"Kein PR-Gag"

Verbrennungsopfer ist Anchorman bei TV-Sender

Ausland
18.11.2009 15:52
Der britische TV-Sender Channel Five hat ein Verbrennungsopfer als Nachrichtensprecher engagiert. Eine Woche lang, bis kommenden Dienstag, wird James Partridge die News im Vorabendprogramm des Senders präsentieren. Der 55-Jährige ist Präsident des Vereins "Changing Faces" und will mit seinem Auftritt Berührungsängste abbauen.

Partridge erlitt im Alter von 18 Jahren bei einem Autounfall schwerste Verbrennungen im Gesicht. Drei Monate lang weigerte er sich, sein Spiegelbild zu betrachten. Und noch viele Jahre danach litt der entstellte Mann unter den starrenden Blicken seiner Mitmenschen. Er wurde von Kindern gehänselt und erlebte bei Vorstellungsgesprächen fadenscheinige Ausreden.

Doch anstatt die Öffentlichkeit zu meiden, ging Partridge auf sie zu. 1992 gründete der Brite den Verein "Changing Faces", der Unfallopfer und durch Behinderungen entstellte Menschen berät und ihnen bei Jobsuche und sozialen Kontakten behilflich ist. Jedes Jahr werden über 1.000 Neuzugänge bei den Beutreuungen gezählt.

"Kein PR-Gag"
"James ist eine gute Verstärkung für unser Nachrichtenteam", freut sich Channel-Five-Nachrichtenchef David Kermode. "Wir hoffen, dass wir eine breite Diskussion über ein so wichtiges Gesellschaftsthema entfachen können." Winnie Coutinho, Kampagnenleiter bei "Changing Faces", meinte, das Fernsehen könne dabei helfen, Menschen wie James Partridge für die Allgemeinheit zu einem alltäglichen Anblick zu machen. Für ihn sei der einwöchige Auftritt des 55-Jährigen kein PR-Gag, sondern "ein Meilenstein" für Partridges Botschaft.

Bei seinem ersten Auftritt am Dienstagabend (siehe Video oben) begann Partridge die Sendung mit einem Beitrag über erfolgreich getrennte siamesische Zwillinge in Australien. Am Ende der knapp vierminütigen Sendung übergab er lächelnd an das Wetterteam.

Mehrheit begrüßt TV-Initiative
Einer Blitzumfrage von Channel Five zufolge begrüßen 44 Prozent der Zuseher den neuen Nachrichtensprecher. 64 Prozent erklärten, dass sie der Anblick eines durch Verbrennungen entstellten Moderators nicht zum Umschalten bewegen würde. Allerdings: Einem Fünftel der Befragten bereitet die TV-Initative ein unangenehmes Gefühl.

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