Die unabhängige Expertengruppe ortet in ihrem Prüfungsergebnis dagegen Diskriminierung mit System: Falsche Verträge würden Mitarbeiterinnen keinen Kündigungsschutz in der Karenz bieten. Dafür aber dem Landestheater die Möglichkeit, Mütter unter ihren Mitarbeiterinnen auszusortieren. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass eine Schwangerschaft am Landestheater nicht als natürlich, sondern vielmehr als störend angesehen werde.
Politik: "Kein frauenfeindliches Klima!"
Die Politik stärkt dem Landestheater jedoch den Rücken: Innsbrucks Bürgermeisterin Hilde Zach bedauerte sehr, dass "die Mitarbeiterin die Arbeitsbedingungen für Frauen am Tiroler Landestheater bzw. die generelle Einstellung des Arbeitgebers gegenüber Frauen mit Kindern (jedenfalls subjektiv) negativ erlebt" habe. Theater seien traditionell und seit jeher Betriebe mit einem sehr ausgewogenen Personalstand, was das zahlenmäßige Verhältnis von Frauen und Männern angehe.
Kulturlandesrätin Beate Palfrader sprach entgegen dem Ergebnis der Gleichbehandlungskommission von einem Einzelfall. Und von diesem könne somit nicht auf ein generell frauenfeindliches Klima am Tiroler Landestheater geschlossen werden. Dem Land Tirol seien keine weiteren Vorfälle dieser Art bekannt. Es bleibe der Antragstellerin aber unbenommen, den Rechtsweg zu beschreiten.
Offenes Geheimnis: Mutterschaft bedeutet Ende der Anstellung
Eine Zeugin hat laut Prüfungsergebnis hingegen die Position der Antragsstellerin gestärkt: Es sei am Theater ein offenes Geheimnis, dass man sich entscheiden müsse, entweder Mutter zu sein, oder weiter zu arbeiten. Auch in ihrem Fall wurde von der Kommission festgestellt, dass der Frau ein falscher Dienstvertrag ausgestellt wurde.
Die Kommission stellte zudem fest, dass ein "auffälliges Nichtwissen" hinsichtlich Mutterschutz, Karenz sowie Elternzeit bei den Verantwortlichen am Landestheater bestanden habe.
Durch die Vorgehensweise des Hauses haben sich die Antragstellerin und weitere Mitarbeiterinnen in "einem äußerst prekären Beschäftigungsverhältnis befunden". Gerade weil am Landestheater sehr viele Frauen und viele weibliche Führungskräfte beschäftigt seien, wäre laut Kommission zu erwarten gewesen, dass die Führungskräfte des Theaters gegenüber dem Thema Schwangerschaft, Karenz, Elternteilzeit eine erhöhte Sensibilität zeigen und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie setzen würden.
Die einschlägigen Bestimmungen des Gleichbehandlungsgesetzes sollen dem kaufmännischen Direktor jedoch nicht bekannt gewesen sein. Aus Sicht der Kommission sei es daher dringend erforderlich, dass alle mit dem Personalwesen befassten Mitarbeiter des Landestheaters umfassend in den Rechtsgrundlagen des Personalwesens geschult und aufgeklärt werden.
Direktor: "Am Theater herrscht anderes Klima"
Zusätzlich zu den Nachteilen im Beschäftigungsverhältnis bestehen noch weitere Vorwürfe gegenüber dem geschäftsführenden Direktor: Mittels Aussagen wie "Frauen gehören an den Herd" soll die Antragsstellerin belästigt worden sein. Im Ermittlungsverfahren bestätigte sich für die Gleichbehandlungskommission, dass der Direktor noch immer dem Denken einer traditionellen Rollenverteilung und einer tief verwurzelten Differenzierung der Geschlechterrollen verhaftet sei.
Am Theater sei es einfach so, dass man sich den ganzen Tag blöd anrede. Es herrsche hier ein anderes Klima, verteidigte der Direktor seine Aussagen.
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