Minen-Mähdrescher

US-Militär setzt bei Großoffensive auf “Monster”

Ausland
12.02.2010 14:36
"Ich bin froh, dass dieses Monster auf unserer Seite steht", sagt Rahim Ullah, Maschinengewehrschütze in der afghanischen Armee. Neben ihm auf dem staubigen "Assault Breacher Vehicle" namens "Joker" hocken seine Kameraden vom U.S. Marine Corps und rücken sich fürs Pressefoto die Sonnenbrille zurecht. Das US-Militär stellt für eine Großoffensive auf Taliban-Hochburgen die wohl bizarrsten Militärgefährte in den Dienst. Die "Minen-Mähdrescher" sollen dabei aber - wie so oft - nur eines tun: Leben retten.

Seit 1990 bastelt die US-Armee an den Fahrzeugen, deren Stückpreis bei 3,5 Millionen Dollar liegt. Den ersten "Breacher" stellte das Militär zum ersten Mal im Dezember des vergangenen Jahres vor. Für die Großoffensive in der Unruheprovinz Helmand sind jetzt mehrere der bizarren Minen-Mähdrescher offiziell in den Dienst der Marineinfanteristen gestellt worden.

"Joker" ist 72 Tonnen schwer, zwölf Meter lang und hat mehr als 3.000 Kilo C-4-Sprengstoff an Bord. Offiziell wird das furchteinflößende 1.500-PS-Gefährt nur als Vorhut und Minen-Räumer eingesetzt. Die stählernen Kämme an der Front und Arme an der Seite sollen Minen und improvisierte Sprengsätze am Straßenrand mittels Detonation entschärfen. Bei 13 km/h Geschwindigkeit pflügt der Breacher 36 Zentimeter tief in die Erde. 

"Dann haben wir gelacht und sind weitergefahren"
Für besonders dichte Minenfelder feuert die Besatzung eine 700 Kilo schwere Sprengladung ab, die Minen im Umkreis von 150 Metern in die Luft gehen lässt. Bei der Vorführung für die "embedded journalists" am Mittwoch in Sistani mussten jedoch zwei Sprengsätze manuell getriggert werden, berichtet die AP. Es gebe noch Verbesserungsbedarf, habe einer der Militärs gemeint.

"Diese Waffe ist ein echter Lebensretter", sagt hingegen Gunnery Sergeant Steven Sanchez, ein Zugführer beim 2nd Marines Combat Engineers Battalion. Er sei bei einer "Probefahrt" in Helmand dabei gewesen, als die US-Streitkräfte ein großes vermintes Stück Land durch den Einsatz von Breacher zurückgewonnen hätten. "Wir haben Geschichte geschrieben", meint Sanchez stolz. Er sei letztens über eine 27-Kilo-Bombe gedonnert, schildert der 23-jährige Breacher-Fahrer Jeremy Kinsey: "Es hat ein wenig gerüttelt. Dann haben wir gelacht und sind weitergefahren."

Flugblätter mit "Wir bringen Frieden"
Der Anblick des monströsen Militärgefährtes und der darauf "reitenden" US-Soldaten steht im krassen Gegensatz zur Beschwichtigungskampagne, die die US-Streitkräfte vor der geplanten Großoffensive im Süden Afghanistans gestartet haben. In Helmand verteilten die Streitkräfte am Freitag Flugblätter mit der Aufforderung, die Aufständischen "nicht zu beherbergen und nicht auf eigene Grundstücke zu lassen". "Die Truppen kommen, um Ihnen zu helfen. Wir bringen Frieden", hieß es außerdem auf den in Marja verteilten Blättern. Bisher verließen rund 400 Familien die Region, die afghanische Regierung bereitet sich auf einen Flüchtlingsstrom vor.

Bei der bevorstehenden Militäraktion handelt es sich um die größte Offensive seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Jahr 2001. Ziel der Offensive "Muschtarak" (Gemeinsam) ist es, die von den radikalislamischen Taliban kontrollierten Gebiete unter die Kontrolle der afghanischen Regierung zu stellen. Helmand ist nach NATO-Angaben eines der letzten Gebiete unter der Kontrolle der Taliban.

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