Der Linzer Wirtschaftswissenschafter Friedrich Schneider, seit Jahrzehnten Erforscher von Schattenwirtschaft und Pfusch, kennt die Methoden der Steuern- und Abgabenbetrüger gut.
„OÖ-Krone“: Sozialbetrug in Linz in großem Stil. Ist das auch für Sie als erfahrenen Experten für Schattenwirtschaft etwas Besonderes?
Friedrich Schneider: Im Pfusch ist das jetzt ein markanter Fall. Von 100 Baufirmen sind 5 oder 6 schwarze Schafe, der Rest arbeitet völlig korrekt. Wennman aber betrügen will, dann macht man es so, wie die jetzt enttarnte Firma: Man meldet die Leute nicht oder nur geringfügig an und bezahlt sie darüber hinaus schwarz. Oder man meldet alle an und geht dann nach ein paar Wochen in Konkurs und zahlt gar nichts.
„OÖ-Krone“: 78 dieser Teil-Schwarzarbeiter haben auch noch Arbeitslose bezogen.
Friedrich Schneider: Das hat mit der Firma eigentlich nichts zu tun. Das muss jeder Einzelne mit sich ausmachen, dass er damit den Staat betrügt.
„OÖ-Krone“: Die Finanzpolizei kann da oft nur hinterherhinken.
Friedrich Schneider: Die Finanzpolizei ist gar nicht so schlecht bei uns, die findet doch einige. Die Frage ist: Was passiert jetzt in einem Jahr? Wird derjenige verurteilt? Geht er bei dieser Summe (1 Million € Schaden nur 2017) ins Häfen, was er ja müsste? Das ist der springende Punkt: Gefunden werden viele, aber dann geht die Prozessiererei los, mit immer denselben Fragen nach Milderungsgründen.
Interview: Werner Pöchinger, Kronen Zeitung









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