Fahr zur Hölle

Als Kreuzritter durchs Fegefeuer in “Dante’s Inferno”

Spiele
11.02.2010 12:09
Weltliteratur und Videospiele – zwei Dinge, die bislang nicht so recht miteinander harmonieren wollten. Publisher Electronic Arts wagt nun das Experiment und macht mit "Dante's Inferno" eines der bedeutendsten literarischen Werke auf der Konsole spielbar: die "Göttliche Komödie" von Dante Alighieri. Prädikat: infernalisch.

In Anlehnung an die literarische Vorlage aus dem 14. Jahrhundert führt "Dante's Inferno" den namensgebenden Protagonisten, einen in die Toskana heimgekehrten Kreuzritter, in die Tiefen der Hölle hinab, wo dieser seine holde Beatrice aus den Fängen Luzifers zu befreien versucht. Dass die Gute unter der Erde schmort, hat Dante sich allerdings größtenteils selbst zuzuschreiben und so führt der Weg zur Absolution über die Buße.

Lasst alle Hoffnung fahren
Für Dante bedeutet dies, die neun Kreise der Hölle zu durchqueren und dabei mit einer Gevatter Tod höchstpersönlich zuvor entrissenen Knochensense durch Scharen garstiger Gestalten und Dämone zu pflügen und sich an deren Seelen zu laben. Denn diese stellen in dem Erinnerungen an Sonys "God of War" weckenden Metzelspiel das Zahlungsmittel dar, mittels dem der Kreuzritter seine Fertigkeiten verbessern kann.

Bestrafer oder Erlöser?
Allerdings ist Seele nicht gleich Seele, unterscheidet "Dante's Inferno" doch zwischen brutal per Sense und somit unheilig sowie mit der Kraft des Kreuzes, also heilig, gewonnenen Seelen. Anders ausgedrückt: Der Spieler hat die Wahl, ob er liebe böse und bestrafend seiner Wege geht oder ob er Gnade vor Recht ergehen lässt und die gequälten Kreaturen, darunter etliche historische Persönlichkeiten, mit der Macht des Kreuzes erlöst und sie in Form eines Mini-Games von ihren Sünden befreit. 

Passend zur bevorzugten Spielweise gibt es dann sowohl unheilige als auch heilige Fertigkeiten, was weitgehend der von anderen Genrevertretern gewohnten Aufteilung in "normale" und "magische" Angriffe entspricht. Versteckte Reliquien, von denen der Spieler anfangs allerdings nur zwei ausrüsten kann, verleihen Dante überdies weitere passive Fähigkeiten. Kurzum: Der Möglichkeiten, Dantes Charakter nach den eigenen Vorlieben zu formen, gibt es viele.

Hart an der Frustgrenze
Ist der fromme Streiter einmal nicht mit der Beichtabnahme beschäftigt, hat er mit Schalterrätseln und Kletterpassagen zu kämpfen. Oftmals ist hierbei das Timing entscheidend, um nicht vorzeitig das Zeitliche zu segnen. Dass manche Abschnitte doppelt- und dreifach in Angriff genommen werden müssen, ehe es klappt, ist dennoch unumgänglich. Haarig wird es insbesondere dann, wenn Dante unter Zeitdruck schieben, hebeln und kurbeln muss, um nicht etwa den Zerquetschungstod zu erleiden; zeitgleich jedoch auch Feinde abzuwehren hat. Einzig den fair gesetzten Speicherpunkten und dem Schildzauber ist es zu verdanken, dass Momente wie dieser nicht in Frust ausarten.

Nervige Daumenarbeit
Kritik muss sich "Dante's Inferno" auch an anderer Stelle gefallen lassen. Verantwortlich dafür zeichnen neben der stellenweise unglücklich gewählten Kameraperspektive insbesondere die ihrem Namen alle Ehre machenden Quick-Time-Events, die so unvermittelt auftauchen, dass rechtzeitig zu reagieren beim ersten Mal schier unmöglich ist. Ohnehin scheinen es Quick-Time-Events den Entwicklern angetan zu haben. Nur so ist zu erklären, dass bei nahezu jeder Tür erst einmal der Daumen beansprucht werden muss, damit diese sich öffnet. Das gleiche gilt für das Aufsammeln von Reliquien und Mana bzw. Gesundheit.

Selten war die Hölle schöner
Was "Dante's Inferno" letztlich jedoch herausreißt und damit unterm Strich auch über das recht bald repetitive Gameplay hinwegtröstet, sind die schaurig-schöne Präsentation sowie die technisch gelungene Umsetzung. Wenn im Hintergrund feurige Lava brodelt und die Seelen der Verdammten gequält aufschreien, während sich die Knochensense freudig schlitzend ihren Weg durch die widerwärtigen Kreaturen, allen voran die imposanten Boss-Gegner, bahnt, dann ahnt man: Ja, das muss die Hölle sein.

Fazit: "Dante's Inferno" wäre nur ein Metzelspiel von vielen, hätten die Entwickler von Visceral Games nicht derart viel Wert auf eine technisch gelungene und vor allem stimmungsvolle Umsetzung gelegt. Düster, derb und definitiv nichts für Zartbesaitete (daher auch erst ab 18 Jahren), zaubert der Titel ein schaurig-schönes Bild der Hölle auf den Bildschirm. Trotz Schwächen im Gameplay überwiegt so der positive Gesamteindruck. 

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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