Mi, 26. September 2018

Kolumne Im Gespräch

20.08.2018 11:00

Gott, die gute Hausfrau

Peter schreckt aus dem Schlaf. Die Angst ist durch seine Träume gekrochen: Er ist nur dagesessen, konnte nichts machen. Fremde Leute waren um ihn herum. Eine Pflegerin hat ihn angezogen, ihm einen Becher an den Mund gehalten. „Alles, nur das nicht“, denkt Peter. „Ich will nicht, dass es mir geht wie Clemens.“

Gestern hatte er Clemens im Reha-Zentrum besucht. Seit einer Woche ist er dort. Nach einem Schlaganfall. Clemens, sein älterer Kollege in der Firma. Heller Kopf, brillanter Anwalt. Und so gut im Umgang mit den Klienten. Jetzt sitzt Clemens im Rollstuhl. Die eine Körperhälfte kann er gar nicht bewegen, die andere nur mit großer Anstrengung. Auch das Sprechen fällt ihm schwer, Peter hatte Mühe, seinen Kollegen zu verstehen.

Peter treiben Ängste um, die viele umtreiben: die Sorge, den ganz normalen Alltag nicht mehr bewältigen zu können und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Abhängig zu sein. „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“, lese ich in der Bibel, im 1. Petrusbrief. Die mit Angst beladenen Sorgen, die uns im Alltag quälen, sollen wir auf Gott werfen. Gott antwortet darauf mit Sorge - mit aufmerksamer Zuwendung und Fürsorge.

Die Bibel beschreibt, was Gott tut
Gott richtet uns auf und stärkt uns. Gott ernährt und kleidet uns und weiß, was wir brauchen. Gott hört geduldig zu, ist Ratgeberin und Mahnerin. Gott wird angesichts menschlicher Dummheit auch mal zornig und lässt sich immer wieder versöhnen. Wenn etwas aus dem Ruder gelaufen ist, bringt Gott es wieder in Ordnung. Lauter Hausfrauentätigkeiten, die Gott da übernimmt. Hausfrauen ernähren die anderen Mitglieder des Haushalts - kaufen ein, kochen, waschen wieder ab. Hausfrauen kleiden die anderen Mitglieder des Haushalts - waschen und bügeln. Hausfrauen richten andere Mitglieder im Haushalt wieder auf - wenn die Lehrerin unfair war oder der Chef gemein. Sie stärken die anderen Haushaltsmitglieder mit ihrer Liebe und ermutigen sie, wenn sie Sorgen haben und verzagt sind. Sie machen Ordnung und schaffen so eine gute Grundlage für das Zusammenleben der Familie.

Wie jede Hausfrau weiß Gott: Menschen sind verletzliche Wesen, die Bedürfnisse haben und auf andere angewiesen sind, damit diese Bedürfnisse auch befriedigt werden. Genau das wird in unserer Gesellschaft oft verdrängt. Deswegen fürchten sich viele so wie Peter davor, von anderen abhängig zu sein. Wenn Gott wie eine gute Hausfrau ist und für uns sorgt, dann sagt uns das: Abhängig sein ist normal. Wir brauchen das manchmal, dass jemand für uns sorgt. So wie Clemens, den die Pflegerinnen im Reha-Zentrum liebevoll umsorgen. Wenn uns Sorgen quälen und wir auf Hilfe angewiesen sind, sollen wir Gott erlauben, durch andere Menschen für uns zu sorgen.

Pfarrerin Maria Katharina Moser, Kronen Zeitung
maria.moser[@]glaubenskirche.at

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