Do, 21. Juni 2018

Zauber des Orients

05.06.2018 08:15

Iran: Gastfreundschaft im Iran erfahren

Grandiose Landschaften und Bauten, eine 2500 Jahre alte Hochkultur und vor allem unglaublich herzliche Menschen machen den Iran zu einem einzigartigen Reiseland!

„Danke, dass Sie zu uns kommen, schön, dass Sie sich ein eigenes Bild von unserem Land machen möchten, herzlich willkommen, wir werden alles machen, damit Sie sich wohlfühlen“ - so herzlich wie im Iran werden Touristen nirgendwo sonst begrüßt. Das Lächeln unserer Reiseleiterin Maryam blieb eine ganze Woche lang strahlend, ihre Freundlichkeit entwaffnete jede Kritik an ihrem Land, der Islamischen Republik Iran, seit 1979 in Einheit von Religion und Staat von schiitischen Geistlichen geführt. Außer Porträts des Ajatollah Khomeini auf Geldscheinen und öffentlichen Gebäuden, absolutem Alkoholverbot und Kopftuchpflicht merken Touristen heute kaum etwas vom “Gottesstaat„, dafür umso mehr von der wirklich unglaublichen Gastfreundschaft seiner Bewohner.

Teheran
Der ewige Zauber des Orients ist in der rasant weiterwachsenden 15-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Teheran allerdings nicht sofort zu spüren: Auf Stadtautobahnen und breiten Boulevards staut sich der Autoverkehr beinahe rund um die Uhr. Wegen Smog sind die mehr als 5500 Meter hohen verschneiten Berggipfel nördlich der Metropole kaum mehr zu sehen. In Teheran herrscht ein klares Nord-Süd-Gefälle: im Süden (immerhin 1100 Meter über dem Meeresspiegel gelegen) die „arme“, enge Altstadt mit einem der größten Basare des Mittleren Ostens, dann langsam ansteigend bis 1700 Meter Seehöhe die „feineren“, neueren Viertel mit Villen, Hotels und den 18 früheren Sommerpalästen der 1979 gestürzten Schah-Familie inmitten eines riesigen baumreichen Parks, heute ein beliebtes Ausflugsziel für lufthungrige Hauptstädter und Touristen.

Golestan-Palast
Der Prunk früherer Zeiten ist auch im Stadtzentrum noch sichtbar: Der Golestan-Palast beeindruckt durch Marmorthron, verspiegelte Säle, farbige Gläser und Fliesen. Der Stadtpark mit Wasserbecken nebenan erinnert an traditionelle persische Gärten und ist heute Treffpunkt von Familien und jungen Paaren, die zeigen, wie die Strenge der Sittenwächter in den letzten Jahren nachgelassen hat. Junge Männer überreichen ihren Freundinnen offen rote Rosen, Frauen zeigen extreme Kreativität beim gewollten Abgleiten des Kopftuches. Blondierte Haarsträhnen und gepiercte Ohrläppchen sind zu sehen, die vorgeschriebenen langen Hosen sind superenge Leggins, das Oberteil reicht nicht wirklich bis zum Knie, kann auch bunt und enger anliegend sein. Beträchtlich sind auch die Schminkkünste der Iranerinnen - und ihre Vorliebe für kleine Nasen. 80.000 Frauen lassen sich jährlich Stupsnäschen operieren, ein OP-Pflaster gilt sogar als Statussymbol.

Ob streng verschleiert oder nicht - Fotoscheu ist den immer höflichen, lächelnden Iranerinnen offenbar unbekannt. Im Gegenteil: Überall wurden wir angesprochen, interessiert nach unserer Herkunft gefragt (Österreich heißt auf Farsi übrigens französisch Autriche) und um Selfies gebeten. Auf dem großen Platz von Isfahan posierten ganze Mädchenschulklassen kichernd für die Reisegruppe, beim Abendspaziergang an der berühmten, 290 Meter langen 33-bögigen Brücke über den ausgetrockneten Chahar Bagh kamen wir sofort mit lächelnden Passanten ins Gespräch. Auch in Shiraz, am Grabmal des Nationaldichters Hafis, wehrten junge Leute Fotos nicht ab, suchten das Gespräch, luden uns ein, wollten alles über unser Land und unser Leben dort wissen, gaben auch offen über ihr Leben Auskunft.

