Pfuscher-Paradies

Mehr Anzeigen gegen Ermittler als gegen Betrüger

Tirol
29.01.2010 14:33
Die Schwarzarbeit und der Pfusch müssen verschärft bekämpft werden. Die Mitarbeiter der dafür zuständigen KIAB (Kontrolle der illegalen Arbeitnehmerbeschäftigung) fühlen sich aber durch Disziplinarverfahren behindert. "Momentan ist es so, dass es mehr Disziplinarverfahren gegen die Ermittler der KIAB gibt als Sozialbetrugsanzeigen im Kampf gegen Schwarzarbeit und Betrug", kritisiert Tirols ÖGB-Chef Gerhard Schneider.

"Ich hege den Verdacht, dass hier versucht wird, die Ermittler mundtot zu machen. Die laufenden Disziplinaranzeigen bremsen und hemmen die Arbeit und den Kampf gegen den Pfusch." Ein Beispiel dafür sei die Vorgehensweise gegen den Leiter der KIAB-West, der abgesägt werden soll.

Insider: zu wenig politische Unterstützung
Dass einiges in diesem Bereich im Argen liegt, scheinen die Zahlen zu beweisen. Laut Insider-Informationen gab es seit 2007 in Tirol und Vorarlberg 15 Anzeigen wegen Sozialbetrugs. In der gleichen Zeit kamen die Ermittler in Kärnten und der Steiermark auf knapp 200. Das liege aber nicht daran, dass es im Westen so viel weniger Pfusch und Schwarzarbeit gebe, sondern daran, dass die Ermittler eben mit allen Mitteln bekämpft würden und zu wenig politische Unterstützung erhielten.

Im Kampf gegen den Pfusch bleibt Schneider aber nicht allein. "Ich stehe in dieser Frage voll auf der Seite der Gewerkschaft", erklärt WK-Präsident Jürgen Bodenseer. "Ich weiß zwar nicht genau, was bei der KIAB derzeit los ist, aber sie hat gute Arbeit geliefert und müsste nach meiner Meinung ausgebaut werden." Auf alle Fälle sei der Kampf gegen die schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern zu verschärfen, denn diese fügten der gesamten Wirtschaft einen enormen Schaden zu.

von Werner Kriess, Tiroler Krone

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