25 Jahre Hainburg

Die Geburtsstunde von Österreichs Umweltbewegung

Es war die Geburtsstunde der modernen Umweltbewegung in Österreich: Bei einem Sternmarsch von rund 5.000 Umweltschützern in die Hainburger Au formierte sich am Dienstag vor 25 Jahren jene Protestbewegung, die auf zivilem Weg das Kraftwerk Hainburg verhindern sollte. Für die damalige rot-blaue Regierung unter Bundeskanzler Fred Sinowatz (SPÖ) wurde die Auseinandersetzung um die Stopfenreuther Au zu einem Waterloo. Heute ist das ehemalige "Kriegsgebiet" eingebettet in den Nationalpark Donau-Auen.

Stein des (Protest)-Anstoßes war der geplante Bau eines Donau-Wasserkraftwerkes in der unberührten Stopfenreuther Au. Der Widerstand ging quer durch alle politischer Lager und fand auch bei Künstlern und Schriftstellern breite Unterstützung. Gegen das Kraftwerk opponierten etwa der spätere "Krone"-Kolumnist Günther Nenning (SPÖ), Freda-Meissner-Blau (damals SPÖ), Hubert Gorbach (damals FPÖ) Friedensreich Hundertwasser, Peter Turrini oder Arik Brauer. Ein überparteiliches Personenkomitee wurde geschaffen, an dessen Spitze der Nobelpreisträger Konrad Lorenz stand.

Aufruf zum "gewaltfreien Widerstand"
Als der damalige niederösterreichische Umwelt-Landesrat Ernest Brezovsky einen Bescheid zugunsten des Kraftwerkbaus erließ, kam es zum Protest. Am 8. Dezember organisierte das "Konrad-Lorenz-Volksbegehren" einen Sternmarsch in die winterliche Au. Auf einer Kundgebung auf der sogenannten "Brückelwiese" mit 8.000 Menschen wurde zum "gewaltfreien Widerstand" aufgerufen. Einige Aktivisten blieben in der Au.

Im Morgengrauen des 10. Dezember rollten die ersten Bagger. Alle Bescheide waren vorhanden, es sollte gerodet und gebaut werden. Doch Naturschützer und Aktivisten boykottierten den Rodungsversuch. Wieder übernachteten einige in der Au.

Andrang überraschte selbst Organisatoren
Dann gewann der zivile Ungehorsam plötzlich an Eigenbewegung. Obwohl die Regierung die Besetzer inzwischen von der Polizei vertreiben ließ, strömten immer mehr Menschen in die Au. Die Österreichische Hochschülerschaft übernahm die Organisation: Shuttle-Dienste mit Bussen wurden eingerichtet, Schlafsäcke, Decken und Zelte zur Verfügung gestellt. Das Ausmaß der ständig in die winterliche Stopfenreuther Au strömenden Menschenmassen - zum Schluss waren es mehr als 3.500 Personen - überraschte selbst die Organisatoren, noch mehr die Politiker.

Befehl: "Die Au wird geräumt"
Anfangs ließ sich die Regierung davon nicht beeindrucken. Die Besetzer wurden als "Extremisten" bezeichnet und mit Arrest sowie Geldstrafen bedroht. Am 18. Dezember drohte die Situation zu eskalieren.Die Gewerkschaft Bau-Holz kündigte an, Aufmärsche von Arbeitern gegen die Naturschützer zu organisieren. In letzter Minute konnte die Regierung die Gewerkschaft davon abbringen, dafür wurde sie selber aktiv. Am 18. Dezember lautete die Parole unmissverständlich "Die Au wird geräumt".

"Frauen und Kinder wurden geschlagen"
In den Morgenstunden des 19. Dezember kam es zur Eskalation: Neben der örtlichen Gendarmerie rückten Polizeieinheiten aus Wien in die Au ein. Insgesamt 2.000 Polizisten gingen nun auf teilweise brutale Weise mit Knüppeln und Wasserwerfern gegen die Naturschützer vor, zu rodende Waldgebiete wurden mit Stacheldrahtrollen gesichert. "Frauen und Kinder wurden geschlagen. Jungen Bürgern, die die rot-weiß-rote Fahne trugen, hat man sie entrissen, um den Hals gewickelt und diese Personen am Hals herausgezogen. (...) Das ist nicht Rechtsstaat, das ist Willkür", zeigte sich Nenning kurz darauf entsetzt.

"Die Schande von Hainburg"
Aus Protest gegen die brutale Räumung versammelten sich am Abend bis zu 40.000 Menschen aller Lager und Altersschichten auf der Wiener Ringstraße. Schließlich landeten noch Bilder von der brutalen Räumungsaktion in den Tageszeitungen. Die "Krone" titelte auf Seite eins mit der Schlagzeile "Die Schande von Hainburg", die Bildberichte schockierten die ganze Nation.

Die Bundesregierung zog daraufhin die Notbremse. Die Polizei wurde zurückbeordert, die Rodungen gestoppt. Drei Tage vor Weihnachten verkündete der damalige Bundeskanzler Sinowatz den "Weihnachtsfrieden" von Hainburg.

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