Uraltes Brauchtum

Auf den Spuren der Fasnachten – mit großer Bildergalerie

Tirol
09.01.2010 16:58
Im Oberland finden heuer das Telfer Schleicherlaufen, das Nassereither Schellerlaufen und das Fisser Blochziehen statt. Doch woher kommen diese Fasnachten und wie alt sind sie eigentlich? Die "Krone" hat recherchiert.

Der Obmann der Nassereither Fasnacht, Johann Sterzinger, wurde einmal von einem Journalisten gefragt, wie alt denn das Schellerlaufen sei. Und dieser antwortete damals: "Die Nassereither Fasnacht ist mindestens so alt wie der Ötzi, also über 4.000 Jahre. Warum? Weil der Ötzi schwarz im Gesicht war und kein Geld im Sack hatte. Also muss er bei der Nassereither Fasnacht gewesen sein - dort wurde er nämlich geruaßelt (die Figur des so genannten Ruaßlers gibt es nur in Nassereith, Anm.), danach wurde er eingeführt und hat sein ganzes Geld verbraucht."

Bilder der historischen Fasnachten sowie der Fasnacht 2010 in Nassereith siehe Infobox!

Diese scherzhafte Antwort ist genau so richtig wie falsch und bringt es auf den Punkt: Wann man in Nassereith, Imst, Telfs, Fiss oder in anderen Oberländer Orten zum ersten Mal in die Fasnacht gegangen ist, weiß man nicht. Aufzeichnungen über den Ursprung gab es weder da noch dort. Warum auch: Die Fasnacht gehörte damals wie heute so zum Jahreskreis wie etwa Ostern und Weihnachten - sie wurde mündlich überliefert.

Erste Erwähnungen über Tiroler Fasnachten kennt man heute nur aus Verboten oder wenn ein Unglück geschehen ist. Im Zuge seiner Recherchen für das Nassereither Fasnachtsbuch stieß Wolfgang Pfaundler auf eine Erwähnung in den Kanzleibüchern "Causa Domini" - am 22. März 1740 wurde demnach das Schellerlaufen erstmals urkundlich erwähnt. Die älteste schriftliche Aufzeichnung von der Fasnacht selbst ist ein Kassabuch, das am 2. März 1924 angelegt wurde. 

Telfs: Erwähnung 1571
Die älteste Erwähnung der Telfer Fasnacht stammt aus dem Jahre 1571. Aus dem Jahre 1612 ist ein Gerichtsprotokoll überliefert: Der Pfleger von Hörtenberg - der lokale Gerichtsherr - wurde damals wegen "unbürgerlichem Benehmen und einem Raufhandel während der Fasnacht" kritisiert. Eine erste ausführliche Beschreibung über das Telfer Schleicherlaufen stammt aus dem Jahre 1830. Daraus geht hervor, dass die Kerngruppe - Schleicher, Bären, Laninger, etc. - schon damals bestanden hat und voll ausgeprägt war. Auch das zeremonielle Auftreten der Schleicher wurde genau beschrieben. 1884 wurde die Telfer Fasnacht vom damaligen BM Josef Pöschl neu organisiert - dank der vielen erhaltenen Skizzen und Entwürfe hat sich seither nicht mehr viel verändert.

Fiss: 1909 Neustart
Das Fisser Blochziehen gehört ebenfalls zu den ältesten Bräuchen in Tirol, doch alte Aufzeichnungen gibt es auch dort nicht. Nachdem das Blochziehen während der napoleonischen Kriege ausgesetzt werden musste, ließ man den uralten Brauch im Gedenkjahr 1909 wieder aufleben. Man führte das Blochziehen - ein Baumstamm wird durch den Ort gezogen - durch, wie es mündlich überliefert wurde.

Frühling gegen Winter
Wie alt die Fasnachten auch sind - sie werden vermutlich alle irgendwie den selben Ursprung haben. Doch auch hier sind sich die Experten uneinig: Die Deutungen reichen vom ewigen Kampf von Frühling gegen Winter über germanische Fruchtbarkeitskulte bis hin zu mystischen Handlungen zu Ehren griechischer und anderer antiker Götter - das war auch der Grund, warum Fasnachten bei der (geistlichen) Obrigkeit einst nicht gerne gesehen wurden. Doch das Volk setzte sich durch!

Johann Sterzinger bringt es abschließend aber auf den Punkt: "Die Fasnachtler interessieren Alter, Herkunft und Deutung nur am Rande. Wichtig ist, dass in die Fasnacht gegangen wird!"

von Markus Gassler, Tiroler Krone

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