Mo, 27. Mai 2019
04.02.2019 12:14

40.000 Betroffene

Auch ohne Heilung gutes Leben mit Krebs möglich

Jedes Jahr erhalten rund 4000 Menschen in Tirol die niederschmetternde Diagnose Krebs. Insgesamt leben im Land rund 40.000 Frauen und Männer mit der Diagnose Krebs. Dank medizinischem Fortschritt überleben viele Menschen, auch wenn Heilung oft nicht möglich ist. Besonders hoch ist laut Spezialisten der Klinik Innsbruck die Überlebensrate bei jenen Patienten, die an einer klinischen Studie teilnehmen. Mehr als 100 werden derzeit in Innsbruck durchgeführt. Aus Anlass des Weltkrebstages am 4. Februar beleuchtet die „Krone“ die Situation in Tirol. 

Wenn man Christian Marth, Direktor der Innsbrucker Klinik für Gynäkologie und Sprecher des Krebszentrums in Innsbruck, nach dem wirksamsten Mittel gegen Krebs fragt, dann muss er nicht lange überlegen: Mit einem gesunden Lebensstil könne man die Zahl der Erkrankungen um die Hälfte reduzieren, unterstreicht der Mediziner die Bedeutung dessen, wie wir unser Leben gestalten.

In Tirol werden etwas mehr Krebsfälle als im EU-Durchschnitt gezählt. Gleichzeitig liegt die Sterblichkeit aber unter dem EU-Schnitt. 65 Prozent der Patienten leben fünf Jahre nach der Diagnose noch, bei einzelnen Krebsarten steigt die Überlebensrate auf mehr als 90 Prozent. Eine komplette Heilung ist bei vielen Krebsarten noch nicht möglich. Doch die gute medizinische Versorgung hat die Überlebenschancen wesentlich verbessert. 

Tausende Patienten in Studien involviert
„Neue Wege in der Krebstherapie beginnen im Labor! Die Treffsicherheit innovativer Medikamente lässt sich aber nur in klinischen Studien überprüfen und etablieren“, erläutert Marth. Aktuell laufen an den Innsbrucker Kliniken mehr als 100 solcher Studien. Mehrere tausend Patienten sind involviert. Marth: „Der Vorteil liegt für Patienten darin, dass sie Zugang zu innovativen Therapien erhalten. Dabei handelt es sich um Medikamente, die eigentlich noch nicht am Markt sind, aber großes Potenzial haben. Studienteilnehmer werden zudem besonders intensiv und engmaschig betreut und überwacht.“

Viel Aufmerksamkeit erhält derzeit die Immuntherapie (siehe Beispiel links). Körpereigene Immunzellen werden im Kampf gegen Krebs eingesetzt. „Die Immuntherapie ist in Kombination mit oder anstelle der klassischen Chemotherapie eine selektiv hochwirksame Therapiesäule“, sagt Klinikdirektor und Tumorimmunologe Dominik Wolf.

Nicht jede Hoffnung wird auch erfüllt
Die Hoffnungen, dass die Therapie andere Methoden ganz ersetzt, erfüllt sich jedoch in vielen Fällen nicht. Nur bei zwei bis drei von zehn Patienten wirkt etwa die neue Immuntherapie mit blockierenden Antikörpern so umfassend, dass sie als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt werden kann. Trotzdem sprechen die Mediziner von einem entscheidenden Fortschritt. Derzeit tüfteln sie an Vorhersagemodellen, mit denen die Treffsicherheit erhöht und schwere Nebenwirkungen verhindert werden könnten. 

„Die Ärzte gaben mir nur mehr wenige Monate zu leben“
Dass die Immuntherapie Anlass zu berechtigter Hoffnung gibt, zeigt die Geschichte von Kurt Prem aus Schwaz. Bei dem heute 74-Jährigen wurde im Jahr 2013 Lungenkrebs diagnostiziert. Die Behandlung des äußerst aggressiven Lungentumors erfolgte mit vielen Chemotherapien und auch einer Tablettentherapie. Doch langfristige Erfolge blieben aus. Zwei Jahre nach der Erstdiagnose galt der Unterländer als austherapiert. „Die Ärzte gaben mir noch wenige Monate zu leben“, beschreibt der Krebspatient seine damals scheinbar ausweglose Situation. Die Teilnahme an einer klinischen Studie mit dem Wirkstoff Nivolumab brachte 2015 eine entscheidende Wende. „Trotz vorübergehender milder Nebenwirkungen ist das Karzinom bis heute unter Kontrolle“, bestätigt sein behandelnder Arzt Dominik Wolf. Heute kann Prem wieder seinen Hobbys Skifahren und Segeln nachgehen. Die Therapie muss er aber weiterführen. Wie lange, das kann heute noch niemand sagen. Doch der 74-Jährige ist froh, dass er über die Teilnahme an einer Studie Lebenszeit und -qualität gewonnen hat.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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