Mi, 15. August 2018

Im Tourismus

29.05.2018 16:23

Arbeitszeit wichtiger als Geld und Karriere

Händeringend suchen derzeit viele Tiroler Hotels und Restaurants Personal für die Sommersaison. Bei einer Diskussion in der Arbeiterkammer (AK) wurde am Donnerstag deutlich, woran es liegt. Die Arbeitszeiten im Tourismus schrecken vor allem junge Menschen ab und das Image der Branche ist schlecht. Doch es gibt neue Ideen.

Wie berichtet, fehlen im Tiroler Tourismus derzeit mehr als tausend Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren wurden die Lücken mit Kräften aus dem Ausland gefüllt. Doch die kommen nicht mehr so zahlreich. Wie also wieder mehr Einheimische fürs Hotel- und Gastgewerbe gewinnen? Werner Pramstrahler vom Arbeitsmarktförderungsinstitut in Südtirol präsentierte bei der Veranstaltung in der AK eine Mitarbeiterbefragung. Aus der geht hervor, dass in Nordtirol 24 Prozent der Beschäftigten über sehr lange Arbeitstage klagen. In Südtirol sind es mit 9 Prozent vergleichsweise wenig. Noch weniger Probleme gebe es in Deutschland und in der Schweiz, ergänzt Pramstrahler. „Geld und Karriere sind nicht so entscheidend wie die Arbeitszeit“, verwies die Vertreterin einer Tourismusschule auf eine Befragung unter Absolventen.

Dass die Arbeitszeiten neben dem Stress-Faktor und der Bezahlung Arbeitssuchende am meisten abschrecken, das bestätigt auch Tirols AMS-Chef Anton Kern. Er sieht aber in den letzten Jahren ein Umdenken: „Die Branche hat das erkannt und reagiert darauf. Das ist auch notwendig, um vor allem den Nachwuchs wieder für den Tourismus zu begeistern.“

Neue Arbeitszeitmodelle
Hotelier Florian Werner (Arlberg Hospiz) berichtete davon, dass in seinem Betrieb mittlerweile sehr unterschiedliche Arbeitszeitmodelle praktiziert werden: „Wir bieten Sechs- oder Fünf-Tage-Wochen an, für Saisonkräfte verschiedene Monatsmodelle. Auch Teilzeit, was bei Mitarbeitern aus der Region gefragt ist.“

Elide Mussner Pizzinini vom Hotel La Perla im Südtiroler Corvara präsentierte bei der Diskussion das Modell ihres Hauses. Dazu gehört Weiterbildung in der Arbeitszeit, viel Mitsprache für die Mitarbeiter und eine Aufteilung der Trinkgelder auf alle Beschäftigten. 80 Prozent der Ganzjahresmitarbeiter kommen aus der Region und bleiben über Jahre im Betrieb.

5500 Euro für Chefkoch
Auch die Bezahlung ist zentrales Thema, wenn vom Mitarbeitermangel im Tourismus die Rede ist. Gestaunt wurde über Werners Bemerkung, dass er einem Chefkoch 5500 Euro netto bezahle: „Das ist der Arlberg-Zuschlag, sonst kommt mir kein Spitzenkoch nach St. Christoph“.

Einig waren sich alle, dass der Tourismus ein attraktives Arbeitsfeld ist. An den Rahmenbedingungen müsse allerdings noch gefeilt werden.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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