14.09.2018 16:36 |

Prozess in Innsbruck

Zu sorglos mit Radioaktivität an alter Chemie-Uni

Fünf Jahre nach einem Strahlenunfall im alten Chemiegebäude der Uni Innsbruck standen nun ein Ex-Professor (71) und seine Assistentin vor Gericht. Sie waren beim Verpacken von radioaktivem Material zu sorglos - Diversion.

Der Erstangeklagte schilderte, wie er den radioaktiven Stoff „Actinoid Americium“ für den Transport ins Forschungszentrum Seibersdorf (NÖ) verpackt hatte. Vorgesehen ist dafür ein Transportfass, eine Bleiabschirmung und zwei Glasröhrchen. Der Fehler: Bei dem innersten Röhrchen habe man den Schraubverschluss leicht geöffnet, um se zu sehen, ob er noch aufgehe. Dabei dürfte eine geringe Menge Radioaktivität ausgetreten sein.

„Nicht gesetzesgemäß“
Eine Gutachterin erklärte nach fünfjährigen umfangreichen Ermittlungen, dass das Vorgehen nicht gesetzesgemäß gewesen sei: „Schon beim Öffnen der Bleiabschirmung hätte Schutzkleidung getragen werden müssen.“ Zudem sei das Öffnen des letzten Glasröhrchens gar nicht notwendig gewesen.

Strahlendosis abbekommen
Wie sich herausstellte, waren die beiden Angeklagten kurz einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt - ebenso zwei Mitarbeiter in Seibersdorf. Gesundheitsfolgen sind nicht bekannt. Der Staatsanwalt plädierte zunächst dafür, aus generalpräventiven Gründen (sprich: als Warnung für andere) keine Diversion zuzulassen - „weil es sich um hochsensibles Material handelt“. Doch die langjährige Unbescholtenheit des Ex-Professors und seiner Helferin sowie ihre Verantwortungsübernahme wertete das Gericht als positiv. Daher kam es letztlich doch zu einer Geldbuße statt einer Verurteilung samt Strafe. Der Angeklagte muss 3000 Euro zahlen, die Assistentin 500 Euro. Übrigens: Das alte Chemiegebäude, in dem sich der Vorfall ereignete, ist längst Geschichte. Ab 2020 soll dort ein neues Gebäude stehen.

Andreas Moser
Andreas Moser
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