So, 16. Dezember 2018

Neues Album

02.10.2018 07:00

Element Of Crime haben nach neuen Songs geangelt

Alles beim Alten im Hause Element Of Crime: Die deutsche Band um Sänger Sven Regener zeigt sich auf der neuen Platte „Schafe, Monster und Mäuse“ im gewohnten Gewand, lässt die Songs im Vergleich zum Vorgänger aber gerne etwas länger kreisen. „Es gibt eine Weite und Großzügigkeit im Umgang mit der Zeit“, so Regener, „als ob jedes Lied ewig dauern könnte.“ Repetition und Groove gehen Hand in Hand.

Und das hat gute Gründe: Immerhin sind die Stücke zwar vom typischen Folkrock-Gestus durchzogen, offenbaren aber durchaus ein paar Schrauben, die Element Of Crime diesmal fester - oder lockerer - angezogen haben. „Es gibt auf jeder Platte Stücke, mit denen man sich lange herumschlägt. Andere fliegen einem zu, man merkt es ihnen hinterher aber nicht an. Es war entweder Pech oder Glück“, sagte Regener im APA-Interview. „Das ist wie beim Angeln: Der eine schmeißt die Angel rein und zieht die ganzen Fische raus, während der andere danebensteht und nichts fängt. Warum? Keiner weiß es.“

Es muss allen gefallen
Der Songwritingprozess also als ewiges Rätsel, das man nicht hinterfragt, wie auch Gitarrist Jakob Ilja bestätigte. „Letztendlich ist es irrelevant. Du hörst das Stück und stellst nicht die Frage nach Arbeit oder wie viel Schweiß und Tränen nötig waren.“ Stattdessen habe die Entstehung eines neuen Stücks viel mehr „etwas leicht Mystisches, weil man nicht weiß, wo die Sachen herkommen“. Festgezurrt sind hingegen die Kriterien für die Gruppe: „Die sind seit über 30 Jahren dieselben: Es muss allen gefallen, dann nimmt man es auf. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir eine ganz klare Stilistik haben, dass wir eine eigene musikalische Welt geschaffen haben, in der wir uns bewegen.“

Auch „Schafe, Monster und Mäuse“ zehrt davon, bringt Regeners melancholische Trompete mit schrammeligem Rock und balladesken Momenten zusammen. Neu geht definitiv anders, muss bei Element Of Crime aber auch nicht sein, dafür ist die Charakteristik und Identität der Band zu gefestigt. Und doch unterscheiden sich Songs und Platten natürlich, gibt es Veränderungen, Verschiebungen, Vertiefungen. „Auf der letzten Platte waren die Songs wie Brühwürfel“, resümierte dazu Regener, „sehr konzentriert und auf den Punkt gebracht. Jetzt mäandert es so schön, das ergibt einen psychedelischen Effekt. Beides ist gut, damit kann man keine Wertung verbinden.“

Das Traumding
Textlich dominiert die Platte „ein Traumding“, wie Regener, der mit Romanen wie „Herr Lehmann“ auch als Autor große Erfolge feierte, sagte. „Das spielt ja auch im Titelsong eine große Rolle. Es ist einfach ein tolles Thema, weil man viel erzählen kann, auch auf einer metaphorischen Ebene. Außerdem waren wir schon lange der Meinung, dass es ein Glücksfall ist, wenn man einen Songtitel hat, mit dem man auch die Platte betitelt. Das nimmt den Druck weg.“ Zudem sei das Lied als musikalische Referenz zu verstehen, so Ilja. „Während ein weiterer Titel irgendeinen Über- oder Unterbau hat, den man erneut erklären muss.“

Die Frage, was Element Of Crime ins Studio bringt, ist wiederum einfach zu beantworten. „Früher haben wir immer gesagt: Keine neuen Songs, bevor die alten nicht aufgebraucht sind“, lachte Regener. „Da ist natürlich was dran.“ Also toure man durch die Städte, bis wieder die Lust nach Neuem entsteht. „Es kommt ja der Punkt, an dem man denkt: Wir sollten schon kucken, dass das jetzt keine Golden-Oldies-Veranstaltung wird“, verwies er auf den möglichen Best-Of-Charakter von Gigs. „Das wollen wir nicht, dann wird man zum Museumswärter der eigenen Vergangenheit, das wäre doof. Auch doof ist aber der Impuls, sich neu erfinden zu müssen. Das ist normalerweise Ausdruck einer Krise.“

Kein Platz für Langeweile
Beides ist jedenfalls nicht der Fall, denn Element Of Crime sind nach wie vor mit viel Verve und Spaß bei der Sache - auch und besonders bei den Live-Auftritten. „Das ist immer noch ein einzigartiger Moment“, bekräftigte Ilja. „Wenn mich Leute fragen, ob es nach dem 50. Mal langweilig wird, einen Song zu spielen - nein! Es ist jedes Mal anders. Das sind Sachen, die nicht langweilig werden. Und sollte das passieren, müsste man sowieso etwas anderes machen.“ Nur die lange Vorlaufzeit, die mittlerweile bei größeren Tourneen notwendig ist, könne schon mal nerven. „Man ist ja nicht Rockmusiker geworden, um jetzt schon zu wissen, was man in zwei Jahren tut“, brummte Regener. „Aber das liegt daran, dass es einfach mehr Veranstaltungen gibt. Willst du nicht ohne Halle dastehen, muss man das einfach tun.“

APA/Christoph Griessner

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