Die Zuschauer müssen sich beim Skifliegen in Oberstdorf (Samstag Teambewerb, Sonntag Einzelspringen) darauf einstellen, dass nicht mehr automatisch der Skispringer mit den weitesten Flügen am Ende ganz oben auf dem Siegertreppchen steht.
Der Sieger wird nämlich nach einer komplizierten Formel errechnet: Wer bei zu starkem Rückenwind springen muss, erhält Bonuspunkte. Bei günstigem Aufwind gibt es dagegen Abzüge. Die Jury kann zudem die Anlauflänge verändern, ohne den Wettbewerb abbrechen zu müssen. Wer aus einer unteren Luke springen muss, erhält als Ausgleich ebenfalls Zusatzpunkte gutgeschrieben.
Verhaltenes Echo
Alles verstanden? Das Echo auf die von FIS-Renndirektor Walter Hofer ersonnene Regel-Revolution fiel nach den Tests beim Sommer-GP verhalten aus. Die Springer wussten plötzlich selbst nicht mehr, was ihr Sprung wert war.
Zum Beispiel Simon Ammann. Er ballte damals beim Springen in Einsiedeln nach der Tageshöchstweite die Faust, das Schweizer Publikum war aus dem Häuschen. Auf der Anzeigetafel leuchtete aber die Fünf für den Doppel-Olympiasieger auf.
Kein Einzelfall. Im Weltcup der Kombinierer kommt die neue Formel seit Saisonstart zum Einsatz. In acht von 14 Springen gewann nicht der in Weiten- und Stilnoten beste Springer...
"Die Fans wollen ja mitfiebern"
Skiflug-Weltmeister Gregor Schlierenzauer ist vom Experiment nicht begeistert: "Ich bin mir nicht sicher, ob diese Regel günstig für den Sport ist. Die Fans im Stadion wollen ja mitfiebern."
von Norbert Niederacher, Tiroler Krone
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