Gastfreundschaft ist in Persien (der Name Iran wurde erst 1935 eingeführt) traditionell extrem wichtig, das spürt man auch im Basar und im Restaurant: Besucher werden herzlich willkommen geheißen, wenn möglich verwöhnt, aber niemals bedrängt. Das in anderen orientalischen Ländern übliche Aufdrängen von Waren gibt es nicht, die Atmosphäre ist auch in Teppichgeschäften vollkommen entspannt, mehr ein Besuch bei Freunden als Zwang zum tollen günstigen Kauf. Wir waren dabei allerdings auch in allerbester Begleitung: Ali Rahimi, “iranischer Wiener“ in zweiter Generation und Chef des gleichnamigen prominenten Teppichhauses, führte uns zu seinen Geschäftspartnern, zeigte die Eigenheiten der interessantesten Stücke. Wir konnten sogar eine Färberei besuchen, dort die Verarbeitung der Wolle genau studieren. In absehbarer Zeit sind eigene VIP-Touren auf seinen Spuren geplant, mit Schmankerln wie Besuchen von Pistazienröstereien und kurzen Kochkursen.

Die persische Küche ist eine Kochschule wert
Den einzigartigen, unheimlich lockeren “angekrusteten“ Reis, mit Safran, Berberitzen, Kräutern, Granatapfel durchmischt, kann man wohl erst nach einiger Übung nachkochen. Die herrlichen Khoresht-Ragouts, Tahchin-Aufläufe und Abgusht-Eintöpfe aus allerlei Gemüsen, Gewürzen und Fleisch sind einfacher, wenn man die Zutaten beisammen hat. Granatapfelkerne und Walnüsse dürfen nie fehlen, ebenso das frische Fladenbrot als Beilage. Als Getränk zu den vielen Köstlichkeiten erfrischt Duq, aufgespritzte Sauermilch, besonders. Auch an absolut alkoholfreie Gerstensäfte kann man sich gewöhnen.

Isfahan und Shiraz
Teppiche, Basare und Küchen in allen Ehren - ganz darf man bei einer solchen Reise natürlich nicht auf „herkömmliche“ Sehenswürdigkeiten verzichten. Die prächtigen Moscheen von Teheran, Isfahan und Shiraz sind allein schon ausführliche Besichtigungen wert. Auch ohne religiöse Beziehung beeindrucken die prächtigen Gebäude mit ihren glänzenden türkisblauen Kuppeln - Türkis gilt als DIE Farbe des Islam -, den phantasievollen Ornamenten (wegen des Bilderverbots sind nur geometrische und stilisierte Motive üblich) und den hoch aufstrebenden Minaretten. Fliesen in Türkis, Blau, manchmal auch Gelb und Rosa, schaffen vollkommene Harmonie, bis zu 50 Meter hohe Kuppeln sind Meisterwerke der Baukunst.

Persepolis
Unverzichtbar ist auch ein Besuch der antiken Großstadt Persepolis, von Darius dem Großen um 515 vor Christus geplant, von ihm sowie seinen Nachfolgern Xerxes und Artaxerxes bewohnt, 332 v. Chr. durch die Truppen Alexanders des Großen besetzt und im Überschwang der Siegesfeiern, so heißt es, verbrannt. Die monumentale Anlage wurde dem Verfall preisgegeben, ihre Überreste - darunter 20 Meter hohe Säulen, viele erst 1930 freigelegte Reliefdarstellungen, Königsgräber, aufgeschichtete Quader aus Kalkstein, riesige Terrassen, das von riesigen Stierfiguren bewachte „Tor aller Länder“ - geben bis heute Zeugnis von der Blüte des antiken Herrschersitzes.

Grandiose Naturbilder vervollständigen die unvergesslichen Eindrücke einer auch nur einwöchigen “Kompaktreise" in den Iran: Einige schöne Blicke auf die schneebedeckten 5000er im Norden Teherans begeisterten nicht nur Bergfexe, eindrucksvoll waren auch die langen Fahrten - auf guten Straßen, glücklicherweise - durch das karge Hochland in die Großstädte Isfahan und Shiraz. Gänzlich anders schließlich der Abstecher in die Wüste bei Yazd, der Stadt des Feuertempels des Zoroaster mit ihren Türmen des Schweigens - in ihnen wurden in vorislamischer Zeit die Toten abgelegt - und der historischen, in den letzten Jahren behutsam renovierten Altstadt aus Lehm. Sternenklare Nacht und Sonnenaufgang in der Wüste waren Erlebnisse, die ein ewiges Persien jenseits der Großstädte zeigten - und das Mosaik eines großartigen Reiseziels vervollkommnen.

Wiederkommen wäre schön - aber so schnell nicht zu realisieren. Zur Überbrückung schnuppere ich vorläufig am mitgebrachten Rosenwasser und denke wehmütig an die vielen duftenden Gärten - die poetische Essenz Persiens.

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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