11.01.2019 06:00 |

Interview zum Start

Neue Chefin der Grazer Grünen: „Bin Fan von Arnie“

Judith Schwentner wird nächste Woche als grüne Grazer Umwelt-Stadträtin angelobt, dann auch Chefin der Grazer Grünen. Sie outet sich als großer Fan von Arnold Schwarzenegger und will Graz grüner machen - aber Schritt für Schritt, ohne (zu großen) Zwang. Brachialmaßnahmen gegen Autofahrer lehnt sie ab. Die Annenstraße sieht sie als Trauerspiel. Sie sagt: „Die Grünen waren fertig.“ Jetzt soll es zumindest in Graz wieder aufwärts gehen.

„Steirerkrone“:Wir haben Sie gebeten, sich für das Interview einen für Sie symbolischen Ort auszusuchen. Sie wollten ins Café Kaiserfeld. Warum?

Judith Schwentner: Ich bin hier gern, weil es eines der wenigen richtigen Kaffeehäuser in Graz ist. Ich führe hier auch viele Gespräche mit Grazern. Und: Arnold Schwarzenegger ist hier auf Fotos zu sehen. Ich bin ein Fan von Arnie. Es ist fast paradox, weil vor ein paar Jahren hätte ich mir das nicht gedacht. Aber wie er sich für den Klimaschutz einsetzt und Donald Trump kontert, ist legendär.

Die Grünen sahen Schwarzenegger aber immerkritisch, als er noch Gouverneur war. Stichwort Todesstrafe.

Es ist sensationell, wie er sich zu einem Klimaschützer entwickelt hat.

Teilen Sie den Befund, dassdie Grazer Grünen seit dem Rücktritt von Lisa Rücker etwas unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewerkt haben?

Ich würde es nicht nur auf Graz beziehen. Die letzten Jahre waren eine sehr kritische Phase für die Grünen.

Was sind die Ursachen?

Es sind garantiert Fehler passiert. Es war immer wieder Thema, wie wir uns wieder öffnen und erneuern können. Die Grünen waren fertig. Ein Grund war auch der sehr lange Präsidentschaftswahlkampf.

Wo müssen die Grazer Grünen besser werden?

Vor allem in der Kommunikation. Es gibt sehr viele gute Ideen, aber die müssen wir besser kommunizieren.

Zu großen Graz-Themen. Wollen Sie auch eine U-Bahn?

Man muss über Verkehrskonzepte nachdenken. Es macht aber keinen Sinn, ständig neue Ideen zu ventilieren.Man muss alles gut durchdenken. Wenn man das tut, kommt man zu dem Ergebnis, dass eine U-Bahn aus vielen Gründen für Graz kein Thema ist. Letztlich scheitert sie aber am Geld.

Und eine Mischform? Ein Cable-Liner oder eine zum Teil unterirdisch geführte Bim?

Darüber nachdenken? Sowieso! Das Bim-Netz muss erweitert werden. Die Achse über den Griesplatz in den Südwesten wäre wichtig.

Und die Mur-Gondel?

Man kann über alles nachdenken, was die Luft verbessert. Die Gondel ist aber nicht die Lösung.

Die Plabutsch-Seilbahn?

Ich bin am Rande des Plabutsch geboren, ich kenne den Plabutsch und den Thalersee sehr gut. Ich verstehe nicht, warum wir da eine Gondel brauchen und was die Leute auf dem Plabutsch machen sollen. So viel Platz ist da gar nicht. Ich würde alles daran setzen, den Plabutsch und den Thalersee als Naherholungsgebiet zu erschließen. Der Thalersee ist derzeit ja eine Kloake.

Wollen Sie Fahrverbote?

Autofreie Tage sind eine Variante. Von Fahrverboten würde ich nie reden. Es gibt aber auch andere Varianten. Wir können Schritt für Schritt zu einer grüneren Stadt kommen. Man kann bei den Fußgängern anfangen, mit autofreien Zonen. Wir müssen den Radverkehr ausbauen. Schritt für Schritt, wie gesagt, in einem Straßenzug nach dem anderen. Man muss nicht brachial drüberfahren.

Was wäre aus Ihrer Sicht für Graz noch wichtig?

Es geht nicht nur darum, Kräne zu sehen. Es geht darum, wie Lebensraum gestaltet wird. Mir geht es um Grünraum, um das Zusammenleben. Das klingt so soft, ist aber eines der schwierigsten Dinge. Bauen kann man schnell einmal, aber wie man in der Stadt leben kann, das ist die Kunst.

Aber Graz wächst Jahr für Jahr. Wo sollen die Menschen ohne Neubauten wohnen?

Ich bin nicht gegen das Bauen. Wir müssen gleichzeitig aber den Lebensraum gestalten. In Graz wird ohne Konzept gebaut. Graz ist in den 1970er-Jahren stecken geblieben. Es braucht mehr Bäume, es braucht mehr Raum für die Menschen.

Für mehr Grün ist so gut wie jeder. Aber wo genau?

Da gibt es jede Menge Möglichkeiten. In Innenhöfen, in Gärten, auf Plätzen. In der Annenstraße etwa, denn die ist ein Trauerspiel.

Anderes Thema: Zum ersten Mal gibt es in Graz unter den Mindestsicherungsbeziehern mehr Asylberechtigte als Österreicher. Ist das für Sie ein Problem?

Da läuft etwas schief. Da geht es um Menschen, die nicht in den Arbeitsmarkt finden. Das hat wahrscheinlich in erster Linie damit zu tun, dass Ausbildung fehlt. In der Mindestsicherung ist ja so gut wie niemand gern.

Das Problem ist also die fehlende Ausbildung?

Vorwiegend, ja. Das gilt auch für die Österreicher in der Mindestsicherung.

Gerald Richter
Gerald Richter
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