Crowdsourcing extrem

70.000 km um die Welt im Selfmade-Elektro-VW-Golf

Motor
11.09.2018 12:57

Ein Linienflug von Amsterdam ins australische Darwin mit einem Zwischenstopp in Singapur dauert exakt 20 Stunden. Der Niederländer Wiebe Wakker brauchte mit dem Auto etwas länger, nämlich 827 Tage. Im März 2016 hatte er mit seinem in Eigenregie zum E-Wagen auf Batteriebasis umgebauten neun Jahre alten VW Golf Variant Diesel die holländische Metropole verlassen, um auf die andere Seite der Welt zu gelangen. Wakkers Projekt „Plug Me In“ basierte dabei auf der Gastfreundschaft anderer Menschen, die ihm unterwegs eine Mahlzeit, ein Bett und Strom für sein Auto spendierten.

(Bild: kmm)

Böswillige Leute könnten behaupten, der pfiffige Weltreisende habe sich um den halben Globus geschnorrt. Tatsächlich aber ist sein auf Neudeutsch als Crowdsourcing bezeichnetes Internet-basiertes Konzept aller Ehren wert. Der Niederländer brachte es damit fertig, in zwei Jahren und vier Monaten auf einem Zickzack-Kurs 33 Länder zu durchqueren und dabei 70.000 Kilometer zurückzulegen, ohne ein einziges Mal eine Tankstelle anfahren zu müssen.

Am 16. August kam er in Perth im Südwesten des fünften Kontinents an. „Australiens Küste zu erreichen, war schon eine Leistung, auf die ich sehr stolz bin“, schrieb er nach Hause. „Jetzt in Perth habe ich jedem zeigen können, dass es möglich ist, mit einem Elektroauto eine der isoliertesten Städte der Welt zu erreichen.“ Denn der Hauptgrund für sein Abenteuer war der Beweis, dass sein Elektrofahrzeug, das er auf den Namen „Blue Bandit“ getauft hat, durchaus mit seinen von fossilem Sprit angetriebenen Vettern mithalten kann, wenn es um die Ausdauer geht.

(Bild: Wiebe Wakker)

Doch auch in anderen Disziplinen musste sich der elektrische Ex-Diesel nicht verstecken. Zwar betrug seine bescheidene Reichweite mit Hilfe einer 37-kWh-Batterie lediglich 200 Kilometer. Mit seiner Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h erreichte er dafür aber locker jedes außerhalb Deutschlands vorgeschriebene Tempolimit und brachte - wenn es sein musste - 205 PS (150 kW) auf die Straße. Wakker ist der erste Mensch, der die Türkei, den Iran, Indien, Myanmar, Malaysia und Indonesien in einem vollelektrischen Fahrzeug durchquerte.

(Bild: Wiebe Wakker)

Noch nie ist jemand in einem batteriebetriebenen Auto durch so viele Länder gereist. Den aktuellen Weltrekord „längste Strecke in einem Elektrofahrzeug“ von 22.000 Kilometern konnte er weit übertreffen. Den bislang zurückgelegten 70.000 wird er noch eine ganze Menge Kilometer hinzugefügt haben, wenn er Sydney erreicht hat. Nach Perth will Wakker die Nullarbor-Ebene an der Südküste Australiens nach Port Augusta durchqueren, um danach über Alice Springs in der Mitte des Kontinents, Townsville im Nordosten, Adelaide und Melbourne im Süden nach Sydney zu gelangen und dort die Reise zu beenden.

(Bild: Wiebe Wakker)

Die außergewöhnlich lange Route durch Australien erklärt sich durch das Reisekonzept: „Australien ist das bisher großzügigste Land auf meiner Reise“, gibt Wiebe Wakker zu Protokoll. Über 350 Menschen boten ihm Kost, Logis und Elektrizität an, die meisten in den größeren Städten. Allein in Perth luden ihn 40 Leute zu sich nach Hause ein. Doch auch Raststätten in der Einöde, Aborigines und Farmen wollen ihn unterstützen.

(Bild: Wiebe Wakker)

Das Ziel der ganzen Reise ist es, überall Werbung für den Übergang in eine CO2-freie Zukunft zu machen. Wakker möchte zeigen, vor welchen ökologischen Herausforderungen die von ihm bereisten Länder stehen und welche innovativen Lösungen verfügbar sind: „Ich glaube, dass jeder zu einer nachhaltigeren Welt beitragen kann, und versuche meinen Teil dazu zu beizutragen, indem ich zeige, dass Elektroautos genauso zuverlässig sind wie die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Fahrzeuge.“

(Bild: Wiebe Wakker)

(ampnet)

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(Bild: kmm)



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