So, 23. September 2018

150 Flugausfälle

12.09.2018 07:16

Ryanair: Mitarbeiter im 24-Stunden-Streik

Seit den Nachtstunden befinden sich die Mitarbeiter der irischen Billig-Fluglinie Ryanair in Deutschland im Streik. 150 der insgesamt 400 geplanten Flüge von und nach Deutschland wurden gestrichen, Verspätungen sind damit vorprogrammiert. Streikgrund ist das Thema Tarifverträge, etwa wird für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Weitere Arbeitskämpfe könnten folgen, sollte die Fluggesellschaft kein Entgegenkommen zeigen: „Das ist ein erster Warnstreik. Wie es weitergeht, hängt vom Verhandlungsverlauf ab“, sagte Christine Behle, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi.

Der Ausstand, zu dem die Gewerkschaften Verdi sowie Vereinigung Cockpit (VC) aufgerufen hatten, soll bis Donnerstag um 2.59 Uhr dauern, gestreikt wird an zwölf deutschen Basen des größten europäischen Billigfliegers. Verdi in Berlin sprach von einer hohen Streikbereitschaft an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. Insgesamt fliegt Ryanair zu 19 Flughäfen in Deutschland, an denen es am Mittwoch zu Ausfällen kommen kann.

Umbuchen oder Geld zurück
Jene Passagiere, die von den rund 150 Flugausfällen betroffen sind, seien nach Angaben von Ryanair bereits informiert. Die übrigen Flüge fänden statt, hatte Ryanair-Organisationschef Peter Bellew noch am Dienstag versprochen. Eine Liste der gestrichenen Flüge veröffentlichte die Airline zunächst nicht. 
Die betroffenen Passagiere können kostenfrei umbuchen oder den Ticketpreis zurückerhalten, wie Ryanair mitteilte. Darüber hinausgehenden Schadenersatz lehnt die Gesellschaft unter Hinweis auf EU-Recht ab und lässt es in dieser Frage auf einen Prozess mit dem Flugrechteportal AirHelp ankommen.

Bei einem ersten Streik der Piloten am 10. August hatte Ryanair von sich aus 250 deutsche Flüge abgesagt und die Kampfbereitschaft der VC-Crews nicht final getestet. Für Verdi hingegen ist es der erste Streik bei Ryanair. Verdi-Verhandlungsführerin Mira Neumaier nannte das Tarifangebot für die Flugbegleiter nach zwei Verhandlungsrunden „völlig unzureichend“. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro monatlich angehoben werden. Bei den Piloten konnten sich beide Seiten weder auf ein Schlichtungsverfahren noch auf die Person eines Schlichters einigen.

Ryanair kontert mit Drohungen
Der Billigflieger kontert die gemeinsamen Crew-Streiks mit Drohungen: Gerade an kleineren Standorten würden fortgesetzte Arbeitskämpfe zu Verlusten führen, die Ryanair nicht tragen könne, sagte Bellew. In ihrem Heimatland Irland hatte die Gesellschaft mit dem Abzug von mehreren Jets nach Polen gedroht. Nach fünf Streikwellen der Piloten und einer Einigung mit der dortigen Gewerkschaft wurde diese Entscheidung wieder zurückgenommen.

„Wird für Ryanair schwierig, Flugzeuge zu bewegen“
Die Gewerkschaften wollen die Airline hart treffen. „Es wird für Ryanair am Mittwoch sehr schwierig, noch Flugzeuge aus Deutschland zu bewegen“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl der Deutschen Presse-Agentur. Man rechne aber damit, dass Ryanair Maschinen und Crews aus anderen Ländern kurzfristig nach Deutschland schicke, wie es bei einem ersten Warnstreik kurz vor Weihnachten geschehen war. Bellew sagte hingegen, dass man auf diese Maßnahme verzichten wolle, um das stramme Flugprogramm im übrigen Europa aufrechtzuerhalten.

 krone.at
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