22.01.2019 20:04 |

Urteil: 27 Monate

Geisterfahrt ist kein Mordversuch

„Ich bereue es sehr, dass meinetwegen Menschen verletzt wurden“, sagt der gebürtige Ungar. „Aber glauben Sie mir, ich wollte niemanden töten - auch mich selbst nicht!“ Die Staatsanwältin hat den Mann nach einer beispiellosen Alko-Geisterfahrt wegen sechsfachen Mordversuchs angeklagt: „Er nahm in Kauf, dass Leute sterben.“

Eine Flasche Wodka, Gin, Fernet. Die Mengen, die der 56-Jährige an einem Sonntag im September 2018 in sich hineingeschüttet hat, klingen unglaublich. „Ich habe ein Alkoholproblem“, erklärt er lapidar. „Ich bin lange trocken - aber dann trinke ich einfach, ohne Grund.“ So soll es auch vor dem Unfall gewesen sein.

Der Mann fuhr von einem Italienurlaub Richtung Villach. Irgendwo, irgendwie wurde er zum Geisterfahrer. Absichtlich, glaubt die Anklägerin. „Er hat mehrmals gesagt, dass er sich umbringen wollte.“ Und dann hat er einen Frontalen mit sechs teils schwer Verletzten verursacht. „Er fuhr gemütlich dahin, ohne zu reagieren. Niemand konnte ausweichen“, schildert ein Opfer. Der Amokfahrer schüttelt den Kopf. „Ich habe das mit dem Suizid nur gesagt, um Mitleid zu bekommen - dass die Strafe für mein Tun weniger schlimm ausfällt, als wenn ich zugebe, dass ich einfach nur so viel getrunken hatte.“

Die Geschworenen schenken dem Mann letztlich auch Glauben und befinden nach langer Beratung: Kein Mordversuch, nur ein besonders verwerflicher Alkounfall, für den es 27 Monate Haft gibt. Nicht rechtskräftig.

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Kerstin Wassermann
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