verankert. Die große Migrationswelle 2015 kann hier als blendendes Beispiel verwendet werden, Skifahren gibt es nicht im Mittleren Osten und in Nordafrika. Somit kann auch das Elternhaus seinem Nachwuchs dies nicht als Wert vermitteln. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Trends zur Bequemlichkeit und Bewegungsarmut durch Automatisierung und Mechanisierung weiter fortsetzen.“

Und er sagt: „Durch die digitale Welt, die Allgemeingut wurde, kann man Abenteuer von den heimischen Wänden aus erleben. So fragen sich viele, für was sie den Aufwand betreiben und hinaus gehen sollen.“

Rasches „Aha-Erlebnis“
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass komplementäre Wintersportarten wie das Eislaufen und Rodeln einen Boom erleben, da sie einfacher als das Skifahren zu erlenen sind und man wenig Einsatz benötigt, um ein „Aha-Erlebnis“ zu erhalten.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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