Die Angst geht um

Bank of America: Dubai-Krise könnte sich ausweiten

Ausland
28.11.2009 14:48
Die Schuldenkrise in Dubai könnte sich nach einer Einschätzung der Bank of America ausweiten und andere Schwellenländer erheblich in Mitleidenschaft ziehen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahlungsschwierigkeiten zu einem "größeren staatlichen Ausfallproblem werden", schreibt die US-Großbank in einem Bericht, aus dem die Wirtschaftsagentur Bloomberg am Freitag zitierte.

Unter aufstrebenden Wirtschaftsmächten könnte dies dieselbe Wirkung entfalten wie die Finanzprobleme Argentiniens zu Beginn des Jahrtausends oder Russlands in den 90er-Jahren. Ein Ausfall Dubais könnte "zu einem plötzlichen Stopp des Kapitalflusses in Schwellenländer führen", schreiben die Analysten Benoit Anne und Daniel Tenengauzer. Die würde einen "erheblichen Rückschritt" in der gerade erst begonnenen Erholung von der Weltwirtschaftskrise bedeuten, hieß es weiter.

Abu Dhabi sagt Dubai Unterstützung zu
Inzwischen hat Abu Dhabi seinem in Zahlungsnöte geratenen Nachbar-Emirat seine Unterstützung zugesagt. Einen Blankocheck für das Nachbarland werde es aber nicht geben, sagte ein Regierungsvertreter des weltweit drittgrößten Ölexporteurs am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Hilfe werde von "Fall zu Fall" gewährt.

Viele Investoren hatten damit gerechnet, dass das wohlhabende Abu Dhabi für Dubai ein komplettes Sicherheitsnetz aufspannen werde. "Abu Dhabi wird sich die Firmen heraussuchen und auswählen, denen es helfen wird", fügte der Regierungsvertreter hinzu. Abu Dhabi ist wie Dubai Teil der Vereinigten Arabischen Emirate.

Staatsunternehmen steht Wasser bis zum Hals
Die Nachricht von den massiven Geldproblemen im Luxus-Paradies Dubai hatte die Finanzwelt am Donnerstag wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. In der Finanzkrise hatte sich die Führung des Landes lange Zeit bemüht, die Probleme geheim zu halten. Jetzt musste das arabische Emirat die Gläubiger der Holding-Gesellschaft Dubai World und ihrer Tochterfirma Nakheel um Zahlungsaufschub bitten. Damit wurde klar: Dem Staatsunternehmen steht das Wasser bis zum Hals, die Scheichs haben sich übernommen.

Börsenkurse in Turbulenzen
Die Schuldenkrise hatte die Börsenkurse in Europa zunächst sinken lassen und in Asien sogar auf eine regelrechte Talfahrt geschickt. Die Börse in Tokio schloss mit einem Minus von mehr als drei Prozent und einem Vier-Monats-Tief. Der Hang Seng in Hongkong und der südkoreanische Aktienindex Kospi fielen jeweils sogar um fast fünf Prozent. In Europa beruhigte sich die Lage am Freitag wieder. Am Donnerstag, als die Zahlungsprobleme aus Dubai bekannt wurden, hatten die amerikanischen Börsen nicht darauf reagieren können - sie waren wegen des Feiertags Thanksgiving geschlossen. Am Freitag sank der amerikanische Aktienindex Dow Jones um 154,48 Einheiten oder 1,48 Prozent auf 10.309,92 Zähler.

Auch Auswirkungen auf Euro-Kurs
Belastet von den Sorgen um das Emirat fiel aber auch der Euro deutlich unter 1,50 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf rund 1,49 US-Dollar fest, am Donnerstag waren es noch rund 1,51 Dollar. Der Dollar kostete damit etwa 67 Euro-Cent. "Noch herrscht eine gewisse Unsicherheit am Markt, zumal weitere Informationen aus Dubai auch erst kommende Woche zu erwarten sind", sagte Devisenexperte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Die Aktienmärkte hätten den Euro zuletzt gut gestützt. "Man muss nun abwarten, wie lange die Dubai-Unsicherheit vorherrscht", sagte er.

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